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Zusammenarbeit konkret

Aufbau einer Panafrikanischen Universität


Studium der Elektrotechnik in Mosambik: Professor vor einer Tafel mit technischen Erläuterungen

Die Afrikanische Union (AU) hat 2008 damit begonnen, eine Panafrikanische Universität (PAU) aufzubauen, um das Niveau von Hochschulbildung, Wissenschaft und Technologie in Afrika zu verbessern. Offiziell ins Leben gerufen wurde die Einrichtung im Dezember 2011. Die PAU umfasst fünf Institute in Nord-, West-, Ost-, Süd- und Zentralafrika, die an bereits bestehenden Hochschulen eingerichtet werden. Internationale Partner sollen die Patenschaft für einzelne Standorte übernehmen.

Folgende Themenschwerpunkte und Standorte wurden ausgewählt:

  • ​Wasser und Energie, einschließlich Klimawandel: Abou-Bakr-Belkaid-Universität in Tlemcen/Algerien, Partner: Deutschland
  • Naturwissenschaften, Technologie und Innovation: Universität für Landwirtschaft und Technologie Jomo Kenyatta in Kenia, Partner: Japan
  • Umwelt- und Geowissenschaften, einschließlich Gesundheit und Landwirtschaft: Universität Ibadan in Nigeria, Partner: Indien
  • Regierungsführung, Geistes- und Sozialwissenschaften: Universität Jaunde in Kamerun, Partner: Schweden
  • Raumfahrt: Südafrika (Hochschule und Partner müssen noch benannt werden)

Die genannten Universitäten sollen als Knotenpunkte ("Hubs") dienen, mit denen sich andere afrikanische Hochschulen vernetzen können. Mit Unterstützung der Geber werden Studienprogramme auf Master- und Doktorandenniveau aufgebaut. Studienplätze und Stipendien werden afrikaweit ausgeschrieben. Die Einschreibung von Frauen wird besonders gefördert.

Die entstehenden Netzwerkuniversitäten sollen auch am internationalen akademischen Austausch teilnehmen. Für die Steuerung und Verwaltung der PAU wurde zunächst ein zentrales Rektorat in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba eingerichtet. Künftig soll es in Jaunde (Kamerun) angesiedelt sein. Es koordiniert die verschiedenen Aktivitäten der Panafrikanischen Universität und gewährleistet einheitliche Qualitätsmaßstäbe sowie die Anbindung an die afrikanische Entwicklungsagenda (Agenda 2063).

Der deutsche Beitrag

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller mit dem algerischen Minister für Hochschulbildung, Tahar Hadjar, beim Besuch des Instituts für Wasser, Energie und Klimawandel (PAUWES) der Panafrikanischen Universität in Tlemcen

Um den Aufbau der Panafrikanischen Universität zu begleiten, wurde in Deutschland 2010 eine PAU-Steuerungsgruppe unter Federführung des BMZ gegründet. Beteiligt sind das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), das Auswärtige Amt, die GIZ, die KfW Entwicklungsbank sowie der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD).

Deutschland hat die Partnerschaft für das PAU-Institut für Wasser, Energie und Klimawandel (PAUWES) übernommen, das an der Abou-Bakr-Belkaid-Universität im algerischen Tlemcen eingerichtet wurde. Es bietet afrikanischen Studierenden internationale, praxis- und forschungsorientierte Master- und Doktorandenprogramme an.

Die Zusammenarbeit geht über entwicklungspolitische Instrumente hinaus und umfasst auch die Hochschul- und Forschungskooperation mit deutschen und internationalen Partnern. Die Praxisrelevanz von Lehre und Forschung soll zudem durch eine enge Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft sichergestellt werden. Bislang hat das PAUWES 74 Studierende aus 17 Ländern aufgenommen. Die ersten 26 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben ihr zweijähriges Studium im Oktober 2016 erfolgreich abgeschlossen. Ab 2020 soll das Institut 300 Masterstudenten und 150 Doktoranden Platz bieten.


Technische Zusammenarbeit

Im Auftrag des BMZ berät die GIZ die AU-Kommission beim Aufbau des PAU-Rektorats, bei der internationalen Vernetzung, der Sicherung der akademischen Unabhängigkeit und bei der nachhaltigen Finanzierung der Panafrikanischen Universität. Das Rektorat wird durch Organisations- und Prozessberatung unterstützt.

Am Institut für Wasser, Energie und Klimawandel der PAU wurden die Voraussetzungen für die Aufnahme des Studienbetriebs geschaffen. Im Oktober 2014 konnte der erste Jahrgang sein Studium aufnehmen. Es wurden Verwaltungs- und Steuerungsstrukturen aufgebaut und – gemeinsam mit Partnern aus der Wasser- und Energiewirtschaft – bedarfsorientierte Lehr- und Studienpläne entwickelt.

Der DAAD unterstützt die Vernetzung mit deutschen Hochschulen. Ein Konsortium deutscher Hochschulen kooperiert mit dem PAUWES in Lehre und Forschung und trägt zur Qualität der Programme bei. Beteiligt sind das Institut für Technologie und Ressourcenmanagement der Fachhochschule Köln, die United Nations University Bonn und das Zentrum für Entwicklungsforschung der Universität Bonn.


Finanzielle Zusammenarbeit

Die KfW Entwicklungsbank finanziert im Auftrag des BMZ Stipendien für Studierende sowie Personalkosten für Lehrende. Außerdem stellt sie Mittel für die Ausstattung und Infrastruktur des Instituts für Wasser, Energie und Klimawandel in Tlemcen bereit. Die Gebäude auf dem Campus werden renoviert, energetisch modernisiert und barrierefrei umgebaut. Die Fakultät erhält eine moderne IT-Ausstattung, spezialisierte Labore und eine digitale Bibliothek.


Lexikon der Entwicklungspolitik

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