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Zusammenarbeit konkret

Kapazitätsaufbau im Bildungswesen in Äthiopien


Lehrwerkstatt in Äthiopien

Die Volkswirtschaft Äthiopiens verzeichnet seit 2005 Wachstumsraten zwischen acht und zwölf Prozent pro Jahr. Damit steigt die Nachfrage der Wirtschaft nach qualifizierten Fachkräften. Gleichzeitig wächst die Bevölkerung rasant: um 2,5 Prozent im Jahr 2016. Im Nationalen Entwicklungsplan der äthiopischen Regierung nimmt der Bildungssektor eine Schlüsselrolle ein, um die wirtschaftliche Entwicklung des Landes voranzutreiben und Perspektiven für die wachsende Bevölkerung zu schaffen.

Im vergangenen Jahrzehnt wurden ​umfangreiche Infrastrukturmaßnahmen im äthiopischen Bildungssektor durch Deutschland und andere internationale Geber finanziert. So wurde beispielsweise die Zahl der Berufsschulen und der Universitäten deutlich erhöht: Zu Beginn der 1990er Jahre gab es nur zwei Universitäten im Land – heute sind es 35; elf weitere Universitäten sind geplant. Die Zahl der Berufsschulen hat sich zwischen 2011 und 2015 auf über 800 fast verdoppelt. Zeitgleich stieg die Anzahl der Auszubildenden und Studierenden stark an. Die Expansion des Bildungssystems eröffnet der jungen Bevölkerung viele Chancen, bedeutet aber auch eine Herausforderung für den Sektor, insbesondere hinsichtlich der Ausbildungsqualität:

  • ​Es gibt nicht genügend qualifizierte Lehrkräfte.
  • ​Es fehlt an Lehr- und Ausbildungsmaterial.
  • ​Die finanziellen Ressourcen im Bildungssystem sind begrenzt.
  • Die berufliche Ausbildung, die Qualifizierung von Berufsschullehrern, Hochschullehre und Forschung sind wenig praxisorientiert und kaum am Bedarf des Arbeitsmarktes ausgerichtet.

Reformprozess wird unterstützt

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit unterstützt die äthiopische Regierung seit mehr als zehn Jahren dabei, die berufliche und universitäre Ausbildung zu reformieren und auszuweiten. Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und die KfW Entwicklungsbank unterstützen im Auftrag des BMZ das Bildungsministerium, die Berufsbildungsagentur, das nationale Berufsschullehrerinstitut und die regionalen Berufsbildungsbehörden bei der Umsetzung des Reformprozesses.

Im Rahmen der technischen Zusammenarbeit (GIZ) werden die Partner dabei unterstützt, praxisrelevante Inhalte in die Lehrpläne aufzunehmen sowie Kontakte zwischen Bildungsinstitutionen und lokalen Unternehmen aufzubauen. Damit wird die Kooperation zwischen dem Berufsbildungssektor und der Wirtschaft verbessert und den Studierenden werden Möglichkeiten für Praktika in Unternehmen eröffnet.

Berufsschulen und Trainingszentren, das Berufsschullehrerinstitut, Prüfungszentren sowie Technologieinstitute und Technische Universitäten werden im Rahmen der finanziellen Zusammenarbeit (KfW) ausgestattet. Das Lehrpersonal wird praxis- und arbeitsmarktorientiert fortgebildet.


Wirkungen

  • Durch die grundlegenden Verbesserungen im Berufsschulsystem wurden bislang mehr als 350.000 Berufsschülerinnen und -schüler erreicht.
  • Mehr als 50 öffentliche und private Berufsschulen bieten nun Aus- und Fortbildungen an, die sich an der Praxis und dem Bedarf des Arbeitsmarktes orientieren. Eine bessere technische Ausstattung und Weiterbildungen für Lehrkräfte ermöglichen Ausbildungen in neuen Berufsfeldern.
  • Bis Ende 2016 wurden landesweit mehr als 6.100 Berufsschullehrerinnen und -lehrer an über 900 Berufsschulen qualifiziert. Die Ausbildung von Lehr- und Ausbildungspersonal wurde in den Schlüsselsektoren Informationstechnologie, Automobiltechnik, Bau, Metalltechnik, Textilverarbeitung und Tourismus durch Investitionen in Infrastruktur, Ausstattung und Fortbildungen verbessert.
  • 121 Unternehmen wurden bisher in die praxisnahe Berufsausbildung eingebunden. Ihre Beteiligung ist ein erster Beitrag zur Umsetzung der kooperativen Berufsausbildung.
  • Bisher wurden 650 Berufsstandards unter Einbeziehung der Wirtschaft neu entwickelt.

Langfristig wird die Einführung eines kooperativen Berufsbildungssystems gefördert: Die Betriebe sollen eng in die Ausbildung eingebunden werden. Dazu wird bei der Schaffung der entsprechenden gesetzlichen Rahmenbedingungen beraten. Ausgewählte Berufsschulen werden bei der Kooperation mit der Wirtschaft unterstützt. Außerdem werden Ausbildungsprofile und Prüfverfahren verbessert, um den Anforderungen des Arbeitsmarktes und der Unternehmen besser gerecht zu werden. Die Ausbildung von Berufsschullehrkräften am Nationalen Berufsschullehrerinstitut wird mit Blick auf die veränderten Rollen und Anforderungen im reformierten Berufsbildungssystem verbessert.


Projektdaten

Deutscher Beitrag:
49,9 Millionen Euro (17,1 Millionen Euro technische Zusammenarbeit, 32,8 Millionen Euro finanzielle Zusammenarbeit)

Geplante Laufzeit:
2015 bis 2017


Lexikon der Entwicklungspolitik

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