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Der deutsche Beitrag

Meere schützen und nachhaltig nutzen

Nordpolarmeer bei Spitzbergen

Die Weltmeere bedecken mehr als 70 Prozent unseres Planeten. Sie sind ein zentraler Bestandteil des globalen Ökosystems, ohne sie wäre das Leben auf der Erde in seiner heutigen Form nicht möglich. Die Ozeane erfüllen wichtige klimaregulierende Funktionen, sie sind der weltweit wichtigste Sauerstoffproduzent und binden einen erheblichen Teil des Kohlendioxids, das die menschliche Zivilisation erzeugt.

Die Meere beherbergen eine enorme biologische Vielfalt und leisten einen wichtigen Beitrag zur Ernährungssicherung: Weltweit decken 2,9 Milliarden Menschen mehr als 20 Prozent ihres Bedarfs an tierischem Eiweiß durch Fisch. Da Fischprodukte wichtige Fettsäuren und Mikronährstoffe enthalten, helfen sie, Mangelernährung vorzubeugen. Der Fischereisektor, insbesondere die handwerkliche Kleinfischerei, bildet die Existenzgrundlage von mehr als zehn Prozent der Weltbevölkerung. Der größte Teil dieser Menschen lebt in Entwicklungsländern.

Meeresökosysteme in Gefahr

Fischschwarm (Goldstreifen-Füsiliere) in Papua-Neuguinea

Verschmutzung, Überfischung und der globale Klimawandel belasten das Ökosystem Meer und bedrohen die Lebensgrundlage vieler Menschen.

Artenreiche Meeres- und Küstenlebensräume wie Mangrovenwälder, Seegraswiesen und Korallenriffe werden durch Abholzungen, zerstörerische Fischereipraktiken und andere Eingriffe massiv beeinträchtigt. Dazu kommt, dass weltweit nur 3,4 Prozent der Meeresgebiete unter Schutz gestellt sind – und dieser Schutz existiert oft nur auf dem Papier. Dies reicht bei Weitem nicht aus, um das im Rahmen der Konvention über die biologische Vielfalt vereinbarte Ziel zu erreichen, mindestens zehn Prozent der Meeresgebiete bis 2020 wirksam zu schützen.

Neben der Artenvielfalt sind auch die Fischbestände und damit die Lebensgrundlage vieler Fischerfamilien bedroht. Heute gelten 90 Prozent der weltweiten Fischbestände als überfischt oder bis an die Grenze der Nachhaltigkeit ausgebeutet.


Plastikmüll am Ufer des Roten Meeres

Zudem nimmt die Verschmutzung der Meere durch Müll weltweit dramatisch zu. Riesige Mengen Plastikmüll landen jedes Jahr in den Meeren. Darunter leiden die Ökosysteme an der Küste und auf hoher See, Fischerei und Tourismus werden beeinträchtigt.

Die durch den Klimawandel bedingte Erwärmung und Versauerung der Meere belastet empfindliche Ökosysteme wie Korallenriffe. Bereits heute sind 67 Prozent der Korallenriffe weltweit ernsthaft gefährdet. Zusätzlich sind der Anstieg des Meeresspiegels und häufiger auftretende Extremwettereignisse eine ernstzunehmende Gefahr für die Küste und ihre Bewohner.


Aktuelle internationale Bemühungen um den Schutz der Meere

Unterwasseraufnahme: Sonnenstrahlen durchdringen die oberen Wasserschichten eines Ozeans

Das Thema Meeresschutz ist inzwischen deutlich in den Fokus der internationalen Politik gerückt und in internationale und regionale Abkommen aufgenommen worden. So wurde zum Beispiel im Juni 2015 beim G7-Gipfel in Elmau unter deutscher Präsidentschaft der G7-Aktionsplan zur Bekämpfung der Meeresvermüllung verabschiedet. Auch der G20-Gipfel – ebenfalls unter deutscher Präsidentschaft – hat sich im Juli 2017 mit diesem Thema beschäftigt.

Im September 2015 wurde auf dem UN-Gipfel in New York die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung verabschiedet. Dem Schutz und der nachhaltigen Nutzung der Ozeane, Meere und Meeresressourcen ist ein eigenes Nachhaltigkeitsziel, das Ziel 14 des Weltzukunftsvertrags gewidmet.

Um zu beraten, wie das Nachhaltigkeitsziel für die Meere umgesetzt werden kann, luden die Vereinten Nationen unter Ko-Vorsitz des Inselstaates Fidschi vom 5. bis 9. Juni 2017 zur Ocean-Conference nach New York ein. Es war die erste UN-Konferenz, die der Umsetzung eines einzelnen Nachhaltigkeitsziels der Agenda 2030 gewidmet war.

Außerdem hat Fidschi die Präsidentschaft für die UN-Klimakonferenz Ende 2017 in Bonn übernommen. Auch hier werden die Meere und die besondere Problematik für kleine Inselstaaten wie Fidschi voraussichtlich eine wichtige Rolle spielen.


Deutsches Engagement

Ein kleiner Junge am Strand von Beira (Mosambik)

Mehr als zwei Drittel der Partnerländer der deutschen Entwicklungszusammenarbeit sind Insel- oder Küstenstaaten. Schon heute lebt gut die Hälfte der Weltbevölkerung in Küstenregionen, 2020 werden es voraussichtlich knapp zwei Drittel sein.

Um die Küstenlebensräume für zukünftige Generationen zu bewahren und sie nachhaltig nutzen zu können, wird das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sein Engagement in den Bereichen Meeresschutz und Management von Küstenwirtschaftsräumen weiter verstärken.


10-Punkte-Aktionsplan Meeresschutz und nachhaltige Fischerei

Fischer in Mauretanien

Mit dem 10-Punkte-Aktionsplan Meeresschutz und nachhaltige Fischerei bündelt das BMZ sein Engagement für die Meere. Wir wollen:

  1. Mehr und besser verwaltete Meeresschutzgebiete schaffen
  2. ​Nachhaltige handwerkliche Fischerei und Aquakultur fördern
  3. ​Nachhaltige und sozialverantwortliche Verarbeitung und Vermarktung von Fisch fördern
  4. ​Partnerländer bei der Bekämpfung illegaler, ungemeldeter und unregulierter Fischerei unterstützen
  5. ​Strategische Partnerschaften mit der Wirtschaft aufbauen
  6. ​Partnerländer bei der Reduzierung der Meeresverschmutzung unterstützen
  7. ​Strategien zum Umgang mit möglichen irreversiblen Schäden von Meeres-Ökosystemen entwickeln
  8. ​Küstenregionen bei der Anpassung an den Klimawandel unterstützen
  9. ​Frühwarnsysteme für die Folgen des Klimawandels ausbauen
  10. ​Länder- und themenübergreifende Kooperationen unterstützen

Ausführliche Informationen zu den einzelnen Punkten finden Sie ​hier (PDF 1 MB).


Zwei neue Initiativen für den Meeresschutz

Launch des Blue Action Fund. Von links: Stephan Opitz (KfW), Ingrid Hoven (Abteilungsleiterin BMZ), David Morrison (Blue Action Fund), Entwicklungsminister Gerd Müller

Zur Umsetzung des 10-Punkte-Aktionsplans hat das BMZ zwei neue Initiativen für den Meeresschutz ins Leben gerufen: den Blue Action Fund und die Initiative "Save our Mangroves now!".

Der Blue Action Fund – Die Weltmeere erhalten

Der Blue Action Fund ist ein neues internationales Finanzierungsinstrument zur Förderung von Meeres- und Küstenschutzgebieten.

Um wandernde Meereslebewesen, die Tausende von Kilometern zurücklegen, vor dem Aussterben zu bewahren, müssen oft sehr weit auseinanderliegende Gebiete geschützt werden. Um solche marinen Schutzgebietsnetzwerke zu etablieren und ihre Verwaltung nachhaltig finanziell abzusichern, hat das BMZ den Blue Action Fund gegründet. Die Maßnahmen werden von akkreditierten deutschen und internationalen Nichtregierungsorganisationen umgesetzt, die neben ihrer Fachkenntnis im Küsten- und Meeresschutz auch eine gute Vernetzung mit lokalen Partnern vor Ort mitbringen. Mit dem Blue Action Fund will das BMZ

  • den Schutz mariner Biodiversität durch das Ausweisen neuer und ein besseres Management bestehender Schutzgebiete unterstützen sowie
  • die nachhaltige Nutzung mariner Biodiversität bei Fischerei, Aquakultur und Tourismus fördern.

Mehr Informationen finden Sie auf der englischsprachigen Website des Blue Action Fund.

"Save our Mangroves now!"

Mangrovenwälder bilden ein hoch spezialisiertes tropisches Küstenökosystem an der Schnittstelle von Land und Meer. Sie erfüllen wichtige Schlüsselfunktionen für Klima, Biodiversität und Ernährungssicherung. Mangrovenwälder gehören zu den artenreichsten und produktivsten Ökosystemen der Welt – vor allem dienen sie als "Kinderstube" für zahlreiche Fischarten und bilden deshalb eine wichtige Grundlage für den Erhalt von Fischbeständen. Damit sichern Mangroven die Ernährungs- und Einkommensbasis für viele Küstenbewohner.

Außerdem formen Mangrovenwälder eine natürliche Schutzwand gegen Sturm- und Tsunamiwellen. Und sie speichern drei- bis fünfmal mehr Kohlenstoff als Wälder an Land. Trotz all dieser nützlichen Eigenschaften sind bereits heute 35 Prozent der Mangrovenbestände weltweit verloren. Das BMZ startet nun gemeinsam mit dem World Wide Fund For Nature (WWF) und der Weltnaturschutzunion IUCN eine neue Initiative, um Mangroven besser zu schützen.

Mehr Informationen zu "Save our Mangroves now!" gibt es ​hier (PDF 3 MB).


Weitere Informationen

Informationen

Lexikon der Entwicklungspolitik

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