Hauptinhalt

Leitlinien

Gleichberechtigung der Geschlechter fördern

Schülerinnen in Chavakacheri, einer Stadt im Norden Sri Lankas

In­ves­ti­tio­nen in Bildung für Mädchen sind die wirk­samsten Einzel­in­vesti­tionen, die ein Ent­wick­lungs­land vor­nehmen kann. Die Aus­bildung von Mädchen wirkt auf alle Dimensionen der Ent­wick­lung: geringere Kinder- und Mütter­sterblich­keit, eine geringere Frucht­bar­keits­rate, höherer Bildungs­stand bei Töchtern und Söhnen, höhere Produktivität und besserer Um­gang mit der Umwelt.
aus einer Studie der Weltbank

Frühe Diskriminierung hat einen negativen Einfluss auf die gesamte Bildungs­bio­graphie eines Menschen. Deutsch­land verfolgt mit seinen Programmen zur Bildungs­förderung deshalb auch das Ziel, un­gerechte Beziehungen zwischen den Geschlechtern zu ver­meiden oder aufzuheben.

Fortschritte sichtbar

Auf dem Weltbildungsforum in Dakar (2000) hat die Welt­ge­meinschaft das Ziel formuliert, bis zum Jahr 2005 die Un­gleich­heiten beim Bildungs­zugang von Mädchen und Jungen im Primar- und Sekundar­schul­bereich zu be­seitigen. Dieses Ziel hat sich als zu ehr­geizig erwiesen. So sind von den weltweit rund 57 Millionen Kindern, die nicht zur Schule gehen, immer noch etwas mehr als die Hälfte Mädchen (54 Prozent). Im Bereich der weiterführenden Schulen ist das Verhältnis noch ungünstiger.

Doch eine globale Tendenz zur Gleichstellung der Geschlechter ist deutlich festzustellen. In ihrem Weltbildungsbericht 2012 bezeichnete die Orga­ni­sa­tion der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) die Verringerung der Geschlechterkluft beim Grund­schul­besuch als einen der größten Erfolge des "Bildung für alle"-Prozesses, der im Jahr 2000 eingeleitet wurde. Von den aus­ge­werteten Staaten hatten im Jahr 2011 63 Prozent eine Gleich­stellung der Geschlechter in der Grund­schule erreicht (gegenüber 57 Prozent im Jahr 1999). Große Fortschritte wurden vor allem in den Regionen mit den größten Be­nach­teiligungen verzeichnet – in den arabischen Staaten, in Süd- und Westasien und in Sub­sahara-Afrika. Es wird erwartet, dass bis 2015 in 70 Prozent aller Länder eine Gleich­stellung der Geschlechter bei der Grund­schul­bildung erreicht wird.

Jungen und Mädchen betroffen

Auch bei der Sekundarbildung besteht noch großer Handlungs­bedarf: Hier hatten 97 von 157 Ländern, die entsprechende Daten für 2010 vorlegen konnten, das Gleich­stellungs­ziel verfehlt. In mehr als der Hälfte dieser Länder be­suchen jedoch weniger Jungen als Mädchen die Schule: Armut zwingt die Jungen, früh eine bezahlte Arbeit auf­zu­nehmen. Dies gilt vor allem für Länder in Latein­amerika und Ost­asien. In den arabischen Staaten, in Süd- und West­asien sowie in Sub­sahara-Afrika haben die Mädchen geringere Chancen, eine weiterführende Schule zu besuchen.

Deutsch­lands En­gage­ment

Deutsche Programme zur Bildungsförderung zielen systematisch darauf ab, ungerechte Beziehungen zwischen den Geschlechtern aufzuheben. Das Bun­des­mi­nis­te­rium für wirt­schaft­liche Zu­sam­men­ar­beit und Ent­wick­lung (BMZ) setzt sich dafür ein, dass Mädchen und Frauen einen gleich­berechtigten Zugang zu allen Bildungs­bereichen und -formen erhalten. Damit Mädchen ihre Schul­lauf­bahn nicht vorzeitig abbrechen, ist es wichtig, ihre speziellen Be­dürfnisse zu be­rück­sichtigen. Dazu gehören zum Beispiel ein sicherer Schul­weg, getrennte sanitäre Anlagen und auch ein größerer Anteil weiblicher Lehr­kräfte in allen Bildungsbereichen.

Zudem muss der Übergang von der Grund- zur Sekundar­bildung erleichtert werden. Faktoren wie Armut, Dis­krimi­nierung, Tradition, frühe Heirat oder Schwanger­schaft sorgen in vielen Ländern dafür, dass Mädchen keine weiter­führende Schule besuchen können oder häufig fehlen und die Schule schließlich vor dem Abschluss verlassen.

Deutsch­land berät seine Ko­ope­ra­tions­länder unter anderem bei Rechts- und Politik­reformen, die die Gleich­be­rechtigung der Geschlechter in der Bildung gesetzlich verankern. Mit deutscher Un­ter­stüt­zung werden Gender-Strategien im Bildungs­bereich formuliert und durchgesetzt sowie Finanzierungs­modelle entwickelt, um den Schulbesuch von Mädchen zu fördern. Die mädchen­gerechte Aus­stattung von Schulen ist ebenso ein Aspekt der Ent­wick­lungs­zusam­men­ar­beit wie die Ausbildung von Lehrerinnen und Wissen­schaftlerinnen, die als leistungs­starke Vorbilder dienen können.

Lexikon der Entwicklungspolitik

Fenster schließen

 

Seite teilen