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Der deutsche Beitrag

Neue Ansätze entwickeln


Ein Bauer in einem Weizenfeld in Cochabamba, Bolivien

Obwohl die Menschheit von den Gütern und Leistungen der Natur abhängig ist, haben sie in den meisten Fällen keinen Preis und es gibt keinen Markt für sie. Darum werden sie als wirtschaftliches Gut kaum wahrgenommen, und über ihren Wert wurde in der Vergangenheit wenig nachgedacht. Diese scheinbare Wertlosigkeit von Naturleistungen hat dazu beigetragen, dass die biologische Vielfalt inzwischen stark bedroht ist.

Deutschland engagiert sich dafür, die Wertschätzung der Biodiversität zu verbessern und verfolgt dazu neue Ansätze. Über das Bundesumweltministerium hat Deutschland die international viel beachtete Studie zur wirtschaftlichen Bewertung von Biodiversität und Ökosystemdienstleistungen initiiert und mitfinanziert (The Economics of Ecosystems and Biodiversity, TEEB).

Aus der Studie ist inzwischen eine internationale Initiative hervorgegangen. Sie will zur Entwicklung einer neuen Wirtschaftsphilosophie beitragen, die den Wert der Ökosystemdienstleistungen bei politischen und ökonomischen Entscheidungsprozessen berücksichtigt.

Wichtige Weichenstellungen dafür wurden 2012 auf der Rio+20-Konferenz vorgenommen – der dritten Folgekonferenz zur Rio-Konferenz von 1992. In der Abschlusserklärung bekennt sich die Staatengemeinschaft erstmals zum Konzept der "Green Economy". Dieses Wirtschaftsmodell berücksichtigt die Wechselwirkungen zwischen Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt. Es zielt darauf ab, wirtschaftliches Wachstum ökologisch und sozial verträglich zu gestalten. Ausdrücklich wird in der Abschlusserklärung auf den "ökologischen, genetischen, sozialen, ökonomischen, wissenschaftlichen, erzieherischen, kulturellen, entspannenden und ästhetischen" Wert von Biodiversität hingewiesen.

Auch in der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung wurde die Biodiversität sichtbar verankert: Die Ziele 14 und 15 widmen sich dem Erhalt der biologischen Vielfalt an Land und im Wasser und der nachhaltigen Nutzung der natürlichen Ressourcen.

Mechanismen für eine gerechtere Verteilung der Kosten

Um die Kosten, die bei der Erhaltung von Ökosystemen entstehen, gerechter zu verteilen, wurden in den vergangenen Jahren verschiedene Mechanismen entwickelt. In der Praxis findet man inzwischen viele Beispiele für "Zahlungen für Ökosystemdienstleistungen" (Payments for Ecosystem Services, PES). Dahinter steckt der Gedanke, dass diejenigen, die zum Erhalt von Ökosystemen beitragen – die lokale Bevölkerung, oft auch indigene Gemeinschaften – von den Nutznießern der Ökosystemdienstleistung dafür bezahlt werden sollen. Dies kann auf lokaler Ebene stattfinden, zum Beispiel, indem Einnahmen aus Ökotourismus den Anwohnern zugutekommen oder Wassernutzer am unteren Flusslauf Landwirte in ihrem Wassereinzugsgebiet für eine wasserschonende Wirtschaftsweise bezahlen.

Daneben können auch Ökosystemdienstleistungen von länderübergreifender Bedeutung finanziert werden, beispielsweise der Erhalt von Lebensräumen für Wandervögel oder die Vermeidung von Kohlendioxid-Emissionen über REDD-Programme.

Ein weiterer Mechanismus sind sogenannte "Offsets", die auf dem Verursacherprinzip beruhen. Es handelt sich dabei um Zahlungen und Leistungen von Firmen. Sie müssen zum Beispiel Ausgleichsmaßnahmen finanzieren, wenn durch Großprojekte Biodiversität verloren geht. Oder sie müssen Zertifikate erwerben, wenn ihr Kohlendioxid-Ausstoß über dem politisch festgelegten Emissionsziel liegt. Auch Umweltsteuern können zu Schutz und nachhaltiger Nutzung von natürlichen Ressourcen beitragen.


Lexikon der Entwicklungspolitik

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