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Allgemeine Grundbildung

Handlungsansätze

Hand und Unterarm eines Mannes, der mit einem Kugelschreiber etwas in ein Heft schreibt

Die internationale Gemeinschaft hat sich im vierten Nachhaltigkeitsziel (SDG 4) der Agenda 2030 verpflichtet, bis zum Jahr 2030 allen Kindern und Jugendlichen eine inklusive, gerechte und hochwertige Bildung zu ermöglichen. Die Grundbildung umfasst die frühkindliche Bildung, die Primarschulbildung, die Sekundarschulbildung sowie das außerschulische (non-formale) Erlernen von Basiswissen und Alltagsfähigkeiten ("life skills").

Frühkindliche Bildung

Die frühe Kindheit ist eine Phase grundlegender körperlicher, geistiger, sozialer und emotionaler Entwicklung. In dieser Zeit wird der Grundstein für das lebenslange Lernen und die individuelle Entwicklung gelegt. Versäumnisse sind später nur schwer aufzuholen. Sie haben teils gravierende Folgen – nicht nur für die einzelnen Kinder, sondern auch für die ganze Gesellschaft und Volkswirtschaft.

Investitionen in die frühkindliche Bildung lohnen sich daher besonders: Entsprechende Bildungsprogramme helfen, Entwicklungsverzögerungen gerade bei benachteiligten Kinder auszugleichen. Sie bereiten Kinder auf die Schule vor und tragen dazu bei, Ausgrenzung und Armut zu bekämpfen. Sie verhindern die Übertragung von Bildungsnachteilen von Eltern auf Kinder und verbessern die Aussichten auf eine erfolgreiche Schullaufbahn. Die Chancen von Kindern auf ein produktives und selbstbestimmtes Leben wachsen dadurch erheblich.


Kinder in der Vorschule der deutschen Schule in Erbil, Irak

Das Unterziel 4.2 der Agenda 2030 fordert ausdrücklich dazu auf sicherzustellen, "dass alle Mädchen und Jungen Zugang zu hochwertiger frühkindlicher Erziehung, Betreuung und Vorschulbildung erhalten, damit sie auf die Grundschule vorbereitet sind". Eine Auswertung ist in diesem Bereich jedoch schwieriger als bei den anderen Bildungsformen: Es gibt bislang keine weltweit gültige Definition der altersgemäßen Entwicklung von Kleinkindern. Ebenso fehlen einheitliche Standards zum Eintrittsalter und zur Dauer der Kindergarten- und Vorschulangebote. Und auch die Qualität der – oftmals privaten – Angebote lässt sich nur schwer vergleichen und bewerten.

Laut Weltbildungsbericht 2017 hatten im Jahr 2015 nur 21 Prozent der ausgewerteten Länder ein verpflichtendes Vorschulangebot. In nur 17 Prozent der Länder war mindestens ein Jahr Vorschulbildung verpflichtend und kostenfrei.

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hat die frühkindliche Bildung in seine Bildungsstrategie aufgenommen und fördert entsprechende Maßnahmen in Peru, Ägypten und Honduras. In weiteren Ländern wurden Vorhaben zur Primarschulbildung auf die Vorschulbildung ausgeweitet. Darüber hinaus hat das BMZ zwischen 2013 und 2015 Mittel für Bildungsprojekte von 21 zivilgesellschaftlichen Organisationen zur Verfügung gestellt, die sich der frühkindlichen Bildung widmen. Projekte in den Bereichen Gesundheit, Ernährung und Kinderschutz tragen ebenfalls zur frühkindlichen Entwicklung bei.


Primarschulbildung

Schultaschen auf dem Pausenhof einer Schule in Amman, an der jordanische und syrische Kinder in Doppelschichten unterrichtet werden.

Nachdem der Grundstein in der frühen Kindheit gelegt wurde, bildet die Primarschulbildung das Fundament für lebenslanges Lernen. Nicht nur Lese- und Schreibkenntnisse eignet man sich im Grundschulalter am leichtesten an. Auch die Fähigkeit zu sozialem Verhalten, abstraktem Denken und moralischem Handeln bildet sich in dieser Lebensphase aus.

Trotz deutlicher Fortschritte in den vergangenen Jahren sind immer noch fast zehn Prozent der Kinder im Grundschulalter vom Schulbesuch ausgeschlossen. Häufigster Grund ist Armut: Die Eltern können sich die Schulgebühren, Fahrtkosten oder Anschaffungen wie Schuluniformen, Stifte und Bücher nicht leisten. Viele Familien sind zudem darauf angewiesen, dass die Kinder arbeiten und so zum Einkommen beitragen.

Große Defizite sind zudem noch bei der Qualität der Bildung zu verzeichnen. Es fehlt an fachlich, didaktisch und pädagogisch gut ausgebildeten Lehrkräften sowie an bedarfsgerechten Lehrplänen und Unterrichtsmaterialien. Die Steigerung der Bildungsqualität ist ein Schwerpunkt der deutschen Entwicklungszusammenarbeit.


Förderung des muttersprachlichen Unterrichts

In mehrsprachigen Gesellschaften entscheidet oft die Unterrichtssprache in den Grundschulen über die Chancen der Kinder auf Bildung. Die Nutzung ihrer Muttersprache oder zumindest einer den Kindern bekannten Zweitsprache ist Voraussetzung für einen erfolgreichen Unterricht.

In Lateinamerika unterstützt Deutschland seit langem die Einführung von muttersprachlichem Unterricht für indigene Kinder, deren Muttersprache nicht Spanisch ist. Entsprechende Vorhaben in Peru und Bolivien wurden erfolgreich abgeschlossen. Auch in Guatemala zeigt die Einführung einer interkulturellen zweisprachigen Erziehung Erfolge.

In verschiedenen Ländern Afrikas (etwa Mosambik und Malawi) ermöglichte das BMZ die Produktion von Schul- und anderen Büchern in einheimischen Sprachen.


Sekundarschulbildung

Unterricht in Burkina Faso

Die Sekundarschulbildung – also der Besuch einer weiterführenden Schule nach der Grundschulzeit – ist als Brücke zwischen Primarschulbildung und beruflicher Qualifikation von großer Bedeutung. Nur wer eine weiterführende Schule erfolgreich abschließt, hat die Chance, sich zur Fachkraft ausbilden zu lassen oder ein Studium aufzunehmen.

Weltweit stiegen die Einschulungsraten bei der Sekundarschulbildung im Zeitraum von 1970 bis 2015 von 43 auf 84 Prozent. Die regionalen Unterschiede sind jedoch groß: Während in Nordamerika und Westeuropa fast alle Jugendlichen nach der Grundschule eine weiterführende Schule besuchen, liegt die Quote in den nordafrikanischen Staaten und Vorderasien bei 85 Prozent. In den afrikanischen Staaten südlich der Sahara wechseln nur 64 Prozent der Jugendlichen der entsprechenden Altersklasse in eine Sekundarschule.

Bislang spielte die Sekundarschuldbildung in der internationalen Zielsetzung nur eine untergeordnete Rolle. Das ändert sich mit den nachhaltigen Entwicklungszielen der Agenda 2030 grundlegend: Im Unterziel 4.1 wurde festgelegt, allen Kindern und Jugendlichen bis 2030 auch einen Sekundarschulabschluss zu ermöglichen.

Die BMZ-Förderung in diesem Bereich konzentriert sich vor allem auf den Bau von Sekundarschulen und Mädchenwohnheimen sowie auf die Unterstützung von Schulpartnerschaften.


Außerschulische Grundbildung

Grundbildung umfasst auch außerschulische (non-formale) Bildungsangebote zum Erwerb grundlegender Alltagsfähigkeiten. Auch diejenigen, die als Kind keine Schule besuchen oder abschließen konnten, erhalten auf diesem Weg die Chance, am wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben teilzuhaben und ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Die non-formale Grundbildung umfasst allgemeine, berufliche, kulturelle und politische Bildung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Besonders in Entwicklungsländern hat außerschulische Grundbildung eine wichtige Brückenfunktion. Sie kann zum Beispiel Jugendliche, die ihre schulische Laufbahn vorzeitig abgebrochen haben, auf den Wiedereinstieg in das formale Bildungssystem vorbereiten. Erwachsene, die nicht lesen und schreiben können, können an Alphabetisierungsprogrammen teilnehmen.

Außerschulische Bildungsangebote können häufig schneller und flexibler an den lokalen Bedarf angepasst werden als das öffentliche Schulwesen. So werden in non-formalen, außerschulischen Bildungsangeboten auf die spezifischen Bedürfnisse der Zielgruppen ausgerichtete Lernangebote entwickelt. Vermittelt wird zum Beispiel Wissen über Gesundheit und Hygiene, Ernährung und Familienplanung sowie über berufliche Möglichkeiten und Finanzierungswege.

Das BMZ fördert diesen Bereich in erster Linie über die Zusammenarbeit mit dem Institut für Internationale Zusammenarbeit des Deutschen Volkshochschul-Verbandes (DVV International). Darüber hinaus wird die Erwachsenenbildung zum Beispiel in Vorhaben zur beruflichen Bildung integriert.


Lexikon der Entwicklungspolitik

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