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Der deutsche Beitrag

Meere schützen und nachhaltig nutzen

Nordpolarmeer bei Spitzbergen

Die Weltmeere bedecken mehr als 70 Prozent unseres Planeten. Sie sind ein zentraler Bestandteil des globalen Ökosystems, ohne sie wäre das Leben auf der Erde in seiner heutigen Form nicht möglich. Die Ozeane erfüllen wichtige klimaregulierende Funktionen. Sie produzieren 50 Prozent unseres Sauerstoffs und haben 20 bis 30 Prozent der menschengemachten CO2-Emissionen aufgenommen. Der Ozean absorbiert nicht nur einen erheblichen Teil des CO2 – auch die zusätzliche Wärme, die durch den menschengemachten Treibhauseffekt entsteht, wird zu über 90 Prozent vom Ozean aufgenommen.

Die Meere beherbergen eine enorme biologische Vielfalt und leisten einen wichtigen Beitrag zur Ernährungssicherung: Fisch macht bei 3,2 Milliarden Menschen fast 20 Prozent ihres Konsums an tierischem Protein aus. Da Fischprodukte wichtige Fettsäuren und Mikronährstoffe enthalten, helfen sie, Mangelernährung vorzubeugen. Der Fischereisektor, insbesondere die handwerkliche Kleinfischerei, bildet die Existenzgrundlage von mehr als zehn Prozent der Weltbevölkerung. Der größte Teil dieser Menschen lebt in Entwicklungsländern.

Meeresökosysteme in Gefahr

Fischschwarm (Goldstreifen-Füsiliere) in Papua-Neuguinea

Verschmutzung, Überfischung und der globale Klimawandel belasten das Ökosystem Meer und bedrohen die Lebensgrundlage vieler Menschen. Artenreiche Meeres- und Küstenlebensräume wie Mangrovenwälder, Seegraswiesen und Korallenriffe werden durch Abholzungen, zerstörerische Fischereipraktiken und andere Eingriffe massiv beeinträchtigt.

Neben der Artenvielfalt sind auch die Fischbestände und damit die Lebensgrundlage vieler Fischerfamilien bedroht. Heute sind 33 Prozent aller erfassten Bestände überfischt und 60 Prozent werden an der maximalen Grenze zur Nachhaltigkeit befischt.

Mehr Informationen finden Sie hier: Nachhaltige Fischerei und Aquakultur.


Plastikmüll am Ufer des Roten Meeres

Die zunehmende weltweite Verschmutzung der marinen Ökosysteme durch Müll ist eine der sichtbarsten Bedrohungen für die Weltmeere. Allein die Schätzung des globalen jährlichen Eintrags von Plastikmüll in die Meere reichen von 4,8 bis 12,7 Millionen Tonnen. Darunter leiden die Ökosysteme an der Küste und auf hoher See, Fischerei und Tourismus werden beeinträchtigt.

Mehr Informationen finden Sie hier: Meeresmüll – eine Gefahr für Mensch und Tier.

Die durch den Klimawandel bedingte Erwärmung und Versauerung der Meere belastet empfindliche Ökosysteme wie Korallenriffe. Bereits heute sind 67 Prozent der Korallenriffe weltweit ernsthaft gefährdet.

Mehr Informationen finden Sie hier: Meere und Klima.

Zusätzlich sind der Anstieg des Meeresspiegels und häufiger auftretende Extremwettereignisse eine ernstzunehmende Gefahr für die Küste und ihre Bewohner.

Mehr Informationen finden Sie hier: Klimarisikomanagement.

Weltweit sind nur 7,4 Prozent der Meeresgebiete unter Schutz gestellt. Hinzu kommt, dass nicht jedes dieser Gebiete bereits einen Schutzplan und die nötigen Ressourcen für Monitoring und Überwachung hat. Ihr Schutz steht somit teilweise nur auf dem Papier. Dies reicht bei Weitem nicht aus, um das im Rahmen der Konvention über die biologische Vielfalt vereinbarte Ziel zu erreichen, mindestens zehn Prozent der Meeresgebiete bis 2020 wirksam zu schützen.


Aktuelle internationale Bemühungen um den Schutz der Meere

Unterwasseraufnahme: Sonnenstrahlen durchdringen die oberen Wasserschichten eines Ozeans

Das Thema Meeresschutz ist in den letzten Jahren verstärkt in den Fokus der internationalen Politik gerückt und in internationale und regionale Abkommen aufgenommen worden.

Mit dem Strategischen Plan der Konvention über die biologische Vielfalt (CBD) hat die internationale Staatengemeinschaft in den letzten zehn Jahren wichtige und ambitionierte Ziele auch für die marine Natur verfolgt, darunter zu nachhaltiger Fischerei, Ausweitung von Schutzgebieten und zum Schutz von Korallen.

Die Bilanz zur Erreichung der Ziele im Jahr 2020 wird für einige der Ziele jedoch ernüchternd ausfallen. Umso wichtiger wird es sein, bei der anstehenden Verhandlung eines neuen Rahmenwerks, die Ziele hochgesteckt zu halten, Ressourcen für die Umsetzung zu mobilisieren und bessere Mechanismen einzurichten, um sie nachzuhalten.

Dem Schutz und der nachhaltigen Nutzung der Ozeane, Meere und Meeresressourcen ist in der Agenda 2030 ein eigenes Ziel für nachhaltige Entwicklung, das SDG 14 (Leben unter Wasser – Ozeane, Meere und Meeresressourcen im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung erhalten und nachhaltig nutzen), gewidmet.

Die UN-Ozeankonferenz zur Umsetzung von SDG 14 mobilisierte 2017 über 1.600 freiwillige Selbstverpflichtungen von Regierungen, Zivilgesellschaft und privatwirtschaftlichen Akteuren und verabschiedete einen Aufruf zum Handeln. Im Juni 2020 hätten sich Regierungen, internationale Institutionen, Zivilgesellschaft und Vertreter der Privatwirtschaft in Lissabon zur zweiten UN-Ozeankonferenz zu SDG 14 getroffen. Wegen der Corona-Krise muss auch diese Konferenz verschoben werden.

Die G7 und die G20 haben 2015 und 2017 einen Aktionsplan zur Bekämpfung der Meeresvermüllung verabschiedet – jeweils unter deutscher Präsidentschaft.

Für 2021 bis 2030 haben die Vereinten Nationen die Dekade Ozeanforschung für nachhaltige Entwicklung ausgerufen. Ziel der "Ozeandekade" ist die Umsetzung der marinen Ziele der Agenda 2030 auf Basis von wissenschaftlichen Erkenntnissen: Um die fortschreitende Degradierung von Meeres- und Küstenökosystemen aufzuhalten, braucht es wissenschaftlich fundierte politische Maßnahmen. Die Auftaktveranstaltung der Ozeandekade wird 2021 in Berlin stattfinden und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung ausgerichtet.

Die sechste "Our Ocean"-Konferenz im Oktober 2019 hat erneut mit freiwilligen Verpflichtungen und Zusagen zum Schutz der Weltmeere, wie zum Beispiel der Förderung des Meeresschutzes in Entwicklungsländern über den Blue Action Fund, Impulse für mehr Engagement zum Schutz der Meere gesetzt.

Deutschland ist im Mai 2020 der "Global Ocean Alliance" für Meeresnaturschutz beigetreten. Diese internationale Initiative fordert den Schutz von mindestens 30 Prozent der weltweiten Meere und Ozeane bis zum Jahr 2030.


Deutsches Engagement

Ein kleiner Junge am Strand von Beira (Mosambik)

Mehr als zwei Drittel der Partnerländer der deutschen Entwicklungszusammenarbeit sind Insel- oder Küstenstaaten. Die Anzahl an Menschen, die in tief liegenden Küstenregionen lebt, nimmt kontinuierlich zu, insbesondere in den Millionenmetropolen in Asien.

Um die Küstenlebensräume für zukünftige Generationen zu bewahren und sie nachhaltig nutzen zu können, wird das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sein Engagement in den Bereichen Meeresschutz und Management von Küstenwirtschaftsräumen weiter verstärken.


10-Punkte-Aktionsplan Meeresschutz und nachhaltige Fischerei

Fischer in Mauretanien

Der 10-Punkte-Aktionsplan Meeresschutz und nachhaltige Fischerei ist seit 2016 Leitfaden für das Engagement des BMZ im Meeresschutz:

  1. Mehr und besser verwaltete Meeresschutzgebiete schaffen
  2. ​Nachhaltige handwerkliche Fischerei und Aquakultur fördern
  3. ​Nachhaltige und sozialverantwortliche Verarbeitung und Vermarktung von Fisch fördern
  4. ​Partnerländer bei der Bekämpfung illegaler, ungemeldeter und unregulierter Fischerei unterstützen
  5. ​Strategische Partnerschaften mit der Wirtschaft aufbauen
  6. ​Partnerländer bei der Reduzierung der Meeresverschmutzung unterstützen
  7. ​Strategien zum Umgang mit möglichen irreversiblen Schäden von Meeres-Ökosystemen entwickeln
  8. ​Küstenregionen bei der Anpassung an den Klimawandel unterstützen
  9. ​Frühwarnsysteme für die Folgen des Klimawandels ausbauen
  10. ​Länder- und themenübergreifende Kooperationen unterstützen

Ausführliche Informationen zu den einzelnen Punkten finden Sie ​hier (PDF 1 MB).


Drei Initiativen für den Meeresschutz

Launch des Blue Action Fund. Von links: Stephan Opitz (KfW), Ingrid Hoven (Abteilungsleiterin BMZ), David Morrison (Blue Action Fund), Entwicklungsminister Gerd Müller

Das BMZ arbeitet eng mit internationalen Partnern vor Ort zusammen und schützt so die Weltmeere.

Der Blue Action Fund – Die Weltmeere erhalten

Der Blue Action Fund (BAF) wurde 2016 vom BMZ in Kooperation mit der KfW Entwicklungsbank gegründet. BMZ fördert den Fonds seither mit 80 Millionen Euro. Weitere staatliche Finanzierungspartner sind das schwedische Außenministerium und Frankreich über die Agence Française de Développement (AFD). Seit 2019 beteiligt sich auch der Green Climate Fund (GCF).

Ziel des Blue Action Fund ist die Eindämmung des dramatischen Verlustes der biologischen Vielfalt der Ozeane durch die Stärkung des Meeres- und Küstenschutzes. Die lokale Entwicklung soll vorangetrieben und nachhaltige Lebensgrundlagen in den Küstengemeinden gefördert werden.

Der BAF ist der weltweit größte öffentliche Fond für den Erhalt und die Verbesserung von Meeresschutzgebieten und nachhaltiger Fischerei. Der BAF stellt Nichtregierungsorganisationen und lokalen Organisationen Zuschüsse zur Verfügung, um das Engagement zur Erhaltung der biologischen Vielfalt der Meere und zu deren nachhaltiger Nutzung erheblich auszuweiten.

Mehr Informationen finden Sie auf der englischsprachigen Website des Blue Action Fund.

"Save our Mangroves now!"

Mangrovenwälder bilden ein hoch spezialisiertes tropisches Küstenökosystem an der Schnittstelle von Land und Meer. Sie erfüllen wichtige Schlüsselfunktionen für Klima, Biodiversität und Ernährungssicherung.

Mangrovenwälder gehören zu den artenreichsten und produktivsten Ökosystemen der Welt – vor allem dienen sie als "Kinderstube" für zahlreiche Fischarten und bilden deshalb eine wichtige Grundlage für den Erhalt von Fischbeständen. Damit sichern Mangroven die Ernährungs- und Einkommensbasis für viele Küstenbewohner.

Außerdem formen Mangrovenwälder eine natürliche Schutzwand gegen Sturm- und Tsunamiwellen. Und sie speichern drei- bis fünfmal mehr Kohlenstoff als Wälder an Land.

Trotz all dieser nützlichen Eigenschaften sind bereits heute 35 Prozent der Mangrovenbestände weltweit verloren. Das BMZ startete gemeinsam mit dem World Wide Fund For Nature (WWF) und der Weltnaturschutzunion IUCN die Initiative, um Mangroven besser zu schützen.

Mehr Informationen zu "Save our Mangroves now!" gibt es ​hier (PDF 3 MB).

MeerWissen – German African Partners for Ocean Knowledge

Die Meere haben eine enorme Bedeutung für afrikanische Küstenstaaten zur Ernährungssicherung und wirtschaftlichen Entwicklung. Die Ökosysteme sind wegen Übernutzung und Verschmutzung jedoch in Gefahr. Vielfach mangelt es an wissenschaftlichen Daten oder Zugang dazu, so dass Entscheidungsträger nicht über die notwendigen Informationen verfügen, um nachhaltige Meerespolitik und -management voranzubringen.

Die Initiative MeerWissen stärkt Partnerschaften zwischen Meeresforschungseinrichtungen in Afrika und Deutschland und baut auf der internationalen Vorreiterrolle Deutschlands im Bereich der Meeresforschung und der regionalen Expertise afrikanischer Partnerländer auf. Wir tragen dazu bei, dass Politikentscheidungen künftig auf einer besser informierten Basis getroffen werden.

Damit trägt die Initiative zum globalen Nachhaltigkeitsziel für die Meere (SDG 14) und zur 2021 startenden UN-Dekade Meeresforschung für nachhaltige Entwicklung bei.

MeerWissen verfolgt einen Ansatz mit drei Kernaspekten:

  1. Stärkung der Kapazitäten afrikanischer Meereswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler und -institutionen in Partnerschaftsprojekten mit deutschen Meeresforschungseinrichtungen.
  2. Förderung des Dialogs zwischen Meeresforscherinnen und -forschern und Politikerinnen und Politikern über den Schutz der Meere in Afrika. So wird der Transfer von Forschungsergebnissen in politische Entscheidungsprozesse verbessert und ein wissensbasiertes Management gesichert.
  3. Förderung von Digitalisierung und Innovation durch das Nutzen moderner Technologien und digitaler Medien wie Smartphone-Apps, Open-Access-Datenplattformen oder Online-Kurse.

Mehr Informationen zu MeerWissen gibt es hier (PDF 780 KB).


Weitere Informationen

Informationen

Siehe auch

Externe Links

Lexikon der Entwicklungspolitik

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