Hauptinhalt

Meeresschutz

Meeres- und Küstenökosysteme schützen – und nachhaltig nutzen

Fischmarkt in Nouakchott, Mauretanien

Der Atlantik vor der Küste von Mauretanien ist eines der fischreichsten Meere der Welt. Die Fischerei ist eine tragende Säule der mauretanischen Wirtschaft und bildet die Lebensgrundlage für einen großen Teil der Bevölkerung. Außerdem ist die mauretanische Küste ein wichtiger Lebensraum für Tausende von Zugvögeln, die dort überwintern. Um diese wichtigen Meeres- und Küstenlebensräume zu erhalten, hat Mauretanien ein Drittel seiner Küste unter Schutz gestellt. Der Nationalpark Banc d’Arguin hat aufgrund seiner globalen Bedeutung sogar den Status eines UNESCO-Weltnaturerbes erlangt.

Doch die empfindlichen marinen Ökosysteme sind gefährdet. Überfischung und illegale Fischerei – insbesondere durch internationale Fangflotten – dezimieren die Fischbestände. Auch die Ausbeutung der Erdöl- und Erdgasreserven vor der mauretanischen Küste belastet die Umwelt und bedroht die Meeresbiodiversität. Hinzu kommen Veränderungen durch den globalen Klimawandel, der die Artenvielfalt vor der Küste zusätzlich gefährdet – und damit auch die wirtschaftliche Existenz vieler Menschen an der westafrikanischen Küste.

Die mauretanische Regierung ist sich der Bedeutung einer nachhaltigen Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen bewusst. Mit deutscher Unterstützung haben mauretanische Ministerien, Kommunen und Nationalparkverwaltungen schon viel dafür getan, die Nutzung der natürlichen Ressourcen umweltschonender zu gestalten und wichtige Ökosysteme zu erhalten.

Das deutsche Engagement zum Erhalt der Meeres- und Küstenbiodiversität

Fischerboote im Nationalpark Banc d'Arguin, Mauretanien

Expertinnen und Experten aus Deutschland stärken die Leistungsfähigkeit der zuständigen mauretanischen Behörden. Sie unterstützen zum Beispiel das mauretanische Umweltministerium dabei, die Rechtsgrundlagen für den Meeresschutz zu verbessern und internationale Umweltkonventionen umzusetzen.

In ausgewählten Nationalparks werden Managementmethoden eingeführt, um die Meeres- und Küstenbiodiversität zu erhalten. Hierfür ist es besonders wichtig, die Bevölkerung in die Verwaltung der Nationalparks miteinzubeziehen. So werden die Regeln für Kleinfischer im Nationalpark Banc d’Arguin gemeinsam von der Parkverwaltung und den dörflichen Fischereikomitees vereinbart, um einen fairen Ausgleich zwischen Schutz und Nutzung der Meeresressourcen zu finden. Außerdem werden die Nationalparks mithilfe eines Stiftungsfonds, an dem sich Deutschland maßgeblich beteiligt, langfristig finanziell abgesichert.

Gemeinsam mit internationalen Naturschutzorganisationen unterstützt Deutschland ein Programm, durch das Firmen im Erdöl- und Erdgassektor zum Erhalt der Biodiversität beitragen können. Unter anderem werden Beobachtungs- und Frühwarnsysteme für die Meeresumwelt eingerichtet. Wissenschaftliche Erkenntnisse über die Meeresbiodiversität wurden zusammengetragen und verbreitet. Außerdem wurde der Dialog zwischen den beteiligten Ministerien, den Erdöl- und Erdgasunternehmen, der Zivilgesellschaft und der Wissenschaft vertieft.


Nachhaltige Fischerei

Ein Offizier der Küstenwache kontrolliert per Radar, wer in den Gewässern vor Mauretanien fischt.

Um die Fischerei vor der mauretanischen Küste und die damit verbundenen Arbeitsplätze langfristig zu sichern, unterstützt das Bundesentwicklungsministerium (BMZ) die mauretanische Regierung dabei, Bewirtschaftungspläne für die am stärksten gefährdeten Arten Garnele und Tintenfisch zu erstellen. Diese Pläne orientieren sich am Lebens- und Fortpflanzungszyklus der Wassertiere und legen genau fest, wie viele von ihnen wann und wo gefangen werden dürfen. Außerdem enthalten sie Auflagen für die Fangboote, definieren Schonzeiten und zeigen Möglichkeiten auf, wie die Wertschöpfung der Fischereiprodukte an Land gesteigert werden kann.

So hat die Regierung unter anderem eine zweite Schonzeit für Tintenfische angeordnet und die Fangquoten im Fischereiabkommen mit der Europäischen Union reduziert.

Um zu gewährleisten, dass Schonzeiten und Fangquoten respektiert werden, hat Deutschland den Aufbau eines satellitengestützten Überwachungssystems gefördert. Alle durch mauretanische Gewässer fahrenden Schiffe sind nun verpflichtet, der Küstenwache ihre exakten Positionsdaten durchzugeben. Es wurden zusätzliche Patrouillenboote angeschafft und Radarstationen auf dem Festland errichtet. Private Fischereiunternehmen müssen sich durch eine Abgabe auf ihre Fischereilizenz finanziell an diesem Überwachungssystem beteiligen.

Mauretaniens Fischereiüberwachung gilt inzwischen als beispielhaft in Westafrika. Das illegale Fischen konnte weitgehend unterbunden werden, die Fischbestände können sich erholen. Damit ist ein wichtiger Schritt getan, die Existenzgrundlage der mauretanischen Fischer zu sichern.


Schutz vor den Folgen des Klimawandels

Anpassung an den Klimawandel: Arbeiter stabilisieren die Dünen, die die mauretanische Hauptstadt Nouakchott vor dem steigenden Meeresspiegel schützen sollen.

Die mauretanische Hauptstadt Nouakchott wurde erst 1960 am Rande der Sahara in einem ausgetrockneten Salzsee errichtet. Vorher gab es dort nur ein kleines Dorf – heute leben mehr als 900.000 Menschen in der Küstenstadt. Insbesondere die informellen Siedlungen sind in den 1970er und 1980er Jahren rasant gewachsen. Langen Trockenperioden fielen damals große Teile der Viehherden zum Opfer – die bis dahin nomadisch lebende Bevölkerung floh in die Hauptstadt. Eine vorausschauende Stadtplanung und -entwicklung war unter diesen Bedingungen nicht möglich.

Bis in die 1990er Jahre wurde das Baumaterial für die Stadt dem natürlichen Dünengürtel am Meer entnommen. Dadurch verloren die tiefliegenden Stadtteile ihren einzigen Schutz vor eindringendem Meerwasser. Seit etwa zehn Jahren macht ein zusätzliches Phänomen der Stadt zu schaffen: Der Grundwasserpegel steigt, einige Stadtteile stehen dadurch zum Teil monatelang unter Wasser. Die Folgen der globalen Klimaerwärmung – steigende Meeresspiegel und häufigere Starkregen – erhöhen das Überschwemmungsrisiko zusätzlich.

Das BMZ unterstützt das Umweltministerium und die Stadtverwaltung dabei, die Stadt besser zu schützen. Drei Breschen im Dünengürtel wurden geschlossen, weitere Abschnitte stabilisiert. So konnte die natürliche Schutzfunktion des Dünengürtels wiederhergestellt werden.

Damit sie ihre Projektplanung künftig systematisch an den Klimawandel anpassen können, wurde Entscheidungsträgern in der nationalen und kommunalen Verwaltung das nötige Know-how vermittelt. Ein neu entwickeltes Informationssystem ermöglicht den Zugriff auf Daten und Dokumente. Auf dieser Grundlage kann Wissen schneller ausgetauscht werden, Anpassungsmaßnahmen können besser geplant, gesteuert und ausgewertet werden. Lokale Verwundbarkeitsanalysen und neue, am Klimawandel orientierte Risikoabschätzungen für verschiedene Stadtteile fließen in einen integrierten Aktionsplan für die Stadt ein.


Weitere Informationen

Lexikon der Entwicklungspolitik

Fenster schließen

 

Seite teilen