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Hintergrund

Bildung – ein Menschenrecht

Unterricht in einer Schule in As Salt, Jordanien. Drei Schüler stehen vor einer Tafel, einer von ihnen schreibt mit Kreide in arabischer Schrift etwas an diese Tafel.

Jeder hat das Recht auf Bildung. Die Bildung ist unentgeltlich, zum mindesten der Grundschulunterricht und die grundlegende Bildung. Der Grundschulunterricht ist obligatorisch. Fach- und Be­rufs­schul­un­ter­richt müssen all­ge­mein ver­fügbar gemacht werden, und der Hoch­schul­unter­richt muss allen gleicher­maßen ent­sprechend ihren Fähigkeiten offenstehen."
Artikel 26 (1) der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte

Bildung ist ein Menschenrecht. Auf ihrer Basis entwickelt sich die kulturelle Identität des Einzelnen und der Ge­sell­schaft. Bildung allein macht zwar weder satt noch reich und kann auch keine soziale Gerechtigkeit schaffen, sie ist aber die Voraussetzung für eine nach­hal­tige Ent­wick­lung und ein friedliches Zu­sam­men­leben. Bildung befähigt Menschen, ihre politische, soziale, kulturelle, gesellschaftliche und wirt­schaft­liche Situation zu verbessern.

Jedes Kind hat das Recht auf eine Schulausbildung und jeder Mensch ein Anrecht darauf, seine grundlegenden Lernbedürfnisse zu befriedigen – ein Leben lang.

Doch noch gibt es weltweit etwa 774 Millionen Jugendliche und Erwachsene, die nicht lesen und schreiben können. Davon sind etwa zwei Drittel Frauen. Fast drei Viertel der Analphabeten leben in nur zehn Ländern – in Indien, China, Pakistan, Bangladesch, Nigeria, Äthiopien, Ägypten, Brasilien, Indonesien und in der Demokratischen Republik Kongo.

Etwa 57 Millionen Kinder im Grundschulalter haben keine Möglichkeit, zur Schule zu gehen. Da diese Zahlen der Orga­ni­sa­tion der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) auf amtlichen Erhebungen der Staaten beruhen, muss befürchtet werden, dass die Dunkelziffern noch sehr viel höher liegen. In vielen Krisenregionen werden keine Bildungsstatistiken erstellt.

Bildung: ein Schlüsselbereich in der Ent­wick­lungs­politik

Menschen den Zugang zu Bildung zu verwehren heißt, ihnen ein elementares Menschenrecht vorzuenthalten – und wichtige Ent­wick­lungs­chancen für den Einzelnen und die Ge­sell­schaft. Bildung zu fördern ist deshalb eine wichtige Aufgabe der in­ter­na­ti­o­nalen und deutschen Ent­wick­lungs­po­li­tik.

Die in­ter­natio­nale Gemeinschaft hat sich dazu verpflichtet, die Bildungssituation weltweit zu verbessern. Das ist auch eines der Millenniumsentwicklungsziele: Bis 2015 sollen alle Kinder Zugang zur Grundschule haben und diese ab­schließen. Auch die Gleichberechtigung der Geschlechter soll bis dahin auf allen Bildungsebenen verwirklicht sein.

Die Bun­des­re­gie­rung orientiert sich bei ihrer Bildungsförderung in der Ent­wick­lungs­zusam­men­ar­beit an den in­ter­national vereinbarten Zielen. Sie verfolgt dabei das Leitbild des lebenslangen Lernens: Jedem Menschen muss es vom frühen Kindesalter bis ins hohe Alter möglich sein, Wissen und Fähigkeiten zu erwerben. Seit 2009 ist Bildung ein Schlüsselbereich der deutschen Ent­wick­lungs­po­li­tik. Die im Februar 2012 vorgelegte Bildungsstrategie "Zehn Ziele für mehr Bildung" zeigt die Prioritäten und Ansätze in der Bildungsförderung auf. Das ganzheitlich ausgerichtete En­gage­ment umfasst alle Lebensphasen – von der vorschulischen Bildung über Primarbildung (Grundschule), Sekundarbildung (weiterführende Schule) und berufliche Bildung bis hin zur Hochschul- und Erwachsenenbildung.

Was bedeutet Bildung für den Einzelnen?

Bildung vermittelt Grundfertigkeiten wie Lesen, Schreiben und Rechnen, befähigt zum Weiterlernen und fördert problemlösendes Denken. Und Bildung vermittelt neben alltags- auch arbeitsrelevante Fähigkeiten ("life skills" und "work skills").

Eine gute Bildung erhöht das Selbstbewusstsein und die Eigenständigkeit; Wissen ist die Basis für selbstbestimmtes Handeln und Partizipation. Bildung ist dadurch auch das Fundament einer funktionierenden Demokratie: Menschen, die lesen und schreiben können, nehmen häufiger an politischen und sozialen Prozessen teil und fordern ihre persönlichen Rechte ein.

Bildung ist eine zentrale Voraussetzung zur Überwindung von Armut. Bildung erleichtert es den Menschen, Arbeit zu finden und ein eigenes Einkommen zu erzielen. Ohne Bildung bleiben Familien häufig über Generationen hinweg arm.

Was bedeutet Bildung für die Wirtschaft?

Bildung ist eine wesentliche Voraussetzung für nachhaltiges Wirt­schafts­wachs­tum. Ohne Bildung können Menschen ihre individuellen Potenziale nicht entfalten und kein Fachwissen erwerben. Ohne ausgebildete Arbeitskräfte wiederum kann kein nachhaltiges wirtschaftliches Wachstum entstehen.

Hochschulbildung und Forschung sind die Grundlagen für neues Wissen und Innovationen. Sie tragen dazu bei, dass die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes gestärkt wird und neue Arbeitsplätze geschaffen werden können.

Was bedeutet Bildung für die Ge­sell­schaft?

Nur wenn alle Bevölkerungsgruppen die gleiche Chance auf Bildung und späteren Wohlstand haben, kann sich ein friedliches und selbstbestimmtes Miteinander einstellen. Bildung schafft mündige Bürgerinnen und Bürger, die für ihre Rechte eintreten. Besonders bei Mädchen sorgt Bildung für eine Ver­bes­se­rung der Lebenssituation. Bildung kann überdies einen wichtigen Beitrag zur Prävention von Gewalt und zu einem friedlichen Zusammenleben leisten.

Bildung kann die Gesundheitssituation und die Ernährungsgewohnheiten der Menschen positiv beeinflussen. Frauen mit höherem Bildungsstand bekommen später Kinder, sie planen größere Abstände zwischen den Geburten ein und nehmen häufiger medizinische Versorgung in Anspruch. Kinder von Müttern, die Zugang zu Bildungsangeboten hatten, haben ein geringeres Risiko, vor ihrem fünften Lebensjahr zu sterben. Solche Kinder gehen später auch selbst häufiger zur Schule als Kinder aus bildungsfernen Familien.

Bildung ermöglicht es den Menschen, auch komplizierte Zusammenhänge zu verstehen. Sie schafft Bewusstsein für die Notwendigkeit, die Umwelt zu schützen und natürliche Ressourcen nach­hal­tig zu nutzen.

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Siehe auch

Externe Links

Lexikon der Entwicklungspolitik

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