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Hintergrund

Bildung – ein Menschenrecht

Unterricht in einer Schule in As Salt, Jordanien. Drei Schüler stehen vor einer Tafel, einer von ihnen schreibt mit Kreide in arabischer Schrift etwas an diese Tafel.

Jeder hat das Recht auf Bildung. Die Bildung ist unentgeltlich, zum mindesten der Grundschulunterricht und die grundlegende Bildung. Der Grundschulunterricht ist obligatorisch. Fach- und Be­rufs­schul­un­ter­richt müssen all­ge­mein ver­fügbar gemacht werden, und der Hoch­schul­unter­richt muss allen gleicher­maßen ent­sprechend ihren Fähigkeiten offenstehen.
Artikel 26 (1) der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte

Bildung ist ein Menschenrecht. Auf ihrer Basis entwickelt sich die kulturelle Identität des Einzelnen und der Gesellschaft. Bildung allein macht zwar weder satt noch reich und kann auch keine soziale Gerechtigkeit schaffen, sie ist aber die Voraussetzung für eine nachhaltige Entwicklung, die Verringerung der weltweiten Armut und für ein friedliches Zusammenleben. Bildung befähigt Menschen, ihre politische, soziale, kulturelle, gesellschaftliche und wirtschaftliche Situation zu verbessern.

Jedes Kind hat das Recht auf eine Schulausbildung und jeder Mensch ein Anrecht darauf, seine grundlegenden Lernbedürfnisse zu befriedigen – ein Leben lang.

Doch noch gibt es weltweit etwa 750 Millionen Jugendliche und Erwachsene, die nicht lesen und schreiben können. Davon sind fast zwei Drittel Frauen. 264 Millionen Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 17 Jahren haben keine Möglichkeit, zur Schule zu gehen. Und die Kinder, die eine Schule besuchen, schließen sie häufig nicht ab: Zwischen 2010 und 2015 lag die Abschlussrate im globalen Durchschnitt in der Grundschule (6 bis 11 Jahre) bei lediglich 83 Prozent, in der unteren Sekundarschule (12 bis 14 Jahre) bei 69 Prozent und in der oberen Sekundarschule (15 bis 17 Jahre) bei nur 45 Prozent.

Da diese Zahlen der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) auf amtlichen Erhebungen der Staaten beruhen, muss befürchtet werden, dass die Dunkelziffern noch sehr viel höher liegen. In vielen Krisenregionen werden keine Bildungsstatistiken erstellt und auch viele Bewohnerinnen und Bewohner von informellen städtischen Armenvierteln werden statistisch nicht erfasst.

Bildung: ein Schlüsselbereich in der Entwicklungspolitik

Menschen den Zugang zu Bildung zu verwehren heißt, ihnen ein elementares Menschenrecht vorzuenthalten – und wichtige Entwicklungschancen für den Einzelnen und die Gesellschaft. Bildung zu fördern ist deshalb eine wichtige Aufgabe der internationalen und deutschen Entwicklungspolitik.

Die internationale Gemeinschaft hat sich dazu verpflichtet, die Bildungssituation weltweit zu verbessern. So lautet das Entwicklungsziel 4 der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung: "Inklusive, gleichberechtigte und hochwertige Bildung gewährleisten und Möglichkeiten lebenslangen Lernens für alle fördern".

Unter anderem soll bis zum Jahr 2030 sichergestellt werden, dass alle Mädchen und Jungen gleichberechtigt eine kostenlose und hochwertige Grund- und Sekundarschulbildung erhalten und dass alle Jugendlichen und ein erheblicher Anteil der Erwachsenen lesen, schreiben und rechnen lernen.

Die Bundesregierung orientiert sich bei ihrer Bildungsförderung in der Entwicklungszusammenarbeit an den international vereinbarten Zielen. Sie verfolgt dabei das Leitbild des lebenslangen Lernens: Jedem Menschen muss es von der Kindheit bis ins hohe Alter möglich sein, Wissen und Fähigkeiten zu erwerben. Die im Juli 2015 vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) vorgelegte Bildungsstrategie "Gerechte Chancen auf hochwertige Bildung schaffen" zeigt die Prioritäten und Ansätze in der Bildungsförderung auf. Das ganzheitlich ausgerichtete Engagement umfasst alle Lebensphasen – von der frühkindlichen Bildung über die Primarschulbildung (Grundschule), die Sekundarschulbildung (weiterführende Schule) und die berufliche Bildung bis zur Hochschul- und Erwachsenenbildung.


Was bedeutet Bildung für den Einzelnen?

Schülerin einer staatlichen Sekundarschule für Mädchen in Abeokuta, Nigeria

Bildung vermittelt Grundfertigkeiten wie Lesen, Schreiben und Rechnen, befähigt zum Weiterlernen und fördert problemlösendes Denken. Sie verleiht dem Menschen nicht nur Fähigkeiten, die ihm im Alltag weiterhelfen ("life skills"), sondern auch solche, die im Arbeitsleben von Bedeutung sind ("work skills").

Eine gute Bildung erhöht das Selbstbewusstsein und die Eigenständigkeit; Wissen ist die Basis für selbstbestimmtes Handeln und Partizipation. Bildung ist dadurch auch das Fundament einer funktionierenden Demokratie: Menschen, die lesen und schreiben können, nehmen häufiger an politischen und sozialen Prozessen teil und fordern ihre persönlichen Rechte ein.

Bildung ist eine zentrale Voraussetzung zur Überwindung von Armut. Bildung erleichtert es den Menschen, Arbeit zu finden und ein eigenes Einkommen zu erzielen. Ohne Bildung bleiben Familien häufig über Generationen hinweg arm.


Was bedeutet Bildung für die Wirtschaft?

Bildung ist eine wesentliche Voraussetzung für nachhaltiges Wirtschaftswachstum. Ohne Bildung können Menschen ihre individuellen Potenziale nicht entfalten und kein Fachwissen erwerben. Ohne ausgebildete Arbeitskräfte wiederum kann kein nachhaltiges wirtschaftliches Wachstum entstehen.

Hochschulbildung und Forschung sind die Grundlagen für neues Wissen und Innovationen. Sie tragen dazu bei, dass die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes gestärkt wird und neue Arbeitsplätze geschaffen werden können.


Was bedeutet Bildung für die Gesellschaft?

Nur wenn alle Bevölkerungsgruppen die gleiche Chance auf Bildung und Wohlstand haben, kann sich ein friedliches und selbstbestimmtes Miteinander einstellen. Bildung schafft mündige Bürgerinnen und Bürger, die für ihre Rechte eintreten. Besonders bei Mädchen sorgt Bildung für eine Verbesserung der Lebenssituation. Bildung kann überdies einen wichtigen Beitrag zur Prävention von Gewalt und zu einem friedlichen Zusammenleben leisten.

Bildung ist der Motor für nachhaltige Entwicklung in all ihren Dimensionen: der ökonomischen, der sozialen, der ökologischen und der politisch-kulturellen. Sie kann damit zur Erreichung aller nachhaltigen Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals, SDGs) der Agenda 2030 beitragen.

Bildung kann zum Beispiel die Gesundheitssituation und die Ernährungsgewohnheiten der Menschen positiv beeinflussen. Frauen mit höherem Bildungsstand bekommen ihre Kinder später, sie planen größere Abstände zwischen den Geburten ein und nehmen häufiger medizinische Versorgung in Anspruch. Kinder von Müttern, die Zugang zu Bildungsangeboten hatten, haben ein geringeres Risiko, vor ihrem fünften Lebensjahr zu sterben. Solche Kinder gehen später auch selbst häufiger zur Schule als Kinder aus bildungsfernen Familien.

Bildung ermöglicht es den Menschen, auch komplizierte Zusammenhänge zu verstehen. Sie schafft Bewusstsein für die Notwendigkeit, die Umwelt zu schützen und natürliche Ressourcen nachhaltig zu nutzen.


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Lexikon der Entwicklungspolitik

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