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Hintergrund

Bildung für alle – ein internationales Anliegen

Schülerinnen und Schüler in einer Schule in Bangui, der Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik

Bildung gilt heute weltweit als öffentliches Gut, das vom Staat bereitgestellt werden muss. Die in­ter­natio­nale Staatengemeinschaft ist sich einig, dass menschliche Ent­wick­lung ohne Bildung nicht möglich ist. Die Förderung der Bildung ist darum inzwischen ein in­ter­national anerkanntes Entwicklungsziel – auch wenn sie weiterhin als Kernaufgabe eines jeden einzelnen Staates gesehen wird.

Weltkonferenz "Bildung für alle" 1990

Im März 1990 veranstaltete die Orga­ni­sa­tion der Vereinten Nationen für Er­ziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) die erste Weltkonferenz zum Thema "Bildung für alle" in Jomtien in Thailand. Die teilnehmenden Länder verabschiedeten die Weltdeklaration "Bildung für alle" (Education for All, EFA) und einen "Aktionsrahmen zur Befriedigung der grundlegenden Lern­be­dürf­nisse" (Framework for Action). Darin setzten sie sich unter anderem zum Ziel, bis zum Jahrtausendwechsel den allgemeinen Zugang zur Primar­schul­bildung zu erreichen, die Qualität der Grundbildung zu verbessern und die An­alpha­beten­rate bei Erwachsenen um etwa 50 Prozent im Vergleich zu 1990 zu verringern. Diese Ziele knüpften direkt an die Vereinbarungen der UN-Kon­ven­tion über die Rechte des Kindes von 1989 an.

Weltbildungsforum in Dakar 2000

Im April 2000 – zehn Jahre nach der Konferenz von Jomtien – fand ein Welt­bildungs­forum in Dakar im Senegal statt. Die in­ter­natio­nale Gemeinschaft musste sich eingestehen, dass das Ziel "Bildung für alle" bei weitem verfehlt worden war. Noch immer gab es etwa 875 Millionen Analphabeten und rund 113 Millionen Kinder konnten keine Grundschule besuchen.

Die 164 Teilnehmerländer verabschiedeten einen Aktionsplan (Dakar Framework for Action), der im Wesentlichen die Ziele, die bereits in Jomtien formuliert worden waren, übernahm. Als Frist für die Umsetzung wurde das Jahr 2015 festgelegt.

  • Ziel 1: Die frühkindliche Förderung und Erziehung soll, besonders für sozial benachteiligte Kinder, ausgebaut und verbessert werden.
  • Ziel 2: Alle Kinder – ins­be­son­dere Mädchen, Kinder in schwierigen Lebensumständen und Kinder, die ethnischen Minderheiten angehören – sollen bis 2015 Zugang zu kostenloser, verpflichtender und qualitativ hochwertiger Grundschulbildung erhalten und diese auch abschließen.
  • Ziel 3: Die Lernbedürfnisse von Jugendlichen und Erwachsenen sollen durch Zugang zu Lernangeboten und Training von Basisqualifikationen ("life skills") abgesichert werden.
  • Ziel 4: Die Analphabetenrate unter Erwachsenen, besonders unter Frauen, soll um 50 Prozent gesenkt werden. Der Zugang von Erwachsenen zu Grund- und Weiterbildung soll gesichert werden.
  • Ziel 5: Bis zum Jahr 2005 soll das Geschlechtergefälle in der Primar- und Sekundarbildung überwunden werden. Bis 2015 soll die Gleich­be­rech­ti­gung der Geschlechter im gesamten Bildungsbereich erreicht werden, wobei ein Schwerpunkt auf der Ver­bes­se­rung der Lernchancen für Mädchen liegen muss.
  • Ziel 6: Die Qualität der Bildung muss verbessert werden.

Die UNESCO veröffentlicht jährlich einen Weltbildungsbericht über die Fort­schritte und He­raus­for­de­run­gen bei der Um­setzung der in Dakar vereinbarten Ziele (EFA Global Monitoring Report).

Mehr als ein Jahrzehnt nach dem Weltbildungsforum in Dakar fällt die Bilanz gemischt aus. Zwar wurden wichtige Fortschritte erzielt: Die Zahl der Kinder, die keine Schule besuchen, hat stark abgenommen. Mehr Kindern gelingt der Über­gang von der Grundschule auf eine weiterführende Schule. Und es ist eine globale Tendenz zur Parität der Geschlechter erkennbar.

Doch insgesamt bleiben die Staaten auf der ganzen Welt hinter ihren Zusagen aus dem Jahr 2000 zurück. Das Versprechen der Geberländer, dass kein Land aufgrund von Geldmangel an der Erfüllung der Bildungsziele scheitern soll, wurde nicht gehalten. Die Kinder, die nicht zur Schule gehen, gehören oft benachteiligten Gruppen an. Chancengerechtigkeit zwischen den Geschlechtern wurde nicht erreicht. Die Analphabetenquote ist nach wie vor extrem hoch.

Millenniumskonferenz 2000

Die EFA-Ziele wurden auf der im September 2000 und auch auf anderen in­ter­na­ti­o­nalen Konferenzen aufgegriffen. Das zweite und dritte der acht Millenniumsentwicklungsziele beziehen sich auf den Bildungsbereich:

  • Primarschulbildung für alle: Bis 2015 sollen die Grundlagen dafür geschaffen werden, dass die Kinder überall in der Welt, Mädchen wie Jungen, die Möglichkeit haben, einen Primarschulabschluss zu erwerben.
  • Gleichstellung der Geschlechter und Stärkung der Rolle der Frauen: Beseitigung der Ungleichbehandlung von Mädchen und Jungen auf der Primar- und Sekundarschulstufe möglichst bis 2005 und auf sämtlichen Bildungsebenen bis spätestens 2015.

Auch für die Erreichung der anderen Millenniumsziele, etwa die Halbierung der Armut (Ziel 1), die Reduzierung der Kindersterblichkeit (Ziel 4) und den Um­welt­schutz (Ziel 7), stellt Bildung eine Grundvoraussetzung dar.

Die Millenniumsziele haben in den Ent­wick­lungs­ländern große Wirkungen entfaltet. Experten kritisieren allerdings, dass die Bildungsziele rein quantitativ ausgerichtet sind: Ziel 2 orientiert sich an der Zahl der Einschulungen und Abschlüsse, enthält aber keinen Anspruch an die Qualität der Bildung. Ziel 3 beschränkt das Thema Gleichstellung auf den Zugang zu Bildung, misst aber zum Beispiel nicht, ob Frauen mit ihren Bildungsabschlüssen auch gleiche Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhalten.

Diese qualitativen Aspekte sollen in der Diskussion um neue globale Ent­wick­lungs­ziele für die Zeit nach 2015 stärker berücksichtigt werden.

Globale Partner­schaft für Bildung

2002 wurde die "Education for All – Fast Track Initiative" (sinngemäß: Bildung für alle – Beschleunigungs-Initiative, EFA-FTI) ins Leben gerufen: ein Plan für die beschleunigte Umsetzung der Grundbildungsziele in Ländern, die eine engagierte Bildungspolitik verfolgen, jedoch nicht die Mittel zur Umsetzung haben. In den folgenden zehn Jahren wurde die Initiative zur umfassenden multilateralen Bildungspartnerschaft ausgebaut; seit 2011 trägt sie den Namen Globale Partner­schaft für Bildung (Global Partnership for Education, GPE).

Neben 58 Ent­wick­lungs­ländern sind etwa 30 Geberländer, in­ter­natio­nale und regionale Entwicklungsorganisationen, Nichtregierungsorganisationen sowie Vertreter der Privat­wirt­schaft daran beteiligt. Ziel der Globalen Partner­schaft ist nicht nur eine bessere Finanzierung der Grund- und Sekundarbildung in Ent­wick­lungs­ländern, sondern auch eine bessere Abstimmung und effizientere Umsetzung der ent­wick­lungs­po­litischen Bildungsförderung.

Mit Un­ter­stüt­zung der Globalen Partner­schaft für Bildung wurden seit 2003 rund 23 Millionen Kinder zusätzlich eingeschult. Der Bau von mehr als 37.000 Klassenräumen wurde gefördert, mehr als 413.000 Lehrkräfte wurden aus- und weitergebildet.

Deutsch­land hat die Globale Partner­schaft mitbegründet und die inhaltliche Ausrichtung mitgeprägt. Seit 2008 hat das BMZ mehr als 30 Millionen Euro in den GPE-Fonds eingezahlt. In den kommenden Jahren soll das deutsche En­gage­ment noch deutlich ausgebaut werden.

UN-Dekade "Bildung für nach­hal­tige Entwicklung"

Die Vereinten Nationen haben für die Jahre 2005 bis 2014 eine Dekade "Bildung für nach­hal­tige Ent­wick­lung" ausgerufen. Botschaft der weltweiten Kampagne ist, dass heutiges Handeln Einfluss auf das Leben künftiger Generationen und auf das Leben von Menschen in anderen Weltregionen hat. Diese Botschaft soll unter anderem durch Kindergärten und Schulen, Universitäten und andere Bildungseinrichtungen vermittelt werden. Dazu sollen sie in ihrer Arbeit ent­wick­lungs­po­litische Themen wie Wasser, Energie, Klimawandel, Verlust der Artenvielfalt und Er­näh­rungs­siche­rung aufgreifen.

Im Rahmen der UN-Dekade fand im Frühjahr 2009 in Bonn die Weltkonferenz "Bildung für nach­hal­tige Ent­wick­lung" mit 700 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus allen Weltregionen statt. Am Ende der Konferenz verabschiedeten sie die Bonner Erklärung – ein dringender Appell an die UNESCO und ihre Mit­glieds­staaten, Bildung angesichts der globalen He­raus­for­de­run­gen an den Prinzipien der nachhaltigen Ent­wick­lung auszurichten.

Bildungsinitiative "Global Education First"

Im September 2012 stellte der damalige UN-Generalsekretär Ban Ki-moon seine auf fünf Jahre angelegte Initiative "Education First" vor. Sie zielt darauf ab, zusätzliche Kräfte für die Erreichung der Bildungsziele bis 2015 zu mobilisieren. Außerdem soll sie darauf hinwirken, dass das Thema Bildung in der in­ter­na­ti­o­nalen Diskussion um die Entwicklungsziele nach 2015 einen zentralen Stellenwert erhält. Die Initiative betont die Bedeutung von qualitativ hochwertiger und inklusiver Bildung.

Post-2015 Entwicklungsagenda

Die Frist für die Erreichung der "Bildung für alle"-Ziele und der Mil­len­ni­ums­ent­wick­lungs­ziele läuft 2015 aus. In­ter­national hat nun eine Diskussion über neue globale Entwicklungsziele für die Zeit nach 2015 eingesetzt.

Bei der Erarbeitung neuer Entwicklungsziele legt die Weltgemeinschaft großen Wert darauf, die Diskussion auf möglichst breiter Basis zu führen.

Nach ersten Online-Konsultationen zum Bildungsbereich trafen sich im März 2013 Experten der Vereinten Nationen mit Vertreterinnen und Vertretern von Regierungen, Jugendgruppen, privaten Unternehmen, von zivil­ge­sell­schaft­lichen Or­ga­ni­sa­ti­o­nen und Wissenschaftseinrichtungen in Dakar im Senegal. Zum Abschluss der Gespräche wurden drei klare Prioritäten für die künftige Bildungsförderung genannt: Zugang zu Bildung auch über Primar­bildung hinaus, mehr Qualität in der Bildung sowie mehr Chancen­ge­rechtig­keit, ins­­be­son­dere mit Blick auf be­nach­teiligte Be­völ­ke­rungs­gruppen. Deutsch­land unterstützt den Beratungsprozess, an dem sich bereits mehr als 18.000 Menschen aus über 100 Staaten beteiligt haben.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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