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Hintergrund

Rückgang der Biodiversität


Molch, fotogragiert in Pennsylvania, USA

Seit einigen Jahrzehnten verringert sich die Biodiversität dramatisch. Natürliche Lebensräume wie Wälder oder Korallenriffe gehen verloren. Besonders deutlich wird dies in den 35 sogenannten "Hotspots der Biodiversität" weltweit. Dies sind Regionen, die einen hohen Prozentsatz endemischer – also nur dort vorkommender – Tier- und Pflanzenarten aufweisen und die gleichzeitig besonders bedroht sind. So ist zum Beispiel der brasilianische Atlantikregenwald auf nur etwa acht Prozent seiner ursprünglichen Fläche geschrumpft. Die Abholzung in diesem Gebiet begann bereits im 17. Jahrhundert – allerdings wurde in den letzten 50 Jahren ebenso viel Fläche gerodet wie in den drei Jahrhunderten zuvor.

Die Fakten sind besorgniserregend: Die International Union for Conservation of Nature (IUCN) stuft fast 30 Prozent der in der Roten Liste erfassten rund 86.000 Arten als "gefährdet" ein (Stand: Mai 2017). Da noch längst nicht alle Arten entdeckt und beschrieben sind, dürfte die Dunkelziffer weitaus höher liegen. Auch die Aussterberate hat sich massiv erhöht. Und der Artenverlust betrifft nicht nur wild lebende Tiere und Pflanzen – auch alte Kulturpflanzen und Haustierrassen verschwinden, weil sie den Ansprüchen der modernen Landwirtschaft nicht mehr genügen.

Die Gründe für diese rasante Verminderung sind vielschichtig: Die zu intensive Nutzung der natürlichen Ressourcen durch eine wachsende Weltbevölkerung und die Umwandlung natürlicher Ökosysteme in Nutzflächen gehören zu den wichtigsten Ursachen. Wenn diese Prozesse ungebremst weitergehen, werden sie schwerwiegende Folgen für unser aller Leben haben: Durch den Verlust von Arten und Ökosystemen gehen wichtige Leistungen der Natur verloren, zum Beispiel die Bereitstellung von sauberem Wasser, fruchtbaren Böden, genetischen Ressourcen und der natürliche Schutz vor Fluten und Überschwemmungen.

Übernutzung der natürlichen Ressourcen

Eine der Hauptursachen für den Verlust von Biodiversität ist die zu intensive Nutzung der Tier- und Pflanzenwelt und ihrer Lebensräume durch den Menschen. So zeigt zum Beispiel der Weltfischereibericht 2016 der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) auf, dass die Fischerei die Artenvielfalt in den Meeren bedroht. Von mehr als 30 Prozent der erfassten Meeresfischarten werden mehr Fische gefangen als im selben Zeitraum nachwachsen können. Diese hochgradig kurzsichtige Wirtschaftsweise gefährdet die Ernährungssicherheit und die Wirtschaftsgrundlage von Millionen von Menschen.

Der Ressourcenverbrauch eines Menschen oder Landes lässt sich mit dem Instrument des "ökologischen Fußabdrucks" abschätzen. Bei dieser Modellrechnung werden die Ressourcen, die für den Lebensstil eines Menschen verbraucht werden, in ein Verhältnis zu den vorhandenen Umweltressourcen gesetzt. Insbesondere die Bevölkerung der Industriestaaten nutzt mehr natürliche Ressourcen als die Ökosysteme unseres Planeten zur Verfügung stellen können. Demnach würde die gesamte Menschheit derzeit 1,5 Erden benötigen, um ihre Ressourcennachfrage zu befriedigen.

Aber auch in den Partnerländern der deutschen Entwicklungszusammenarbeit sind viele Menschen – vor allem aufgrund ihrer Armut – dazu gezwungen, natürliche Ressourcen zu intensiv zu nutzen. Abholzung, ungeregelte Müllentsorgung, Wasserverschmutzung, unangepasste landwirtschaftliche Bewirtschaftungsmethoden und die Ausweitung von Straßen und städtischer Infrastruktur zerstören natürliche Lebensräume. Zum Beispiel werden Wälder abgeholzt, um kurzfristig Feuerholz und Weideflächen zu gewinnen. Langfristig fehlen die Wälder jedoch als Holzlieferanten, Sauerstoffproduzenten und Wasserspeicher. Der Boden verliert ohne das Wurzelwerk der Wälder seinen Halt und kann bei Regen fortgeschwemmt werden.

Die nicht nachhaltige Rohstoffförderung und die Nutzung von Wald- und Ackerflächen für die globale Lebensmittel- und Treibstoffproduktion verstärken den Druck auf die natürlichen Ressourcen dramatisch. Instabile politische Verhältnisse, die ungerechte Verteilung von Land und fehlende Rechtsgrundlagen und Kontrollinstrumente beschleunigen diese Prozesse. So entsteht ein Teufelskreis: Armut führt zu Umweltzerstörung und durch den daraus folgenden Verlust der Lebensgrundlagen nimmt die Armut weiter zu.


Klimawandel

Luftaufnahme des Regenwaldes im Nationalpark Anavilhanas, Manaus/Brasilien

Der Klimawandel gefährdet das empfindliche Gleichgewicht vieler Ökosysteme. Korallenriffe, Bergregionen und die Polargebiete sind schon heute sichtbar beeinträchtigt. Je größer die Biodiversität eines Ökosystems ist, desto besser kann es sich an Veränderungen anpassen – und damit die Folgen des Klimawandels für den Menschen abmildern. Korallenriffe und Mangrovenwälder schützen zum Beispiel Küstengebiete vor Sturmfluten und einem ansteigenden Meeresspiegel. Sie erbringen dadurch ähnliche Leistungen wie beispielsweise ein Deich, sind aber kostengünstiger. Tier- und Pflanzenarten, die heute wenig Beachtung finden oder noch gar nicht bekannt sind, könnten vielleicht unter geänderten Klimabedingungen in der Zukunft eine große Bedeutung erlangen.

Um den Klimawandel zu bremsen, muss einerseits der Ausstoß von Treibhausgasen, vor allem von Kohlenstoffdioxid, deutlich reduziert und andererseits deren Anteil in der Atmosphäre vermindert werden. Auch dafür ist biologische Vielfalt unerlässlich: Artenreiche Ökosysteme wie Meere, Wälder, Moore und Korallenriffe sind in der Lage, Kohlenstoffdioxid zu binden. Sie spielen damit eine zentrale Rolle bei der Regulierung des Klimas – auf regionaler und globaler Ebene.


Invasive Arten

Junger Nilbarsch

Eine weitere Bedrohung für die biologische Vielfalt besteht darin, dass immer mehr Arten in Lebensräume vordringen, in denen sie ursprünglich nicht heimisch waren. Man spricht von "invasiven" Arten.

In einem begrenzten Rahmen ist dieses Phänomen natürlich – es hat sich aber in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verstärkt. Ursachen sind der weltumspannende Handel und Tourismus, durch den Arten zufällig oder absichtlich an neue Orte gebracht werden, aber auch der Klimawandel, der geeignete Lebensbedingungen für die Neuankömmlinge schafft.

Die gebietsfremden Arten können heimische Tier- und Pflanzenarten verdrängen – vor allem wenn sie besonders anpassungsfähig sind und in ihren neuen Lebensräumen keine natürlichen Feinde haben. Sie tragen dadurch zum Schwund der Biodiversität bei und verursachen darüber hinaus oft direkte wirtschaftliche Schäden. Ein bekanntes Beispiel ist die absichtliche Einbürgerung von Nilbarschen im ostafrikanischen Viktoriasee in den 1960er Jahren. Die schnell wachsenden, bis zu zwei Meter langen Fische sollten wirtschaftliche Vorteile bringen. Inzwischen hat ihre Einbürgerung dazu geführt, dass ein großer Teil der ursprünglich im Viktoriasee heimischen Buntbarscharten ausgestorben ist.

Zum Schutz der weltweiten Vielfalt müssen Kontrollmechanismen eingerichtet werden, um eine Ausbreitung potenziell invasiver Arten zu verhindern und bereits ansässige Populationen zu bekämpfen.


Weitere Informationen

Lexikon der Entwicklungspolitik

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