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Berufliche Bildung

Akteure, Kooperationen und Instrumente

Im Girls Vocational Training Institute in Accra, Ghana, werden Mädchen in Elektrotechnik ausgebildet.

Internationale Berufsbildungszusammenarbeit der Bundesregierung

Neben dem Bundesentwicklungsministerium (BMZ) engagieren sich insbesondere das Auswärtige Amt, das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und das Bundesministerium für Bildung und Forschung in der internationalen Zusammenarbeit zur beruflichen Bildung. Den Rahmen für das gemeinsame Engagement der Ministerien setzt das "Strategiepapier der Bundesregierung für internationale Berufsbildungszusammenarbeit aus einer Hand" von 2013. Die Zentralstelle der Bundesregierung für die internationale Berufsbildungszusammenarbeit (GOVET) dient Interessentinnen und Interessenten aus dem In- und Ausland als Anlaufstelle zu Themen der deutschen Berufsbildung und der internationalen Zusammenarbeit in diesem Bereich.

GOVET ist darüber hinaus die Geschäftsstelle des "Runden Tisches für Internationale Berufsbildungszusammenarbeit" auf Arbeits-, Ressort- und Staatssekretärsebene. Diese Gremien bringen Vertreterinnen und Vertreter der Bundesministerien, der Bundesländer, der Zivilgesellschaft und der Wirtschaftsverbände zusammen. Die Runden Tische dienen dem Informations- und Fachaustausch zu Projekten und aktuellen Themen der internationalen Berufsbildungszusammenarbeit.

Das BMZ bringt seine entwicklungspolitischen Erfahrungen an den Runden Tischen ein und fördert die Zentralstelle personell und finanziell. Es leistet dadurch einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung der Strategie der Bundesregierung. Im März 2017 zogen alle Beteiligten im Rahmen einer Konferenz Bilanz über die bisherige deutsche Berufsbildungszusammenarbeit.


Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft

Ausbildung in einem Textilbetrieb in Marokko

Die Privatwirtschaft ist ein wichtiger Partner der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Mit dem Programm develoPPP.de stellt das BMZ Unternehmen, die in Entwicklungs- und Schwellenländern investieren, finanzielle und auf Wunsch auch fachliche Unterstützung zur Verfügung. Viele Entwicklungspartnerschaften mit der Wirtschaft tragen mit praxisorientierten beruflichen Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen zur Qualifizierung von Fachkräften in den Partnerländern bei.

Seit 2011 unterstützt das BMZ "Berufsbildungspartnerschaften mit der deutschen Wirtschaft". Dabei bringen deutsche Kammern und Verbände sowie deren Berufsbildungszentren und Aus- und Weiterbildungsträger ihr Know-how gezielt in Vorhaben der Entwicklungszusammenarbeit ein. Damit wird die berufliche Aus- und Weiterbildung noch nachfrage- und praxisorientierter gestaltet und ein Erfahrungsaustausch zwischen gleichartigen Partnern ermöglicht. Im Jahr 2017 fördert das BMZ 34 Berufsbildungspartnerschaften, weitere sind geplant.

Darüber hinaus fördert das BMZ die Entsendung von sogenannten EZ-Scouts in Kammern, Verbände und einzelne Betriebe. Die EZ-Scouts unterstützen dabei, die passenden Formen der Kooperation mit Einrichtungen der Entwicklungszusammenarbeit zu finden.


Beispiel: Berufsbildungspartnerschaft in Südafrika

Zur Verbesserung der Berufsausbildung in Südafrika unterstützt das BMZ seit November 2015 die Berufsbildungspartnerschaft zwischen der Kreishandwerkerschaft Steinfurt-Warendorf und dem uMfolozi College in Richards Bay. Experten der Kreishandwerkerschaft beraten die südafrikanische Berufsschule dabei, Ausbildungsgänge zu modernisieren und praxisnäher – und damit stärker am tatsächlichen Bedarf der Unternehmen orientiert – zu gestalten. Dadurch erhöhen sich die Beschäftigungschancen von Absolventen der Berufsschule.

Pilothaft werden duale Berufsbildungsansätze in den Berufen Maurer, Zimmerer sowie Anlagenmechaniker in der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik eingeführt. Hierzu arbeitet die Berufsschule auch erstmals eng mit der Privatwirtschaft zusammen und ist in einen formalisierten Dialog mit zwei Industrie- und Handelskammern der Region KwaZulu-Natal getreten. Dadurch konnte die Bereitschaft von Unternehmen gesteigert werden, betriebliche Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen. Zusätzlich wurde mithilfe des Partnerschaftsprojekts ein Gründerzentrum am College eingerichtet, das Absolventen Wege in die Selbstständigkeit aufzeigt.


Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft

Ausbildung zum Tischler in der Berufsschule Young Africa Beira in Mosambik. Alle Young-Africa-Schulen sind Nichtregierungsorganisationen, die von einer internationalen Stiftung unterstützt werden.

In der deutschen Zivilgesellschaft engagieren sich vor allem Kirchen und Nichtregierungsorganisationen (NRO) stark im Bereich der beruflichen Bildung. In vielen Kooperationsländern haben sie funktionierende Strukturen der Aus- und Weiterbildung geschaffen – immer in enger Zusammenarbeit mit kirchlichen Institutionen und NROs vor Ort. 2016 unterstützte das BMZ diese Aktivitäten mit Zuschüssen in Höhe von fast 20 Millionen Euro.

Um den Austausch mit allen Akteuren der entwicklungspolitischen Berufsbildungsförderung zu intensivieren, hat das BMZ 2011 das "Team Berufliche Bildung" ins Leben gerufen. Ihm gehören Vertreterinnen und Vertreter der Durchführungsorganisationen, der Zivilgesellschaft, der Kirchen, der Politik und der Wirtschaft an.


Beispiel: Zusammenarbeit mit Don Bosco Mondo in Indien

Im Rahmen der Förderung von Projekten privater deutscher Träger unterstützt das BMZ den Verein Don Bosco Mondo bei der Ausbildung von armen und benachteiligten Jugendlichen am Don Bosco Technical Institute in Delhi. Schulabbrechern und arbeitslosen Jugendlichen aus Nordindien wird der Zugang zu einer hochwertigen Ausbildung im technischen Sektor mit den Schwerpunkten computergestützte Produktion und Qualitätssicherung ermöglicht. Damit sind sie für den lokalen Arbeitsmarkt qualifiziert und haben gute Chancen, einen hinsichtlich Einkommen und Karriere attraktiven Arbeitsplatz zu finden und sich aus der Armut zu befreien.


Zusammenarbeit mit multilateralen Organisationen

Eine Berufsschülerin in Indonesien übt an einer Maschine.

Die deutsche Entwicklungspolitik in der beruflichen Bildung ist in verschiedene internationale Vereinbarungen und Verpflichtungen eingebettet. Dazu zählt insbesondere die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung. Um die deutsche Position in internationale Prozesse und Verhandlungen einzubringen, beteiligt sich die Bundesrepublik an der Globalen Partnerschaft für Bildung (Global Partnership for Education, GPE). Ihr haben sich zahlreiche Entwicklungsländer, Geberländer, Entwicklungs- und Nichtregierungsorganisationen, Wirtschaftsunternehmen und private Stiftungen angeschlossen.

Das BMZ engagiert sich in Gremien der EU, der OECD, der G7 und der G20, die sich mit der Förderung beruflicher Bildung befassen. Auf Initiative Deutschlands haben sich die G7-Staaten bei ihrem Gipfel 2015 in Elmau verpflichtet, bis 2030 ein Drittel mehr Frauen und Mädchen in Entwicklungsländern durch berufliche Bildung zu fördern. Mit ihrer Initiative "Economic Empowerment of Women" will die G7 die wirtschaftliche Teilhabe von Frauen und die Gleichberechtigung der Geschlechter fördern.

Im Rahmen der deutschen G20-Präsidentschaft fand am 12. und 13. Juni 2017 die G20-Afrika-Partnerschaftskonferenz in Berlin statt. Unter anderem diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Privatwirtschaft, Wissenschaft sowie von internationalen Organisationen über die Bedeutung von praxisorientierter beruflicher Bildung für die Entwicklung der afrikanischen Wirtschaft. Das Forum bestätigte, dass die Förderung beruflicher Bildung eine lohnende Investition für den Aufbau einer nachhaltigen Wirtschaft und für eine stabile Gesellschaft in Afrika ist.

Fachliche Beziehungen pflegt das BMZ darüber hinaus mit der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), der UN-Bildungsorganisation UNESCO sowie ihrem Berufsbildungszentrum UNESCO-UNEVOC, der Europäischen Kommission, der European Training Foundation (ETF) und anderen bilateralen Gebern.

Das BMZ arbeitet außerdem im Bereich der beruflichen Bildung mit regionalen Entwicklungsbanken zusammen. Im Mai 2016 unterzeichneten der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel und der Präsident der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB), Takehiko Nakao, eine gemeinsame Absichtserklärung zur Förderung beruflicher Bildung. Zur Umsetzung der Absichtserklärung stieß das BMZ die Initiative "Build4Skills/Digital TVET Tender" an.


Beispiel: Build4Skills/Digital TVET Tender

Ziel der Initiative ist es, Ausbildung als festen Bestandteil in Ausschreibungsprozesse von Entwicklungsbanken zu integrieren. Junge Menschen sollen im Rahmen von Infrastrukturvorhaben die Möglichkeit zur praxisorientierten Ausbildung erhalten. Dies soll ihnen einen besseren Zugang zum Arbeitsmarkt oder sogar die Gründung eines eigenen Betriebs ermöglichen.

Auf diese Weise werden Perspektiven für junge Menschen vor Ort geschaffen und es wird ein Beitrag zu nachhaltigem Wachstum und zur Reduzierung von Ungleichheit geleistet. Die Wirksamkeit der Entwicklungsfinanzierung kann erhöht werden, da jeder investierte Euro zweifach genutzt wird: für die Infrastruktur und für die Berufsbildung. Die Konzeption dieser Initiative sieht den Aufbau und die Nutzung einer digitalen Plattform zur arbeitsmarktorientierten Gestaltung der Berufsbildung in den Partnerländern vor.

Im April 2017 unterzeichneten der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel und der Präsident der Interamerikanischen Entwicklungsbank (IDB), Luis Alberto Moreno, ebenfalls eine gemeinsame Absichtserklärung zur verstärkten Zusammenarbeit im Bereich der beruflichen Bildung. Beide Seiten vereinbarten unter anderem die pilothafte Umsetzung der BMZ-Initiative Build4Skills/Digital TVET Tender. Der Initiative haben sich außerdem die KfW und weitere Pilotländer angeschlossen.


Geberkomitee für duale Berufsbildung

Das internationale Interesse an dualer Berufsbildung hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Um die Erfahrungen und Fachkenntnisse in diesem Bereich noch besser nutzen zu können, haben Deutschland, Liechtenstein, Österreich und die Schweiz 2016 das Geberkomitee für duale Berufsbildung (Donor Committee for dual Vocational Education and Training, DC dVET) ins Leben gerufen. Das BMZ setzt sich zusammen mit den anderen Mitgliedern für eine effektivere Arbeitsteilung und fachliche Zusammenarbeit bei der entwicklungspolitischen Förderung der dualen beruflichen Bildung ein.


Die EU als Partner des BMZ

In einem Flüchtlingslager in der autonomen Region Kurdistan-Irak werden Flüchtlinge im Schweißen ausgebildet.

Die Europäische Union (EU) und das BMZ betrachten eine bessere berufliche Bildung junger Menschen, insbesondere für Mädchen und Frauen, als eine zentrale Voraussetzung für Beschäftigung und gesellschaftliche Teilhabe. Unter anderem unterstützen die EU und die Bundesregierung gemeinsam die Nachbarländer Syriens bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise.

So finanzieren EU und BMZ gemeinsam das Vorhaben "Qudra – Stärkung der Resilienz in flüchtlingsaufnehmenden Nachbarländern in der Syrienkrise" (Qudra = arabisch: Kraft, Leistungsfähigkeit). Es bündelt deutsches, französisches und spanisches Know-how der Entwicklungszusammenarbeit, um gemeinsame europäische Lösungsansätze in der Region zu entwickeln.

Das Qudra-Team arbeitet mit Flüchtlingen und Binnenvertriebenen sowie aufnehmenden Gemeinden im Irak, Jordanien, dem Libanon und der Türkei zusammen. Das breit angelegte Programm umfasst neben berufsnaher Qualifizierung den Aufbau von Infrastruktur wie Schulen, die Stärkung des sozialen Zusammenhalts, die Unterstützung lokaler Verwaltungen und die Förderung des überregionalen Dialogs zwischen Flüchtlingen und aufnehmenden Gemeinden.


Weitere Informationen

Lexikon der Entwicklungspolitik

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