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Der deutsche Beitrag

Schutzgebiete schaffen und erhalten

Luftaufnahme vom Nationalpark Anavilhanas, Brasilien

Ein wichtiges Instrument zum Erhalt der biologischen Vielfalt sind nachhaltig verwaltete und bewirtschaftete Schutzgebiete wie Nationalparks, Biosphärenreservate und Weltnaturerbestätten, aber auch lokale und private Schutzgebiete. Sie leisten einen Beitrag zum Erhalt von Land- und Meeresökosystemen und bewahren genetische Ressourcen für zukünftige Generationen. Für die Lebens- und Wirtschaftsgrundlage des Menschen erbringen sie wichtige Ökosystemdienstleistungen und tragen dazu bei, kulturelle Identität zu bewahren. Investitionen in Schutzgebiete lohnen sich, denn die zunehmende Zerstörung biologischer Vielfalt verursacht enorme wirtschaftliche Kosten, die bisher nur unzureichend in der ökonomischen Gesamtrechnung abgebildet werden.

Die große Bedeutung von Schutzgebieten spiegelt sich auch im strategischen Plan für die Umsetzung des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD) wider, der 2010 im japanischen Nagoya beschlossen wurde. Das elfte der 20 formulierten Ziele sieht vor, weltweit bis zum Jahr 2020 mindestens 17 Prozent der terrestrischen Fläche (derzeit knapp 13 Prozent) und mindestens zehn Prozent der Küsten- und Meeresfläche (derzeit weniger als ein Prozent) unter Schutz zu stellen.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit unterstützt mehr als 40 Partnerländer finanziell und technisch beim Aufbau und Management von Schutzgebieten. Darunter sind 22 Welterbestätten, 31 Biosphärenreservate und 17 grenzübergreifende Schutzgebiete. Bis 2014 hat Deutschland fast 178 Millionen Euro zur Kapitalausstattung von 13 Naturschutz- und Biodiversitätsfonds in Lateinamerika, Afrika und dem Kaukasus aufgewendet.

Interessen der Bevölkerung berücksichtigen

Eine junge Riesenschildkröte wird vermessen.

Die Herangehensweise für die Einrichtung und Weiterentwicklung von Schutzgebieten hat sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt. Wurden früher staatliche Nationalparks oft als streng gesicherte "Inseln" in der Nutzlandschaft eingerichtet, wird heute verstärkt darauf geachtet, zusammenhängende Netzwerke aus verschiedenen Schutzgebietstypen aufzubauen. Dabei werden auch soziale Aspekte stärker berücksichtigt.

Denn damit ein Schutzgebiet seine Aufgaben erfüllen kann und langfristig bestehen bleibt, müssen die Interessen, Werte und Lebensweisen der lokalen Bevölkerung berücksichtigt werden. Neben weiterhin streng geschützten Kernregionen werden daher auch Rand- und Pufferzonen definiert, die zum Beispiel eine landwirtschaftliche Nutzung erlauben. Die lokale Bevölkerung wird bei Naturschutzmaßnahmen im Rahmen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit von Beginn an in die Planung einbezogen. Gleichzeitig werden die für die Schutzgebietsverwaltung verantwortlichen Institutionen beraten und deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fortgebildet.

Ein wichtiger Aspekt ist dabei, dass auch die Finanzierung der Schutzgebiete langfristig gesichert ist. Das BMZ engagiert sich daher im Rahmen der "LifeWeb"-Initiative, die 2008 von Deutschland ins Leben gerufen wurde. Über diese Kooperationsplattform werden Staaten, die ihre nationalen Schutzgebietssysteme verbessern wollen, mit potenziellen Gebern vernetzt. Die Initiative verbessert nicht nur die Planung und Abstimmung von Aktivitäten. Sie schafft auch Anreize für eine finanzielle Unterstützung von Schutzgebieten durch nichtstaatliche Akteure wie Privatstiftungen und Unternehmen.


Wissen und Kulturen bewahren

Biologische Vielfalt ist auch Grundlage von kultureller Vielfalt. Schwindet sie, geht mit ihr auch das traditionelle Wissen über die Nutzung natürlicher Ressourcen verloren. Insbesondere für indigene Gemeinschaften hat der Verlust von Biodiversität daher einschneidende Konsequenzen. Auch wenn ihr Lebensraum in vielen Fällen keinen offiziellen staatlichen Schutzstatus genießt, tragen indigene Völker und lokale Gemeinschaften oftmals erheblich zum Erhalt der biologischen Vielfalt bei.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit setzt sich dafür ein, diesen Beitrag stärker anzuerkennen. Zudem unterstützt sie bedrohte Kulturen dabei, ihre Interessen auf nationaler und internationaler Ebene zu vertreten. Unter anderem werden die verantwortlichen nationalen Institutionen beraten, wie sich traditionelles Wissen rechtlich schützen lässt und wie gewährleistet werden kann, dass die indigenen Gemeinschaften einen gerechten Anteil an den Gewinnen aus der Vermarktung ihrer Ressourcen erhalten.


Lexikon der Entwicklungspolitik

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