Hauptinhalt

Hochschulbildung und Wissenschaft

Führungskräfte für morgen ausbilden und wissenschaftliche Expertise vor Ort stärken

Studierende der Elektrotechnik in Maputo, Mosambik

Bildung, Wissenschaft und Forschung sind für die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung eines Landes unverzichtbar. Im Zuge der Globalisierung wird Wissen zum entscheidenden Standortvorteil im internationalen Wettbewerb – der Bedarf an qualifizierten Fach- und Führungskräften in den Entwicklungs- und Schwellenländern steigt.

Die großen Herausforderungen in der Entwicklungspolitik betreffen komplexe natur-, sozial- und ingenieurwissenschaftliche Problemstellungen, etwa den Klima- und Ressourcenschutz, die Förderung von Zukunftstechnologien oder den Aufbau sozialer Sicherungssysteme. Nur die Grund- und Sekundarbildung in den Entwicklungsländern zu fördern, reicht daher nicht aus. Erst eine weiterführende Hochschulbildung versetzt die Partner in die Lage, eigene praxisorientierte Lösungen für lokale Probleme zu entwickeln.

Voraussetzungen dafür sind ein verbesserter Zugang zur tertiären Bildung (Fachschulen, Berufsakademien, Hochschulen) für alle Bevölkerungsgruppen sowie der Aufbau von qualitativ hervorragenden Hochschulen und Forschungseinrichtungen.

Hochschulbildung in der Agenda 2030

Studentin während einer Vorlesung an der Rechtshochschule Hanoi, Vietnam

In die Millenniumsentwicklungsziele war die Hochschulbildung noch nicht als eigenständiges Ziel eingeflossen. In der 2015 verabschiedeten Agenda 2030 wird sie im nachhaltigen Entwicklungsziel zur Bildung (SDG 4) ausdrücklich erwähnt: Unterziel 4.3 fordert, bis 2030 "allen Frauen und Männern einen gleichberechtigten und bezahlbaren Zugang zu hochwertiger beruflicher und akademischer Bildung einschließlich universitärer Bildung" zu ermöglichen. Von Bedeutung ist Hochschulbildung außerdem für die Vermittlung von Kenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten, die es Jugendlichen und Erwachsenen ermöglichen, eine Beschäftigung zu finden oder ein eigenes Unternehmen zu gründen (Unterziel 4.4).

Unterziel 4.b zeigt einen Weg auf, um die Hochschulbildung zu fördern: "Bis 2020 Stipendienangebote für Studierende aus Entwicklungsländern ausbauen, insbesondere für Studierende aus den am wenigsten entwickelten Ländern, kleinen Entwicklungsinselländern und afrikanischen Ländern, für Hochschulbildung, einschließlich Berufsbildung und Informations- und Kommunikationstechnologien, technische und wissenschaftliche Programme, in entwickelten Ländern und in anderen Entwicklungsländern."

Hochschulbildung und Wissenschaftsförderung wirken als Hebel für alle anderen Entwicklungsziele. Einige Beispiele: Die Lehrerausbildung an Hochschulen ist eine Voraussetzung, um das Ziel der Grundbildung für alle (SDG 4.1) zu erreichen. Die tertiäre Bildung trägt maßgeblich dazu bei, das Ziel Bildung für nachhaltige Entwicklung zu erreichen (Unterziel 4.7). Hochschulbildung für Frauen stärkt deren gesellschaftliche Position (SDG 5). Dadurch bessert sich auch ihre gesundheitliche Situation und die Sterblichkeitsrate bei Kindern sinkt (SDG 3). Naturwissenschaftliche Forschung trägt zur Erreichung der Ziele 13 bis 15 (Klimaschutz, Schutz der natürlichen Ressourcen an Land und im Meer) bei. Die Ziele 7 (erneuerbare Energien), 9 (Infrastruktur) und 11 (nachhaltige Städte und Gemeinden) lassen sich nicht ohne hochqualifizierte Ingenieure erreichen.

Und auch die mit Ziel 17 angestrebte weltweite Entwicklungspartnerschaft kann nur gelingen, wenn auch in den armen Ländern gut ausgebildete Fachleute die politischen, sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungsprozesse selbstständig gestalten können.


Das deutsche Engagement

Im Energieforschungszentrum der Strathmore-Universität in Nairobi (Kenia) arbeitet eine Studentin an einem Steckfeld.

In seiner 2015 vorgelegten Bildungsstrategie formuliert das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) einen ganzheitlichen Ansatz der Bildungsförderung. Neben der Grund- und Sekundarbildung und der beruflichen Bildung umfasst er auch die Hochschulbildung. Eine Förderung erfolgt nicht nur innerhalb des Arbeitsschwerpunkts "Bildung", sondern ist auch in anderen Schwerpunkten der deutschen Entwicklungszusammenarbeit möglich, zum Beispiel in den Bereichen Klima, Energie, nachhaltige Wirtschaftsförderung, Gesundheit, Landwirtschaft oder gute Regierungsführung.

Deutschland setzt sich dafür ein, die Qualität und den Stellenwert der Hochschulbildung in den Entwicklungs- und Schwellenländern zu verbessern und einen fairen und diskriminierungsfreien Zugang zu den Hochschulen zu gewährleisten. Um auch benachteiligten Gruppen ein Studium zu ermöglichen, werden zum Beispiel Stipendienprogramme gefördert und es wird in die verstärkte Nutzung digitaler Instrumente investiert. Zudem werden gezielt Fachbereiche unterstützt, die in entwicklungsrelevanten Themenfeldern forschen und ausbilden. Dazu zählen beispielsweise Klimaschutz, Wassermanagement, erneuerbare Energien, nachhaltige Stadtentwicklung und Landnutzung.

Das BMZ unterstützt hierbei den Einsatz von technischer und finanzieller Zusammenarbeit und kooperiert mit Partnern, die auf internationale Zusammenarbeit in der Hochschulbildung und Forschung spezialisiert sind. Zu nennen sind hier vor allem der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) und die Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH). 2015 wurden ihnen Mittel in Höhe von knapp 60 Millionen Euro für die Umsetzung von entwicklungsrelevanten Programmen zur Verfügung gestellt.

Aus den Sonderinitiativen "Eine Welt ohne Hunger" und "Fluchtursachen bekämpfen – Flüchtlinge reintegrieren" hat der DAAD zusätzlich knapp 25 Millionen Euro für die neu aufgelegte Initiative "Zusätzliche 1.000 Stipendien für afrikanische Studierende" (Laufzeit 2015 bis 2020) erhalten.


Situation in den Entwicklungsländern

Im Energieforschungszentrum der Universität Makerere in Kampala, Uganda, testen Forscher die Energieeffizienz von Holzfeueröfen.

Die erfreulichen Erfolge der Kooperationsländer der deutschen Entwicklungszusammenarbeit bei der Grund- und Sekundarbildung führen dazu, dass immer mehr junge Erwachsene nach der Sekundarstufe ihren Bildungsweg fortsetzen wollen und einen Hochschulabschluss anstreben.

In vielen ärmeren Ländern sind die Hochschulen jedoch nicht in der Lage, das international verfügbare Wissen zu nutzen und eigenes aufzubauen und zu verbreiten. Die wachsenden Studierendenzahlen überfordern die Aufnahmefähigkeit der Universitäten, viele Lehrpläne sind veraltet und wenig praxisrelevant. Die Dozenten sind zum Teil unzureichend ausgebildet und unterbezahlt.

Die Förderung der Hochschulbildung und Wissenschaft kommt der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung der Kooperationsländer direkt zugute: Hochqualifizierte Menschen sind eher in der Lage, politische, wirtschaftliche und soziale Veränderungsprozesse anzustoßen, innovative Lösungen für globale und lokale Probleme zu finden, sich für eine gute Regierungsführung einzusetzen und eine demokratische Kontrollfunktion auszuüben. Durch eine enge Zusammenarbeit von Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Akteuren aus der lokalen Wirtschaft und Zivilgesellschaft wird ein Wissenstransfer ermöglicht, der für technische und gesellschaftliche Neuerungen nötig ist.


Links zu den Unterkapiteln


Lexikon der Entwicklungspolitik

Fenster schließen

 

Seite teilen

BMZ-Adventskalender 2017

Gewinnen Sie 24 Einblicke in die deutsche Entwicklungszusammenarbeit und mit etwas Glück eine Überraschung!

Hier geht es zum BMZ-Adventskalender 2017!