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Zusammenarbeit konkret

Förderung der Grundbildung im Jemen

Ein Junge macht in der Altstadt von Sanaa im Jemen seine Hausaufgaben.

Im Jemen kann etwa ein Drittel der Erwachsenen nicht lesen und schreiben. Das chronisch unterfinanzierte staatliche Bildungs­system ist nicht in der Lage, allen Kindern im schul­pflichtigen Alter einen Grund- und Sekundar­schul­unterricht in aus­reichender Qualität zu bieten. Die Ein­schulungs­rate in den Grund­schulen lag 2012 bei 86 Prozent. Das Be­völ­ke­rungs­wachs­tum ist hoch, das Bildungs­system ist daher mit großen An­forderungen kon­frontiert. Von den rund 24 Millionen Einwohnern des Landes sind mehr als 40 Prozent unter 15 Jahre alt.

Das Millenniumsziel "Bildung für alle" wird im Jemen bis 2015 wahrscheinlich nicht erreicht werden. Zwar haben die jemenitische Regierung und ihre in­ter­na­ti­o­nalen Ent­wick­lungs­partner in den vergangenen Jahren große An­strengungen unter­nommen, die Situation zu verbessern. So konnten zum Beispiel die Ein­schulungs­raten deutlich erhöht werden. Doch nach wie vor müssen viele Schülerinnen und Schüler Klassen wieder­holen oder brechen die Schule ab. Vor allem die Mädchen sind traditions­bedingt oft gezwungen, die Schule vorzeitig zu verlassen, um zu heiraten. Nur 60  Prozent der Mädchen schließen die Grund­schule ab. In den weiter­führenden Schulen kommen auf 100 Jungen 65 Mädchen.

Die Bildungsqualität ist mangelhaft. Insbesondere in Mathematik, den Natur­wissen­schaften und Arabisch schneiden die jemenitischen Schüler im regionalen Vergleich sehr schlecht ab. Die Lehr­kräfte sind un­zureichend aus­ge­bildet, werden schlecht bezahlt und genießen nur einen geringen sozialen Status. Gleichzeitig sind sie mit extrem schwierigen Arbeits­bedingungen konfrontiert. Die Klassen sind mit teilweise mehr als 100 Kindern völlig überfüllt, die Ausstattung der Schulen ist schlecht.

Beratung, Fortbildung, Partizipation

Qualitätsentwicklung ist daher der aktuelle Schwerpunkt des Programms zur Ver­bes­se­rung der Allgemeinbildung (General Education Improvement Programme, GEIP), das die GIZ gemeinsam mit der KfW Entwicklungsbank im Auftrag des BMZ im Jemen umsetzt. Das Vorhaben wurde 2002 gestartet, inzwischen läuft die vierte Phase. Ziel des Programms ist – analog zu den Zielen der jemenitischen Bildungsstrategie – allen Kindern und Jugendlichen eine Grund- und Sekundar­bildung in angemessener Qualität zu bieten.

Regional konzentrieren sich die Maßnahmen der technischen Zusammenarbeit auf ausgewählte Schuldistrikte in den Governoraten Hajja und Sanaa-Stadt.

Gemeinsam mit Vertretern der Schulen, Gemeinden und der Bildungs­ver­waltung werden Konzepte, Methoden und Instrumente zur Ver­­bes­se­rung von Schul­management und Unter­richts­ge­staltung entwickelt, umgesetzt und auf ihre Wirk­sam­keit überprüft. Für Schulleiter, Lehrkräfte, Sozialarbeiter, Verwaltungs- und Schul­auf­sichts­beamte werden Fort­bildungen an­ge­boten. Um die Leistungen der Schüler besser be­werten und ver­gleichen zu können, werden standardisierte Tests entworfen. Das Bildungs­ministerium wurde dabei unter­stützt, ein nationales Prüfungs­system auf­zu­bauen und zu erproben. Es soll ein realistisches Bild des Leistungs­stands der Viert- und Siebt­klässler vermitteln und aufzeigen, wo weiterer Reform­bedarf besteht.

In Form von Väter- und Mütterräten werden die Eltern in die Bildungs­arbeit ein­bezogen. Sie beteiligen sich nicht nur an Schul­aktivitäten. Gemeinsam mit Sozial­arbeitern organisieren sie zum Beispiel auch Ver­an­staltungen für die lokale Be­völkerung zu Themen wie Früh­ver­heiratung, Mädchen­bildung und Drogen­konsum. Unter­suchungen haben gezeigt, dass sich in Schulen mit aktiven Väter- und Mütter­räten die Fehl­zeiten von Lehrkräften und Schülern ver­ringern. Es werden mehr Mädchen ein­geschult und diese brechen die Schule seltener ab. Vor allem für jemenitische Frauen im ländlichen Bereich stellen die Mütter­räte zudem eine der seltenen Gelegen­heiten dar, sich sozial­politisch zu engagieren.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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