HINTERGRUND
Bildung – ein Menschenrecht
"Ich bin Analphabetin, ich bin wie eine blinde Person", sagt eine arme Frau aus Pakistan. Weltweit gibt es etwa 776 Millionen Menschen über 15 Jahren, die nicht lesen und schreiben können. Das sind 16 Prozent der erwachsenen Weltbevölkerung. 75 Millionen Kinder im Grundschulalter haben keine Möglichkeit, zur Schule zu gehen – und die Dunkelziffer ist hoch, denn aus vielen Krisengebieten liegen keine statistischen Angaben vor. Menschen den Zugang zu Bildung zu verwehren, heißt, ihnen ein elementares Menschenrecht vorzuenthalten. Ohne Bildung ist menschliche Entwicklung nicht möglich. Sie zu fördern, ist deshalb eine wichtige Aufgabe der internationalen und deutschen Entwicklungspolitik. mehr
FORMALE GRUNDBILDUNG
Bildung für alle
"Bildung für alle" ist das ehrgeizige Ziel der internationalen Gemeinschaft. Sie hat sich im Aktionsplan von Dakar und in der Millenniumserklärung verpflichtet, bis zum Jahr 2015 allen Kindern Zugang zur formalen Grundbildung zu verschaffen. Nach internationalem Verständnis wird unter formaler Grundbildung die Schulbildung für Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren verstanden. Je nach Bildungssystem umfasst sie die Vor- und Grundschule sowie die untere Stufe der Sekundarschule. Deutschland unterstützt seine Partnerländer dabei, den Zugang zu Grundbildung – insbesondere für Mädchen – zu erweitern, die Qualität des Unterrichts zu verbessern und auch außerschulische Bildungsaktivitäten zu fördern. mehr
BERUFLICHE BILDUNG
Neue Chancen und Perspektiven
Mit der Ausweitung des Grundbildungsangebotes steigt auch die Nachfrage nach Bildungsangeboten im sekundären und tertiären Bereich und in der Berufsbildung. In den nächsten Jahren müssen viele Entwicklungsländer deshalb ihre Bildungssysteme ausweiten. Dabei ist es wichtig, Schnittstellen zwischen der Grundbildung und den weiterführenden Formen der Bildung zu schaffen. Berufliche Bildung eröffnet dem Einzelnen die Chance einer Beschäftigung oder einer selbstständigen Tätigkeit. Vor allem für Jugendliche ist das wichtig. Durch berufliche Bildung bekommen sie neue Perspektiven und die Möglichkeit, einen Weg aus der Arbeitslosigkeit zu finden. mehr
HOCHSCHULBILDUNG
Verantwortliche für morgen ausbilden
Bildung, Wissenschaft und Forschung sind für die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung eines Landes unverzichtbar. Im Zuge der Globalisierung wird Wissen immer mehr zum entscheidenden Standortvorteil im internationalen Wettbewerb. Viele ärmere Länder besitzen jedoch nicht die wissenschaftliche Kapazität, das international verfügbare Wissen zu nutzen. Wachsende Studentenzahlen überfordern die Aufnahmefähigkeit der Universitäten, die Lehrpläne sind oft veraltet, und die Dozenten sind schlecht ausgebildet, unterbezahlt und wenig motiviert. mehr
Dokumente und Links
Weiterführende Informationen
Hier finden Sie eine Auswahl von Links auf Dokumente und Internetseiten mit weiterführenden Informationen zum Thema Bildung. mehr
Beispiele
Malawi: Lesen, schreiben, rechnen – und eine warme Mahlzeit
In Malawi werden nur rund 80 Prozent der Kinder eingeschult und nur 35 Prozent beenden die achtjährige Primarschule erfolgreich. Das internationale Ziel "Grundbildung für alle" wird nicht annähernd erreicht. Eine der Ursachen dafür sind die erheblichen Mängel des Grundschulwesen in Malawi: Die Qualität des Unterrichts ist schlecht, weil die Lehrkräfte nicht ausreichend ausgebildet sind.

Programmname: "Verbesserung der Grundbildung" und "Schulspeisung"
Ziel: Verbesserung der Qualität und Effizienz der Grundbildung
Strategie: Unterstützung bei der Umsetzung von Bildungsreformen: Einführung neuer Lehrpläne, Qualifizierung der Lehrkräfte; Förderung der lokalen Schulspeisung, non-formale Bildungsangebote
Deutscher Beitrag: 12 Millionen Euro (Grundbildung) plus 4,1 Millionen Euro (Schulspeisung)
Geplante Laufzeit: Oktober 2001 bis Juni 2010
Beispiele
Jemen: Bildung und Gleichberechtigung
Jemen ist eines der am wenigsten entwickelten Länder der Welt. Die Republik hat mit einem hohen Bevölkerungswachstum und weit verbreiteter Armut zu kämpfen. Nur zwei Drittel der Kinder gehen zur Schule; mehr als die Hälfte der Mädchen sind vom Schulbesuch ausgeschlossen. Das Ziel der Regierung, bis 2015 allen Kindern den Zugang und den erfolgreichen Abschluss der neunjährigen Grundschule zu ermöglichen, ist ernsthaft gefährdet.

Programmname: Programm zur Verbesserung der Allgemeinbildung, Jemen
Ziel: Bildung für alle Mädchen und Jungen bis 2015
Strategie: Kapazitätsentwicklung in der Bildungsverwaltung, Aus- und Fortbildung von Schulpersonal, Schulsozialarbeit und Gemeindebeteiligung mit Schwerpunkt auf Mädchenbildung, Verbesserung der Sekundarbildung, Reform der Schulbuchversorgung
Deutscher Beitrag: 47 Millionen Euro
Geplante Laufzeit: 2002 bis 2011
Beispiele
Südliches Afrika: Management von Bildungshaushalten
Ein leistungsfähiges und transparentes öffentliches Budgetmanagement ist wichtige Voraussetzung für eine nachhaltige Entwicklung in den Ländern des südlichen Afrikas. Dem Bildungssektor kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Er bildet mit durchschnittlich 18 Prozent einen der größten Posten in den nationalen Haushalten der Länder des südlichen Afrikas und hat eine besondere Wirkung auf die Entwicklung der Länder. Um das Millenniumsentwicklungsziel "Grundbildung für alle bis zum Jahr 2015" zu erreichen, werden die internen Investitionen in den Bildungssektor durch Fördermittel der internationalen Gebergemeinschaft unterstützt. Dazu zählen zum Beispiel die "Education for All – Fast Track Initiative" (EFA-FTI) sowie Ansätze der Programmorientierten Gemeinschaftsfinanzierung (PGF).

Programmname: Management von Bildungshaushalten im südlichen Afrika
Ziel: Aufbau eines leistungsfähigen und transparenten öffentlichen Budgetmanagements im Bildungssektor
Strategie: Regionales, berufsbegleitendes Weiterbildungsprogramm mit E-Learning-Komponente für Fach- und Führungskräfte aus Bildungs- und Finanzministerien, Trainingsprogramme für Budgetverantwortliche auf dezentraler Ebene
Deutscher Beitrag: 680.000 Euro
Geplante Laufzeit: 2007 bis 2009
Beispiele
Sierra Leone: Wissen vermitteln, Perspektiven schaffen, Konflikten vorbeugen
Sierra Leone ist trotz seines Reichtums an Bodenschätzen ein extrem armes Land. Nach einem zehnjährigen Bürgerkrieg liegt sein Entwicklungspotenzial brach. Die soziale und wirtschaftliche Situation ist durch eine hohe Analphabetenrate, den Zusammenbruch des Bildungssektors und die Verkümmerung der Privatwirtschaft gekennzeichnet. Es mangelt an wirtschaftlichen Entwicklungsinitiativen und gesamtgesellschaftlichen Problemlösungsstrategien. Die Arbeitslosigkeit ist insbesondere unter den Jugendlichen außerordentlich hoch. Ihre Integration in die Gesellschaft und das Wirtschaftsleben ist gefährdet – dadurch ergibt sich neues Konfliktpotenzial.

Programmname: Förderung der Entwicklungsfähigkeit von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, Sierra Leone
Ziel: Teilnahme benachteiligter Jugendlicher und junger Erwachsener an wirtschaftlichen, sozialen und politischen Aktivitäten ihrer Gemeinden
Strategie: Lehrlingsausbildung, Alphabetisierungsmaßnahmen, sozialpädagogische Betreuung, Kapazitätsentwicklung auf nationaler und lokaler Ebene
Deutscher Beitrag: 4 Millionen Euro
Geplante Laufzeit:
Februar 2007 bis Januar 2011
Beispiele
Pakistan: Ehrgeiziges Ziel – ein Schulplatz für alle
Noch kann ungefähr die Hälfte der pakistanischen Bevölkerung nicht lesen und schreiben. Bei Frauen liegt die Quote sogar bei 73 Prozent, denn das Land hat eine sehr niedrige Einschulungsquote für Mädchen. Die Ursachen sind vielfältig: Kinderarbeit ist in armen ländlichen Gebieten noch immer weit verbreitet, Bildung wird als ein Luxus angesehen, der – wenn überhaupt – erst langfristig ein verbessertes Einkommen bieten kann.

Programmname: Pakistanisches Programm Grundbildung Nordwest
Ziel: Den Zugang und die Qualität der Grundbildung in der Nordwestprovinz verbesserm, vor allem für Mädchen
Strategie: Ein integriertes Programm zur Verbesserung des Unterrichts, der Lehrmaterialien und der schulischen Infrastruktur
Deutscher Beitrag: 10,3 Millionen Euro
Geplante Laufzeit: Juli 2002 bis Juni 2012
Beispiele
Vietnam: Armutsbekämpfung durch Berufsbildung
Das Berufsbildungssystem in Vietnam wird durch tief greifende wirtschaftliche, technische, organisatorische und soziale Strukturveränderungen sowie die globale Standortkonkurrenz auf den Prüfstand gestellt. Die beachtlichen wirtschaftlichen Entwicklungserfolge seit Beginn des nationalen Reformprogramms ("Doi Moi") stellen hinsichtlich einer nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung und dem Aufbau von wissensbasierten Wettbewerbsvorteilen enorme Herausforderungen an das Berufsbildungssystem.

Programmname: Politikberatung und Systementwicklung der beruflichen Bildung, Vietnam
Ziel: Das Berufsbildungssystem ist dem Arbeitsmarktbedarf und der Ausbildungsnachfrage angepasst
Strategie: Aus- und Fortbildung von Wirtschaftsvertretern, Beratung zur Gesetzgebung, Aufbau von Informationsnetzen
Deutscher Beitrag: 4 Millionen Euro
Geplante Laufzeit: 2007 bis 2011
Informationen
Siehe auch
Externe Links
- Overcoming inequality:
why governance matters
UNESCO-Weltbildungsbericht
"Bildung für alle" 2009
(englische Originalfassung) - Bildung für alle bis 2015 – Werden wir es schaffen?
UNESCO-Weltbildungsbericht
"Bildung für alle" 2008
(deutsche Kurzfassung) - Education for All by 2015:
Will we make it?
UNESCO-Weltbildungsbericht
"Bildung für alle" 2008
(englische Originalfassung)


