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Allgemeine Grundbildung

Handlungsansätze

Hand und Unterarm eines Mannes, der mit einem Kugelschreiber etwas in ein Heft schreibt

"Bildung für alle" lautet das ehrgeizige Ziel der in­ter­na­ti­o­nalen Gemeinschaft. Sie hat sich im Aktionsplan von Dakar und in der Millenniumserklärung ver­pflichtet, bis zum Jahr 2015 allen Kindern eine formale Grundbildung zu ermöglichen. Eine solche Grundbildung umfasst die frühkindliche Bildung, die Primarschulbildung, die Sekundar­schulbildung sowie das außerschulische (non-formale) Erlernen von Basiswissen und Alltags­kompetenzen ("life skills").

Frühkindliche Bildung

Kinder in der Vorschule der deutschen Schule in Erbil, Irak. Urheberrecht: Thomas Imo/photothek.netDie frühe Kindheit ist eine Phase grundlegender körperlicher, geistiger, sozialer und emotionaler Ent­wick­lung. In dieser Zeit wird der Grundstein für das lebens­lange Lernen und die individuelle Ent­wick­lung gelegt. Versäumnisse sind später nur schwer aufzuholen. Sie haben teils gravierende Folgen – nicht nur für die einzelnen Kinder, sondern auch für die ganze Ge­sell­schaft und Volks­wirtschaft.

In­ves­ti­tio­nen in die frühkindliche Bildung lohnen sich daher besonders: Ent­sprechende Bildungsprogramme helfen, Entwicklungs­ver­zögerungen gerade bei benachteiligten Kinder auszugleichen. Sie bereiten Kinder auf die Schule vor und tragen dazu bei, Ausgrenzung und Armut zu bekämpfen. Sie verhindern die Übertragung von Bildungs­nachteilen von Eltern auf Kinder und verbessern die Aussichten auf eine erfolgreiche Schullaufbahn. Die Chancen von Kindern auf ein produktives und selbst­bestimmtes Leben wachsen dadurch erheblich.

In Ent­wick­lungs­ländern sind etwa ein Drittel der Kinder unter fünf Jahren, insgesamt etwa 195 Millionen Kinder, in ihrer kognitiven Ent­wick­lung verzögert. In vielen Ländern gibt es zwar politische Strategien zur Vorschulbildung – Finanzierung, Planung und Qualität sind aber völlig unzureichend.

Das BMZ hat die frühkindliche Bildung in seine Bildungsstrategie aufgenommen und wird dem Thema in Zukunft mehr Aufmerksamkeit widmen. Erste Pro­gramme werden bereits umgesetzt.

Primarschulbildung

Ein Mädchen in Burkina Faso schreibt während des Unterrichts in einer Grundschule auf eine Tafel. Urheberrecht: Ute Grabowsky/photothekNachdem der Grundstein in der frühen Kindheit gelegt wurde, bildet die Primar­schulbildung das Fundament für lebens­langes Lernen. Nicht nur Lese- und Schreib­kenntnisse eignet man sich im Grund­schulalter am leichtesten an. Auch die Fähigkeit zu sozialem Verhalten, abstraktem Denken und moralischem Handeln bildet sich in dieser Lebensphase aus.

Trotz deutlicher Fortschritte in den vergangenen Jahren sind immer noch fast zehn Prozent der Kinder im Grund­schulalter vom Schul­besuch aus­geschlossen. Häufigster Grund ist Armut: Die Eltern können sich die Schul­gebühren, Fahrt­kosten oder An­schaffungen wie Schul­uniformen, Stifte und Bücher nicht leisten. Viele Familien sind zudem darauf angewiesen, dass die Kinder arbeiten und so zum Einkommen beitragen.

Förderung des muttersprachlichen Unterrichts

Kinder und ihre Mütter in Kambodscha. Urheberrecht: Thomas Köhler/photothekIn mehrsprachigen Gesellschaften entscheidet oft die Unterrichts­sprache in den Grund­schulen über die Chancen der Kinder auf Bildung. Die Nutzung ihrer Mutter­sprache oder zumindest einer den Kindern bekannten Zweitsprache ist Voraus­setzung für einen effektiven Unterricht.

In Lateinamerika unterstützt Deutsch­land seit langem die Ein­führung von mutter­sprachlichem Unterricht für indigene Kinder, deren Mutter­sprache nicht Spanisch ist. Entsprechende Vorhaben in Peru und Bolivien wurden erfolgreich ab­ge­schlossen. Auch in Guatemala zeigt die Einführung einer interkulturellen zwei­sprachigen Erziehung erste Erfolge.

In verschiedenen Ländern Afrikas wurde durch das BMZ die Produktion von Schulbüchern und anderen Büchern in ein­heimischen Sprachen ermöglicht.

Sekundarschulbildung

Unterricht in Burkina Faso. Urheberrecht: Ute Grabowsky/photothekDie Sekundarschulbildung – also der Besuch einer weiterführenden Schule nach der Grundschulzeit – ist als Brücke zwischen Primar­schul­bildung und beruflicher Qualifikation von großer Bedeutung. Nur wer eine weiter­führende Schule erfolgreich abschließt, hat die Chance, sich zur Fachkraft ausbilden zu lassen oder ein Studium aufzunehmen.

Weltweit stiegen die Ein­schulungs­raten bei der Sekundar­schulbildung im Zeit­raum von 1970 bis 2011 von 43 auf 82 Prozent. Die regionalen Unter­schiede sind jedoch groß: Während in Nord­amerika und West­europa alle Jugendlichen nach der Grund­schule eine weiter­führende Schule besuchen, liegt die Quote in den arabischen Staaten bei 88 Prozent. In den afrikanischen Staaten südlich der Sahara wechseln nur 49 Prozent der Jugendlichen der ent­sprechenden Alters­klasse in eine Sekundarschule.

Non-formale Bildung

Zuhörerinnen und Zuhörer im Hörsaal des Instituts für angewandte Agrarforschung und Ausbildung in Katibougou, Mali. Urheberrecht: Thomas Trutschel/photothekDie non-formale Grundbildung umfasst alle Bildungs­aktivitäten, die außer­halb des formalen Schul­wesens angeboten werden. Das Spektrum umfasst all­ge­meine, berufliche, kulturelle und politische Bildung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Besonders in Ent­wick­lungs­ländern hat außer­schulische Grund­bildung eine wichtige Brücken­funktion. Sie kann zum Beispiel Kinder und Jugend­liche, die keine Schule besucht haben oder ihre schulische Lauf­bahn vorzeitig abgebrochen haben, auf den (Wieder-)Einstieg in das formale Bildungs­system vorbereiten. Erwachsene, die nicht lesen und schreiben können, können an Alpha­beti­sierungs­pro­grammen teil­nehmen.

Außerschulische Bildungsangebote können häufig besser an den lokalen Bedarf an­ge­passt werden als das öffentliche Schul­wesen. So werden in Alpha­beti­sierungs­kursen oft auch Alltags­fähig­keiten ver­mittelt. Die Schülerinnen und Schüler lernen nicht nur lesen und schreiben, sondern erwerben zum Beispiel auch Wissen über Ge­sund­heit und Hygiene, Er­nährung und Familien­planung oder über berufliche Möglich­keiten und Finanzierungs­wege.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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