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Deutsches Engagement

Benachteiligte Gruppen fördern

Hand eines Jungen am Greifreifen eines Rollstuhls

Ethnische Minderheiten, Einwohner städtischer oder ländlicher Armutsgebiete, Menschen mit Behinderungen und HIV-Infizierte sind häufig vom Schulbesuch ausgeschlossen. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit legt daher ein besonderes Augenmerk auf die Förderung dieser benachteiligten Bevölkerungsgruppen. Da Herkunft, Sprache und Bildungsstand der Eltern einen erheblichen Einfluss auf die Lernerfolge von Kindern haben, ist es wichtig, möglichst frühzeitig Chancengerechtigkeit im Bildungswesen herzustellen. Dies erreicht man durch ein qualitativ hochwertiges und frei zugängliches Unterrichts- und Lernangebot im Rahmen formaler und non-formaler Bildung.

Inklusive Bildung

Weltweit leben nach Schätzungen zwischen 93 und 150 Millionen Kinder mit einer Behinderung, die meisten von ihnen in Entwicklungsländern. Dort haben sie sehr schlechte Bildungschancen. Die Kinder müssen nicht nur mit ihren körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen leben. Häufig werden sie auch noch gesellschaftlich ausgegrenzt – etwa indem ihnen der Zugang zu Bildung verweigert wird.

Kinder und Jugendliche mit Behinderung werden in armen Ländern häufig nicht eingeschult oder brechen die Schule frühzeitig ab. Ihre Chancen auf eine weiterführende Bildung sind geringer als bei anderen Kindern und viele von ihnen finden später keine angemessene Arbeit. Ähnliches gilt für ethnische Minderheiten und Personen, die seltene Sprachen sprechen, in Armut lebende Menschen, arbeitende Kinder und HIV-infizierte Menschen.

Inklusive Bildung bedeutet, dass alle Menschen gleichberechtigt und ihren Lernbedürfnissen entsprechend an Bildung teilhaben können. Nicht der Lernende soll sich an das bestehende System anpassen müssen, sondern das Bildungssystem muss die Bedürfnisse aller Lernenden berücksichtigen – in allen Bildungsbereichen.

Wissenschaftliche Studien haben den pädagogischen, sozialen und ökonomischen Mehrwert inklusiver Bildung belegt. Sie kommt nicht nur benachteiligten Bevölkerungsgruppen zugute, sondern stellt eine Bereicherung für alle Lernenden dar: Durch gemeinsamen Unterricht erleben Menschen Vielfalt als normal. Ein friedliches Miteinander wird frühzeitig eingeübt, Sozialkompetenzen werden gestärkt.


Grundlagen vorhanden, Erfahrungen fehlen noch

Die politischen und rechtlichen Grundlagen für eine diskriminierungsfreie Bildung wurden bereits geschaffen. Zum einen ist das Recht auf inklusive Bildung in der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen völkerrechtlich verankert. Zudem wird in der UN-Erklärung zu den Rechten indigener Völker diesen Völkern das Recht zugesprochen, in ihrer Muttersprache und gemäß den Lehr- und Lernmethoden der eigenen Kultur unterrichtet zu werden.

In der internationalen Entwicklungspolitik wird das Thema Inklusion in Verbindung mit Chancengerechtigkeit immer wichtiger. Bisher liegen allerdings kaum Umsetzungserfahrungen vor. Um mehr über Inklusion zu lernen, fördert das BMZ ein Forschungsvorhaben zu inklusiver Bildung in Malawi und Guatemala. Aus den Ergebnissen sollen konkrete Handlungsempfehlungen für die Förderung inklusiver Bildung in der Entwicklungszusammenarbeit abgeleitet werden. Grundsätzlich werden – soweit möglich – in BMZ-Vorhaben zur Förderung der Grund- oder Berufsbildung Aspekte der Inklusion verstärkt berücksichtigt.


Lexikon der Entwicklungspolitik

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