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Berufliche Bildung

Qualifizierte Fachkräfte für nachhaltige Entwicklung

Ausbildung von Maschinenschlossern am Mechanical Institute in Kabul, Afghanistan

Seit der Verabschiedung der Mil­len­ni­ums­ent­wick­lungs­ziele im Jahr 2000 hat sich die Bildungs­situation weltweit stark verbessert. Viele Länder haben ihre Einschulungsraten deutlich gesteigert und verstärkt in die Grundbildung ihrer Bevölkerung investiert. Umso wichtiger ist es jetzt, auch die anderen Teile des Bildungswesens – wie die berufliche Bildung – auszubauen. Denn berufliche Bildung eröffnet jungen Menschen bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Berufliche Bildung umfasst die berufliche Erstausbildung und die berufliche Weiterbildung. Sie ist der Grundpfeiler für eine tragfähige wirt­schaft­liche Ent­wick­lung. Doch sie ist noch mehr: Berufliche Aus- und Weiterbildung ist auch ein wichtiger Bestandteil für die persönliche Ent­wick­lung von Menschen. Mit der Sicherung des Lebensunterhalts und dem Vertrauen in die eigenen Fähig­keiten schafft berufliche Bildung die Grundlage für eine selbstbewusste Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Sie fördert den Wunsch, sich für das Gelingen des Zusammenlebens einzusetzen – in Ent­wick­lungs­ländern genauso wie bei uns.

Eine Aus- und Weiterbildung, die sich an den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes orientiert, ermöglicht es den Menschen, einen Arbeitsplatz zu finden oder selbst zu schaffen. Sie können Einkommen erzielen, ihre Armut aus eigener Kraft über­winden und ein menschenwürdiges Leben führen. Zugleich steigt die Wett­be­werbs­fähig­keit der Unternehmen, da qualifizierte Fachkräfte verfügbar sind. Das verbessert die Voraussetzungen für ein nachhaltiges Wirt­schafts­wachs­tum, das allen Bevölkerungsgruppen zugutekommt.

Situation in den Ent­wick­lungs­ländern

Ein Schüler der Berufsschule für Industriemechanik in Solo in Indonesien arbeitet an einem Übungsstück

Ihre positiven Effekte kann berufliche Bildung nur entfalten, wenn sie den Anforderungen der Ge­sell­schaft und des lokalen Arbeitsmarkts entspricht. Das ist in vielen Ko­ope­ra­tions­ländern der deutschen Ent­wick­lungs­zusam­men­ar­beit noch nicht der Fall: Ausbildungsgänge orientieren sich oft nicht genug an der beruflichen Praxis und die Abschlüsse werden von den Unternehmen in vielen Fällen nicht anerkannt. Es fehlen Berufsschulen, die vorhandenen sind schlecht ausgestattet, viele Lehrpläne sind veraltet. Meist ist das gesamte Be­rufs­bil­dungs­system stark unterfinanziert. Der informelle Sektor wird in die Ausbildung nur selten einbezogen, obwohl er vielen Menschen Arbeit bietet.

Ein Problem ist für viele Ent­wick­lungs­länder das starke Bevölkerungswachstum. Es führt zu hoher Arbeitslosigkeit, vor allem unter Jugendlichen. Obwohl die Wirtschaft in vielen dieser Länder beachtlich wächst, steigt die Zahl der Arbeits­plätze nicht entsprechend. Zugleich können vorhandene Arbeitsplätze oft nicht besetzt werden, weil es nicht genügend qualifizierte Fachkräfte gibt. Breite Teile der Bevölkerung können daher nicht am Wachstum teilhaben. Die daraus fol­gen­de Perspektiv­losig­keit – vor allem der jungen Generation – gefährdet in vielen Ländern zunehmend den sozialen Frieden und bildet einen Nährboden für innerstaatliche Konflikte.


Das deutsche En­gage­ment

Schüler der ETEKA-KfZ-Berufsschule in Kabgayi (Ruanda) bei der Arbeit an einem Motor

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit folgt dem Leitbild des lebenslangen Lernens. Es umfasst alle Lernphasen und Lerngelegenheiten: Von der früh­kind­lichen Bildung bis hin zur Hochschul- und Erwachsenen­bildung. Be­ruf­liche Bildung ist ein ent­scheidender Teil davon. Die vom BMZ angestrebte ganz­heit­liche Bil­dungs­förde­rung stellt den Menschen in den Mittelpunkt. Sie be­rück­sichtigt nicht nur einzelne Bildungsbereiche, sondern bezieht das ganze Bildungssystem mit ein.

Die Bildungsstrategie des Bundesentwicklungsministeriums enthält als eines von zehn Zielen die klare Vorgabe, die berufliche Bildung weiter auszubauen. Das soll aber nicht isoliert geschehen, sondern im Zusammenspiel mit anderen Maßnahmen im Schwerpunkt Bildung sowie anderen entwicklungspolitischen Arbeitsfeldern wie zum Beispiel der nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung, dem Umwelt- und Ressourcenschutz und der ländlichen Entwicklung.

Mit seiner Bildungsstrategie setzt das BMZ in der beruflichen Bildung neue Akzente: Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit soll die Ko­opera­tions­länder darin unterstützen, ihr gesamtes Bildungssystem auf das Leitbild des lebenslangen Lernens auszurichten. Dabei soll sichergestellt werden, dass das Bildungssystem durchlässig bleibt und zum Beispiel nicht nur formale, sondern auch non-formale Berufsbildungsangebote und Formen des informellen Lernens gleichermaßen berücksichtigt werden.

Die Bedeutung von beruflicher Bildung in der deutschen Entwicklungspolitik steigt stetig und spiegelt sich auch in der Höhe der Zusagen wider. Zwischen 2009 und 2013 wurden die Mittel für entsprechende Vorhaben mehr als ver­doppelt – von 44,5 Millionen Euro auf 92,3 Millionen Euro. Für 2014 sind nach derzeitiger Planung Mittel in Höhe von 154,3 Millionen Euro vorgesehen.
Die Bundesrepublik ist damit in der zwischenstaatlichen Zusammenarbeit der mit Abstand größte Geber für die Förderung der beruflichen Bildung. Die ein­ge­setzten deutschen Mittel überstiegen in den vergangenen Jahren sogar die entsprechenden Beiträge der EU-Kommission und der Weltbank.


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