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Zusammenarbeit konkret

Reform der Berufsbildung in Vietnam

Schülerinnen in einer Berufsschule in Ho-Chi-Minh-Stadt, Vietnam

Die Wirtschaft Vietnams verzeichnet seit Beginn des 1986 eingeleiteten nationalen Reform- und Modernisierungsprozesses ("Doi Moi") insbesondere in der Industrie und im Dienstleistungssektor ein dynamisches Wachstum. Das Land strebt an, bis 2020 auf einem "grünen" Wachstumspfad den Status eines Industriestaats zu erreichen.

Die Berufsbildung spielt dabei eine zentrale Rolle, denn der Bedarf an Fachkräften steigt: Die Wirtschaft steht vor neuen fachlich-technischen Herausforderungen und muss ihre regionale und internationale Wettbewerbsfähigkeit beweisen. Derzeit wird das vietnamesische Berufsbildungssystem den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erfordernissen noch nicht gerecht. Zwar treten jährlich etwa 1,4 Millionen Menschen in den Arbeitsmarkt ein, doch es herrscht Mangel an Facharbeitern und Technikern mit praxisorientierter Berufsausbildung. Zurzeit verfügt nur etwa ein Drittel der Beschäftigten über eine seiner Tätigkeit entsprechende Ausbildung. 15 Prozent der Beschäftigten haben eine formale Berufsausbildung absolviert.

Technische und finanzielle Zusammenarbeit eng verzahnt

Die vietnamesische Regierung hat Beschäftigungsförderung und berufliche Qualifizierung zu zentralen entwicklungspolitischen Zielen erklärt. Bis 2020 soll der Anteil an ausgebildeten Arbeitskräften von derzeit 30 auf 55 Prozent steigen. Außerdem soll sich die Berufsausbildung stärker am Bedarf einer "grünen" und nachhaltigen Wirtschaft orientieren. Das BMZ unterstützt diesen Prozess mit dem Programm "Reform der Berufsbildung in Vietnam".

Das Programm umfasst eng miteinander verzahnte Module der technischen und finanziellen Zusammenarbeit. Dabei ergänzen sich Beratungs- und Fortbildungsmaßnahmen für die Politik und Sachinvestitionen für ausgewählte Berufsbildungsinstitute.

Das Programm besteht aus vier Komponenten:

  1. ​Systemberatung in der beruflichen Bildung
  2. ​Programm Berufsbildung 2008
  3. ​Kompetenzzentrum Berufliche Bildung LILAMA 2
  4. ​Aus- und Weiterbildung von Fachkräften im Abwassersektor

Komponente 1: Systemberatung in der beruflichen Bildung

Praxisorientierte Ausbildung in Vietnam
  • Das Vorhaben hat die vietnamesische Regierung bei der Erarbeitung der Berufsbildungsstrategie 2011–2020 signifikant unterstützt.
  • ​Bisher wurden mehr als 200 Lehr- und Ausbildungskräfte sowie Fach-und Führungskräfte der vietnamesischen Partnerorganisationen weitergebildet. Sie nutzen die erworbenen Fähigkeiten bei der Umsetzung der Berufsbildungsstrategie sowie bei der Entwicklung von Durchführungsbestimmungen für das neue Berufsbildungsgesetz.
  • ​90 Prozent der Absolventinnen und Absolventen der geförderten Berufsbildungsinstitute in Metall- und Elektrotechnik sowie Mechatronik haben eine Beschäftigung gefunden.
  • ​Mehr als 50 Unternehmen beteiligen sich an der Ausbildung und haben bei der Entwicklung von Lehrplänen mitgewirkt.
  • ​Das vietnamesische Forschungsinstitut (National Institute for Vocational Training, NIVT) wurde bei der Erstellung des ersten Berufsbildungsberichts für Vietnam beraten, die Grundlagen für eine regelmäßige Berichterstattung wurden geschaffen. Mit der Veröffentlichung des Berichts nimmt Vietnam eine Vorreiterrolle im Verband Südostasiatischer Nationen (ASEAN) ein.

Die laufende Unterstützung in dieser Komponente zielt darauf ab, die Leistungsfähigkeit und Nachfrageorientierung des vietnamesischen Berufsbildungssystems dauerhaft zu verbessern. Das Vorhaben unterstützt das General Department of Vocational Training (GDVT) bei der praktischen Umsetzung der Berufsbildungsstrategie und der Überarbeitung des Berufsbildungsgesetzes. Dazu werden Entscheidungsträgerinnen und -träger zu Kernelementen bedarfsorientierter Berufsbildung beraten und fortgebildet. Dazu zählen Themen wie die Ausgestaltung von Funktionen und Aufgaben der Institutionen im Berufsbildungssystem, die Praxisorientierung der Ausbildung und die Einbeziehung der Wirtschaft.

Die Wirtschaft soll insbesondere bei der Entwicklung von Berufsstandards und bei der Umsetzung kooperativer Ausbildungsmodelle sowie unabhängiger Prüfungen eine noch größere Rolle spielen. Auch die Aus- und Fortbildung von Lehrkräften und die Finanzierung beruflicher Bildung sind Gegenstand der Beratung.


Komponente 2: Programm Berufsbildung 2008

  • Im Jahr 2016 waren die geförderten Institute zu 50 Prozent mit Auszubildenden ausgelastet.
  • ​Im selben Jahr bestanden 90 Prozent der Schülerinnen und Schüler der geförderten Berufsbildungsinstitute ihre Abschlussprüfung erfolgreich.
  • ​Lehrkräfte in ausgewählten Feldern wie Metallverarbeitung, Elektrotechnik/Elektronik und Mechatronik wurden fachlich und didaktisch fortgebildet. Außerdem wurden entsprechende Lehr- und Lernmaterialien entwickelt.
  • ​Es fanden Fortbildungen für das Management- und Leitungspersonal zu Qualitätsaspekten wie Wartung und Instandhaltung, Organisationsabläufen und Personalmanagement statt.

Bei dieser Komponente handelt es sich um eine Maßnahme der finanziellen Zusammenarbeit zur Förderung der arbeitsmarktorientierten beruflichen Bildung. Aktuell werden vier ausgewählte Berufsbildungsinstitute durch die Bereitstellung von Maschinen, Geräten und Unterrichtsmaterialien unterstützt.


Komponente 3: Kompetenzzentrum Berufliche Bildung LILAMA 2

  • Im Jahr 2016 wurden 44 Lehrer praxisorientiert zu fachlichen Themen sowie zu Qualitätsmanagement und Personalentwicklung fortgebildet.
  • ​Um die gesellschaftliche Anerkennung beruflicher Bildung zu verbessern, wurde das Kompetenzzentrum LILAMA 2 bei der Entwicklung einer Marketing- und Kommunikationsstrategie unterstützt.

Diese Komponente des Programms unterstützt die Entwicklung eines Netzwerks von Kompetenzzentren der Berufsbildung. Insbesondere wird die Weiterentwicklung der Berufsbildungseinrichtung LILAMA 2 zu einem Kompetenzzentrum mit Modellfunktion gefördert. LILAMA 2 wird dabei unterstützt, ein Angebot an bedarfsgerechter und an internationalen Standards orientierter beruflicher Aus- und Weiterbildung zu entwickeln. Das Angebot soll sich auf Berufe in Wirtschaftsbereichen mit besonderem Wachstumspotenzial konzentrieren, unter anderem Industriemechanik, Metallbearbeitung, Mechatronik und Industrieelektronik/-elektrotechnik.

Die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft soll ausgebaut werden. Die Ausstattung für die neuen Ausbildungsgänge erfolgt im Rahmen der finanziellen Zusammenarbeit. Die Partnerinstitution wird bei der Einführung der neuen Ausbildungsgänge begleitet, die Leitung bei der inhaltlichen Ausrichtung des Kompetenzzentrums beraten. Lehrkräfte und Management werden – auch fachpraktisch – fortgebildet.

Zusätzlich soll ein Kompetenzzentrum für "grüne" Berufsbildung gefördert werden. Vorbereitende Maßnahmen umfassen die Vermittlung internationaler Erfahrungen zu "Green Skills", "Green Colleges" und "Green Jobs" in Fortbildungen für Fach- und Führungskräfte der beteiligten Einrichtungen.


Komponente 4: Aus- und Weiterbildung von Fachkräften im Abwassersektor

Auf der Baustelle eines Abwasserprojekts in Vietnam erklärt der Bauleiter den Arbeitern das weitere Vorgehen.
  • Das Ausbildungsprogramm hat im November 2015 mit 22 Auszubildenden begonnen.
  • ​Basierend auf einem umfassenden Weiterbildungskonzept wurden fünf Lehrkräfte und 27 betriebliche Ausbilder der Partnerunternehmen fachpraktisch und methodisch-didaktisch fortgebildet.

Über einen kooperativen Ansatz unterstützt das BMZ eine Berufsbildungseinrichtung dabei, die Voraussetzungen für eine bedarfsorientierte Ausbildung im Abwassersektor zu schaffen. Die Bildungsangebote werden von der Piloteinrichtung gemeinsam mit dem Abwasserverband und einzelnen Unternehmen entwickelt. Das Vorhaben berät bei der Abstimmung zu Kooperationsformen und beim Aufbau verlässlicher Kommunikationsstrukturen zwischen der Wirtschaft, weiteren relevanten Sozialpartnern, der Berufsschule und staatlichen Verantwortlichen.

Mit deutscher Unterstützung werden die Partner befähigt, Berufsstandards zu definieren und entsprechende Aus- und Fortbildungsgänge zu entwickeln. Diese werden systemisch in der beruflichen Erstausbildung verankert. Das Lehrpersonal der Piloteinrichtung und die Ausbilder der kooperierenden Unternehmen werden in die Lage versetzt, eine bedarfsorientierte Ausbildung in Abwasserberufen anzubieten.


Projektdaten

Deutscher Beitrag:
37,3 Millionen Euro (15,2 Millionen Euro technische Zusammenarbeit, 22,1 Millionen Euro finanzielle Zusammenarbeit)

Geplante Laufzeit:
2016 bis 2019


Lexikon der Entwicklungspolitik

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