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Bildung

Potenziale von Digitalisierung in der Bildung

Klassenzimmer mit Computern an einer staatlichen Mädchenschule in Abeokuta, Nigeria

Digitale Technologien beeinflussen und verändern die Art und Weise, wie Bildung vermittelt, organisiert und gestaltet wird auf vielfältige Weise. So ermöglichen sie ein orts- und zeitunabhängiges Lernen (zum Beispiel über digitale Lehr- und Lerninfrastrukturen wie Massive Open Online Courses oder E-Learning), das individuell auf Lernende und ihre Bedürfnisse angepasst werden kann. Der Einsatz digitaler Technologien in der Bildung bietet Potenziale zur Verbesserung der Bildungsqualität, unter anderem durch Optimierung der Bildungsverwaltung und der Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften.

Darüber hinaus unterstützen digitale Technologien die Teilhabe an der Wissens- und Informationsgesellschaft sowie die Möglichkeit, in Kollaboration und Austausch mit anderen Lernenden, Lehrenden und Experten auf lokaler und globaler Ebene zu treten.

Digitale Kompetenzen

Digitale Technologien verändern den Bildungsbereich. Gleichzeitig kommt der Aus- und Weiterbildung eine tragende Rolle bei der Vermittlung digitaler Kompetenzen zu. Digitale Kompetenzen sind gemäß Definition der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) als eine Kombination aus Fachwissen, Einstellungen, Arbeitsweisen und Querschnittskompetenzen zu verstehen. Digitale Kompetenzen sind der Schlüsselfaktor für eine nachhaltige gesellschaftliche Entwicklung sowie für politische und wirtschaftliche Teilhabe an einer immer stärker digital geprägten Welt. Bei der Vermittlung digitaler Kompetenzen gewinnen neben den formalen Institutionen wie Schulen, Hochschulen und Weiterbildungseinrichtungen mehr und mehr auch non-formale Bildungskontexte sowie selbstgesteuertes und informelles Lernen an Bedeutung.


Digitale Klüfte

Eine zentrale Herausforderung stellt die Frage dar, wie Bildung den Erwerb digitaler Kompetenzen für alle Menschen möglich machen kann. Denn: Trotz aller Potenziale der Digitalisierung existieren abhängig von sozioökonomischem Status, Geschlecht, Geografie, Alter und Bildungshintergrund "digitale Klüfte". Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung ist nach wie vor offline, vor allem in Subsahara-Afrika und Südasien. Dort, wo ein Zugang zu Infrastruktur und Technologie gegeben ist, verfügen nach wie vor viele nicht über die nötigen digitalen Kompetenzen oder die Möglichkeiten, diese zu erwerben, um davon profitieren zu können.

Vor allem Frauen und Mädchen sowie Menschen in abgelegenen und ländlichen Gebieten mit niedrigem Bildungsniveau und geringem Einkommen laufen Gefahr, nicht von den Entwicklungseffekten der Digitalisierung zu profitieren. Weltweit haben über 250 Millionen weniger Frauen als Männer Zugang zum Internet und dadurch weniger Zugang zu Information, Bildung und Partizipation. Nur jeder vierte Job in der Digitalwirtschaft wird von Frauen ausgeübt.


#eSkills4Girls – Eine globale Initiative zur Förderung von digitalen Kompetenzen für Frauen und Mädchen

Logo: #eSkills4Girls

Im Rahmen der deutschen G20-Präsidentschaft 2017 hat das BMZ die #eSkills4Girls-Initiative ins Leben gerufen. Die Initiative hat sich zum Ziel gesetzt, Bildungs- und Beschäftigungsperspektiven von Mädchen und Frauen in einer immer stärker digitalisierten Welt zu fördern.

Die Umsetzung der #eSkills4Girls-Initiative erfolgt zum einen multilateral durch die Arbeit der Multi-Akteurs-Partnerschaft EQUALS (The Global Partnership for Gender Equality in the Digital Age):

  • Das BMZ hat, gemeinsam mit der UNESCO, die Federführung für die Arbeitsgruppe zu digitalen Kompetenzen (Skills).
  • Umsetzung eines Innovationsfonds für Graswurzelinitiativen für digitale Bildung von Mädchen und Frauen (gemeinsam mit der internationalen Nichtregierungsorganisation World Wide Web Foundation): Durch einen Fonds werden lokale Initiativen gefördert, um Tausenden von Mädchen und Frauen die Möglichkeit zu geben, ihre digitalen Fähigkeiten weiterzuentwickeln.
  • Empfehlungen, um Schulen, Berufsschulen und Universitäten weltweit dabei zu unterstützen, Lehrpläne und Lernumfelder für den Erwerb von digitalen Kompetenzen geschlechtergerecht zu gestalten.
  • Policy Brief, der eine Basis bildet für ein entsprechendes Monitoring und die nach Geschlechtern disaggregierte Messung digitaler Kompetenzen.
  • Praktische Empfehlungen für Organisationen für die Konzeption, Implementierung und Evaluation von Projekten an der Schnittstelle von IKT und Gender.
  • Workshops in Afrika und Asien für Repräsentanten von Bildungs- und Digitalministerien um auf den Gender Digital Divide aufmerksam zu machen und gendergerechte Politikgestaltung zu fördern.

Zum anderen erfolgt die Umsetzung von #eSkills4Girls auf Länderebene:

  • 29 konkrete Leuchtturm-Projekte aus 11 Mitgliedsstaaten, die Zugang von Frauen zu digitalen Technologien fördern und Bildungs- und Beschäftigungsperspektiven verbessern, sind auf der Online-Plattform www.eSkills4Girls.org dargestellt.
  • Zusätzlich Aufstockung bilateraler Vorhaben der deutschen Entwicklungszusammenarbeit zum Aufbau digitaler Kompetenzen von Mädchen und Frauen in Ghana, Kamerun, Marokko, Mosambik, Ruanda, Sambia und Südafrika.

In Kooperation mit der Privatwirtschaft fördert das BMZ im Rahmen der #eSkills4Girls-Initiative Workshops während der Africa Code Week. Sie ist eine kontinentweite Initiative die zum Ziel hat, digitale Kompetenzen und Programmierkenntnisse bei Kindern und Jugendlichen zu fördern. Im Rahmen der Code Week 2018 hat das BMZ 20 Programmier-Workshops in 15 afrikanischen Ländern unterstützt. Bei den Lerninhalten wurden die Bedarfe der mehr als 14.000 teilnehmenden jungen Frauen und Mädchen besonders berücksichtigt.


Vorurteile abbauen

Der Erwerb dieser Kompetenzen ist jedoch nicht nur durch fehlende Hardware oder Trainingsangebote eingeschränkt. Oftmals sind es soziokulturelle Faktoren und Stereotype, die es Frauen und Mädchen erschweren, sich im digitalen Bereich weiterzubilden. Deswegen macht es sich #eSkills4Girls nicht nur zu Aufgabe, Bildungsmaßnahmen durchzuführen und zu unterstützen, sondern bemüht sich mit ihrer Lobbyarbeit auch um mehr Bewusstsein für die geschlechtsspezifische digitale Kluft. Dazu gehört ebenfalls das Aufbrechen bestehender Klischees.

Um Mädchen und jungen Frauen zu zeigen, dass auch Frauen sich in der Technologiebranche behaupten können hat das BMZ Ende 2018 das Buch Women in Tech. Inspiration, keine Märchen (PDF 6,7 MB) herausgebracht, das 30 erfolgreiche Frauen und ihren persönlichen Werdegang vorstellt. Geschichten wie diese können Mädchen für MINT-Fächer begeistern und junge Frauen dazu animieren, sich beispielsweise als Programmiererin zu versuchen. Die #eSkills4Girls-Plattform bietet Frauen zusätzlich die Gelegenheit, ihre Erfahrungen online zu stellen und mit anderen zu teilen.


Projekketbeispiel #eSkills4Girls Ghana

Weniger als 20 Prozent der ghanaischen Frauen haben Zugang zum Internet. Dabei ist der Internetzugang inzwischen eine wichtige Voraussetzung für politische und wirtschaftliche Teilhabe. Das Programm für nachhaltige Wirtschaftsentwicklung in Ghana unterstützt Frauen und Mädchen bei ihrer Karriereentwicklung im IT-Sektor und bietet ihnen gezielte Aus- und Fortbildungen. Das Programm berät sechs ghanaische Berufsbildungsinstitute, wie sie die IKT-Ausbildung besser an die Bedarfe des Arbeitsmarktes anpassen können. In der non-formalen Bildung arbeitet das Programm mit der Organisation "Developers in Vogue" zusammen. Ein zweimonatiges IKT-Training bereitet Frauen darauf vor, ein Unternehmen zu gründen und zu führen.


Lexikon der Entwicklungspolitik

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