Hauptinhalt

Zusammenarbeit konkret

Reform der Berufsbildung in Vietnam

Schülerinnen in einer Berufsschule in Ho-Chi-Minh-Stadt, Vietnam

Die Wirtschaft Vietnams entwickelt sich seit Beginn des 1986 eingeleiteten nationalen Reform- und Modernisierungsprozesses ("Doi Moi") sehr schnell. Besonders dynamisch wachsen der Industrie- und der Dienstleistungssektor. Auch die Integration der vietnamesischen Wirtschaft in den Welthandel schreitet voran.

Dies führt zu höheren Ansprüchen an Produktqualität und Arbeitsproduktivität. Entsprechend hoch ist der Bedarf der Industrie an kompetenten Fachkräften. Er kann jedoch zurzeit nicht gedeckt werden. Weniger als ein Drittel der Be­schäf­tig­ten verfügt über eine angemessene Be­rufs­aus­bildung. Gleichzeitig treten jährlich etwa 1,4 Millionen Menschen auf den Arbeitsmarkt und suchen Be­schäftigung.

Das vietnamesische Berufsbildungssystem bietet gegenwärtig keine aus­rei­chen­den Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten, die den wirtschaftlichen und ge­sell­schaft­lichen Er­forder­nissen entsprechen. Die vietnamesische Regierung hat das Problem erkannt und Be­schäf­tigungs­förderung und berufliche Qua­li­fi­zierung zu zentralen ent­wick­lungs­po­litischen Zielen erklärt. Angestrebt wird eine Erhöhung des Anteils ausgebildeter Arbeitskräfte von derzeit 32 auf 55 Prozent bis zum Jahr 2020.

Die dafür erforderlichen Ressourcen und Kompetenzen fehlen allerdings noch. Deshalb fördert Deutsch­land das umfassende Programm "Reform der Be­rufs­bil­dung in Vietnam". Gesamtziel ist, das Angebot an qualifizierten Arbeits­kräften zu verbessern. Das Programm beinhaltet eng miteinander verzahnte Module der technischen und der finanziellen Zusammenarbeit: Beratungs- und Fort­bil­dungs­leistungen werden durch Sachinvestitionen ergänzt.

Das Programm besteht derzeit aus vier Komponenten:

  1. Systemberatung in der beruflichen Bildung
  2. Programm Berufsbildung 2008
  3. Kompetenzzentrum Berufliche Bildung LILAMA 2
  4. Aus- und Weiterbildung von Fachkräften im Abwassersektor in Vietnam

Alle Ergebnisse und Erfahrungen werden ausgetauscht und für die anderen Komponenten nutzbar gemacht. Die zweite und dritte Komponente werden durch entsprechende Förderprogramme der finanziellen Zu­sam­men­ar­beit begleitet.

Komponente 1:
Systemberatung in der beruflichen Bildung

Auszubildende in der Schweißwerkstatt einer Berufsschule in Ho-Chi-Minh-Stadt, Vietnam

Ziel dieser Komponente ist es, die Leistungsfähigkeit und Nachfrageorientierung des viet­na­me­sischen Be­rufs­bil­dungs­systems zu erhöhen. Dazu werden viet­na­me­sische Entscheidungsträger zu Kernelementen bedarfsorientierter Be­rufs­bil­dung beraten und fortgebildet. Themen sind zum Beispiel die Zu­sam­men­ar­beit mit der Wirtschaft, die Aus- und Fortbildung von Lehrkräften, die Finanzierung beruflicher Bildung sowie die Ent­wick­lung von Berufsstandards.

Deutsch­land unterstützt seine vietnamesischen Partner zudem dabei, Mög­lich­keiten der regionalen Kooperation mit anderen ASEAN-Staaten zu nutzen, Daten und Fakten zur Berufsbildung zu erheben, aufzubereiten und aus­zu­wer­ten sowie das Image von Berufsbildung in Vietnam zu verbessern.

Wesentliche Beiträge leistete das Vorhaben bei der Erarbeitung der Be­rufs­bil­dungs­strategie 2011 – 2020, die neue Wege der Berufsbildung in Vietnam ebnet. Für die weitere Ent­wick­lung bildet der erste Be­rufs­bil­dungs­be­richt für Vietnam und die anderen ASEAN-Staaten eine wesentliche Grundlage. Dieser wurde vom vietnamesischen Forschungsinstitut (National Institute for Vocational Training, NIVT) mit Un­ter­stüt­zung des Vorhabens und in Zu­sam­men­ar­beit mit dem Bundes­institut für Berufsbildung (BIBB) erstellt. Zugleich wurden die Ka­pa­zi­täten für eine regelmäßige Berichterstattung ausgebaut.

Eine gemeinsam organisierte regionale Berufsbildungskonferenz in Vietnam zum Thema Qualitätsdurchbruch in der Berufsbildung stärkte die Fach­kom­pe­tenz und regionale Vernetzung der Partner.


Komponente 2:
Programm Berufsbildung 2008

In dieser Komponente werden fünf ausgewählte Be­rufs­bil­dungs­institute ge­fördert. Sie sollen für wachsende Wirt­schafts­sektoren eine be­darfs­ge­rechtere Aus­bildung an­bieten. Dazu werden Lehr­kräfte fachlich und didaktisch fort­ge­bildet. Bestehende Aus- und Weiter­bil­dungs­module werden an den Bedarf des Arbeits­markts an­ge­passt und Trainings­in­halte praxis­nah ge­staltet. Die Schul­ver­waltung wird unter anderem zu Quali­täts­management und Stärkung der Ko­opera­tions­be­ziehungen mit Unter­nehmen fort­gebildet und bei der Um­setzung be­raten. Im Rahmen der finanziellen Zu­sam­men­ar­beit wird die technische Aus­stattung der Bil­dungs­ein­rich­tungen ver­bessert.

Das Lehrpersonal ist nun befähigt, eine be­darfs­ge­rechtere Be­rufs­aus­bildung an­zu­bieten und ihre Kom­pe­tenzen an Lehr­kräfte anderer Bil­dungs­ein­richtungen weiter­zu­geben. Das Leitungs­personal ist in der Lage, zum Beispiel Qualitäts­aspekte wie Wartung und In­stand­haltung, Or­ga­ni­sa­tions­ab­läufe oder Personal­einsatz ver­bessert zu gestalten.


Komponente 3:
Kompetenzzentrum Berufliche Bildung LILAMA 2

Im Zuge der dritten Komponente wird der Aufbau des Kompetenzzentrums LILAMA 2 gefördert, das innerhalb des vietnamesischen Berufsbildungssystems eine Modellfunktion erfüllen soll. Gemeinsam werden bedarfsorientierte Aus­bildungsangebote nach in­ter­na­ti­o­nalen Standards entwickelt. Diese sollen sich auf Berufe in Sektoren mit besonderem Wachstumspotenzial konzentrieren. Dazu gehören die Ausbildungsgänge Industriemechanik, Metallbearbeitung, Mechatronik und Industrieelektronik/-elektrotechnik.

Neben der Berufsausbildung auf internationalem Standard soll das Zentrum zukünftig weitere Aufgaben erfüllen. Dazu gehören die Weiterbildung von Lehr- und Managementpersonal anderer Berufsbildungseinrichtungen sowie von Fachkräften der Industrie, die regionale und die in­ter­natio­nale Vernetzung in der Berufsbildung, die Erprobung neuer Ausbildungsgänge sowie die Prüfung und Zertifizierung nach internationalem Standard.

Fachkräfte der technischen Zu­sam­men­ar­beit beraten und bilden das Personal des Zentrums fort. In enger Verzahnung dazu wird auch hier die Anschaffung von technischer Ausrüstung durch die finanzielle Zu­sam­men­ar­beit gefördert.


Komponente 4:
Aus- und Weiterbildung von Fachkräften im Abwassersektor in Vietnam

In einer ausgewählten Berufsbildungseinrichtung sollen die Voraussetzungen für eine bedarfsorientierte Ausbildung im Abwassersektor geschaffen werden. Denn für Betrieb und Wartung von Abwasseranlagen im Land fehlt das tech­nische Personal. Um die Bedarfsorientierung der Ausbildung zu ge­währ­leisten, wird ein kooperativer Ansatz verwendet: Die Bildungsangebote werden von der Piloteinrichtung gemeinsam mit dem Abwasserverband und einzelnen Unternehmen entwickelt.

Mit deutscher Un­ter­stüt­zung werden die Partner befähigt, Berufsstandards zu definieren und entsprechende Aus- und Fortbildungsgänge zu entwickeln. Das Lehrpersonal der ausgewählten Bildungseinrichtung und die Ausbilder der ko­ope­rieren­den Unter­nehmen werden in die Lage versetzt, bedarfsorientierte Aus­bildung in Abwasserberufen anzubieten. Durch die kontinuierliche Beratung aller Partner werden beispielhafte Dialogstrukturen aufgebaut.

Die Komponente befindet sich in ihrer Anfangsphase.


Projektdaten

Deutscher Beitrag:
38,5 Millionen Euro (15 Millionen Euro technische Zusammenarbeit,
23,5 Millionen Euro finanzielle Zusammenarbeit)

Geplante Laufzeit:
2010 bis 2014 (Verlängerung bis 2018 vorgesehen)


Lexikon der Entwicklungspolitik

Fenster schließen

 

Seite teilen