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Berufliche Bildung

Qualifizierte Fachkräfte für nachhaltige Entwicklung

Ausbildung von Maschinenschlossern am Mechanical Institute in Kabul, Afghanistan

Der Zugang aller Menschen zu hochwertiger und umfassender Bildung ist seit Langem ein wichtiges Anliegen der internationalen Entwicklungspolitik. Gemäß dem Prinzip "leave no one behind" ("niemanden zurücklassen") der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen möchte auch die deutsche Entwicklungszusammenarbeit Armen und Benachteiligten Bildungschancen eröffnen.

Die berufliche Bildung leistet einen Beitrag zur Erreichung aller 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) und fördert damit eine ökonomisch, sozial und ökologisch nachhaltige Lebensweise. Ganz konkret haben folgende Entwicklungsziele einen Bezug zur beruflichen Bildung:

  • SDG​ 4: "Inklusive, gleichberechtigte und hochwertige Bildung gewährleisten und Möglichkeiten lebenslangen Lernens für alle fördern"
  • ​SDG 5: "Geschlechtergleichstellung erreichen und alle Frauen und Mädchen zur Selbstbestimmung befähigen"
  • ​SDG 8: "Dauerhaftes, breitenwirksames und nachhaltiges Wirtschaftswachstum, produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit für alle fördern"

Weg aus der Armut

Wenn Menschen besser (aus-)gebildet sind, haben sie bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt, kommen leichter in Beschäftigung, schaffen selbst Arbeitsplätze und können damit ihr Einkommen erhöhen. Menschen finden so aus eigener Kraft einen Weg aus der Armut und können ein menschenwürdiges Leben führen. Berufliche Bildung ist der Grundpfeiler für eine nachhaltige und zukunftsfähige wirtschaftliche Entwicklung. Mit der Verfügbarkeit von qualifizierten Fachkräften steigt die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. Damit werden die Voraussetzungen für ein Wirtschaftswachstum verbessert, das allen Bevölkerungsgruppen zugutekommt.

Doch berufliche Aus- und Weiterbildung ist noch mehr: Sie trägt zur persönlichen Entwicklung von Menschen bei. Berufliche Bildung eröffnet Chancen auf die Sicherung des Lebensunterhalts und schafft Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Sie ist Grundlage für eine selbstbewusste und aktive Teilhabe aller Bevölkerungsgruppen am gesellschaftlichen Leben. So fördert sie den sozialen Zusammenhalt in einer Gesellschaft – nicht nur in Entwicklungsländern und Schwellenländern, sondern überall auf der Welt.


Situation in Entwicklungs- und Schwellenländern

Ausbildung zum Tischler in einer Berufsschule in Beira, Mosambik

Ihre positiven Effekte kann berufliche Bildung nur entfalten, wenn sie den Anforderungen der Gesellschaft und des lokalen Arbeitsmarkts entspricht. Das ist in vielen Kooperationsländern der deutschen Entwicklungszusammenarbeit noch nicht der Fall: Ausbildungsgänge orientieren sich oft nicht genug an der beruflichen Wirklichkeit. Arbeitgeber beklagen den mangelnden Praxisbezug der formalen beruflichen Bildung. Abschlüsse sind gesellschaftlich häufig nicht hoch angesehen.

Es fehlen Berufsschulen und die vorhandenen sind schlecht ausgestattet, viele Lehrpläne sind veraltet. Das Lehr- und Ausbildungspersonal ist weder praxisorientiert ausgebildet, noch wird es angemessen bezahlt. Meist sind die Berufsbildungssysteme in den Kooperationsländern stark unterfinanziert. Die informelle Wirtschaft wird in die Ausbildung nur selten einbezogen, obwohl sie in vielen Ländern der Mehrheit der Beschäftigten Arbeit bietet.

Eine Herausforderung ist für viele Entwicklungsländer das starke Bevölkerungswachstum, dem die überlasteten (Berufs-)Bildungssysteme nicht gewachsen sind. Die Folge ist eine hohe Arbeitslosigkeit, vor allem unter Jugendlichen. Obwohl die Wirtschaft in vielen dieser Länder beachtlich wächst, steigt die Zahl der Arbeitsplätze nicht entsprechend. Zugleich können vorhandene Arbeitsplätze oft nicht besetzt werden, weil es nicht genügend qualifizierte Fachkräfte gibt. Breite Teile der Bevölkerung können daher nicht am Wachstum teilhaben.

Die daraus folgende Perspektivlosigkeit – vor allem der jungen Generation – gefährdet in vielen Ländern zunehmend den sozialen Frieden, bildet einen Nährboden für innerstaatliche Konflikte und erhöht den Migrationsdruck. Fehlende Ausbildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten bewegen Menschen dazu, auf der Suche nach Arbeit aus ländlichen, wirtschaftlich benachteiligten Regionen in urbane Ballungsräume zu ziehen. Dies schwächt den ländlichen Raum und nicht selten werden die Hoffnungen bitter enttäuscht. Viele Migrantinnen und Migranten enden in den Slums völlig überlaufener Megacities, in denen das Leben durch Armut und Ausbeutung geprägt ist. Perspektivlosigkeit auf dem Arbeitsmarkt veranlasst Menschen auch, ihre Heimat zu verlassen. Länder verlieren dann ihre wichtigste Ressource – ihr sogenanntes Humankapital.


Das deutsche Engagement

Übersicht über die Kooperationsländer mit Berufsbildungsmaßnahmen in der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit
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Übersicht über die Kooperationsländer mit Berufsbildungsmaßnahmen in der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit folgt dem Leitbild des lebenslangen Lernens. Es umfasst alle Lernphasen und Lerngelegenheiten: von der frühkindlichen Bildung bis zur Hochschul- und Erwachsenenbildung. Berufliche Bildung ist ein entscheidender Teil davon. Die vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) angestrebte ganzheitliche Bildungsförderung stellt den Menschen in den Mittelpunkt. Sie berücksichtigt nicht nur einzelne Bildungsbereiche, sondern bezieht das ganze Bildungssystem mit ein.

Die Bildungsstrategie des BMZ enthält als eines von zehn Zielen die Vorgabe, die berufliche Bildung weiter auszubauen. Das soll aber nicht isoliert geschehen, sondern im Zusammenspiel mit anderen Maßnahmen im Schwerpunkt Bildung sowie anderen Schwerpunkten wie zum Beispiel der nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung, dem Umwelt- und Ressourcenschutz, der Gesundheit, den erneuerbaren Energien und der ländlichen Entwicklung.

Der beruflichen Bildung wird in der deutschen Entwicklungspolitik eine zunehmende Bedeutung beigemessen. Dies spiegelt sich auch in der Höhe der Zusagen wider: Zwischen 2010 und 2016 wurden die Mittel für Berufsbildungsvorhaben mehr als verdreifacht – von 56 Millionen Euro auf 190 Millionen Euro. Für 2017 sind Zusagen in Höhe von 192 Millionen Euro geplant. Auf Initiative von Bundesminister Gerd Müller wird die berufliche Bildung seit 2016 als Thema in der entwicklungspolitischen Kooperation mit in allen Partnerländern verankert und das Engagement des BMZ weiter verstärkt.

Die Bundesrepublik ist damit der mit Abstand größte Geber für die Förderung der beruflichen Bildung. Die eingesetzten deutschen Mittel überstiegen in den vergangenen Jahren sogar die entsprechenden Beiträge der EU-Kommission und der Weltbank.


Flucht und Migration

Junge Flüchtlinge im Informationszentrum der Internationalen Organisation für Migration (IOM) in Agadez, Niger

Kriege und Gewaltkonflikte haben Millionen von Menschen zu Flüchtlingen gemacht. Weltweit sind gegenwärtig mehr als 65 Millionen Menschen auf der Flucht. Mehr als 80 Prozent von ihnen finden Aufnahme in Entwicklungsländern. 2016 kamen mehr als 50 Prozent der Flüchtlinge weltweit aus nur drei Ländern: Syrien, Afghanistan und Südsudan.

Zielsetzung der deutschen Entwicklungszusammenarbeit im Kontext von Flucht und Migration ist es, durch berufliche Bildung und Qualifizierung

  • ​den Auswanderungsdruck zu mindern,
  • gleichzeitig eine freiwillige, sichere und geregelte Migration zu fördern sowie
  • dafür zu sensibilisieren, welche Potenziale die berufliche Bildung und Qualifizierung von Flüchtlingen und Binnenvertriebenen den nationalen Volkswirtschaften bietet.

Berufliches Know-how ist nicht an einen Ort gebunden. Es ist ein Gut, das bleibt – auf der Flucht und bei Rückkehr in die Heimat. So werden berufliche Fähigkeiten dringend gebraucht, um nach dem Ende eines Konflikts einen Beitrag zum Wiederaufbau des Landes und seiner Volkswirtschaft leisten zu können.

Die Akzeptanz der Bevölkerung in den Aufnahmegesellschaften ist der Schlüssel für die (temporäre) Integration von Flüchtlingen und Binnenvertriebenen. Ressourcen oder Dienstleistungen, etwa in den Bereichen Bildung, berufliche Bildung und Beschäftigung, Gesundheitsversorgung und Wohnraum, sind in einigen Aufnahmeländern knapp. Um soziale Spannungen zu mindern – oder besser noch: zu vermeiden – ist eine Einbindung der lokalen Bevölkerung in die Qualifizierungsprogramme unabdingbar.


Beispiel: Berufliche Bildung im Wassersektor in Jordanien

Im Berufsbildungszentrum der Stadt Mafraq in Jordanien werden Frauen zu Klempnerinnen ausgebildet.

Seit Beginn des Bürgerkriegs in Syrien haben die Nachbarländer eine große Zahl an Flüchtlingen aufgenommen. Für diese Länder ist es eine enorme Herausforderung, die zusätzliche Versorgung für Millionen Menschen sicherzustellen. Eine Unterversorgung mit Wasser kann zum Beispiel humanitäre Notlagen erzeugen und zu Seuchen führen. Der Druck auf die ohnehin begrenzten Wasservorkommen wird durch technische Mängel und Schwächen in der Verwaltung zusätzlich erhöht.

Das BMZ-Vorhaben "Unterstützung jordanischer Gemeinden bei der syrischen Flüchtlingsproblematik durch Klempnerausbildung (Water Wise Plumbers)" unterstützt die Ausbildung von Klempnerinnen und Klempnern, darunter auch syrische Flüchtlinge. Es trägt dazu bei, Wasserverluste in privaten Haushalten einzudämmen und so zukünftigem Wassermangel vorbeugen. Damit leistet die deutsche Entwicklungszusammenarbeit einen Beitrag zur nachhaltigen Verbesserung und Stabilisierung der Lebensverhältnisse in den jordanischen Gemeinden, die Flüchtlinge aufnehmen: Es werden sowohl für die jordanische Bevölkerung als auch für syrische Flüchtlinge Berufs- und Beschäftigungsperspektiven geschaffen. Die Geflüchteten profitieren davon nicht nur im Gastland, sondern auch, wenn sie später in ihr Heimatland zurückkehren können.


Förderung von Frauen und Mädchen

Berufsschülerin in Vietnam bei praktischen Übungen an einem Schaltsystem

Weltweit ist der Anteil von Frauen auf dem Arbeitsmarkt deutlich geringer als der von Männern.

Auf Initiative Deutschlands haben sich die G7-Staaten bei ihrem Gipfel 2015 in Elmau verpflichtet, bis 2030 ein Drittel mehr Frauen und Mädchen in Entwicklungsländern durch berufliche Bildung zu fördern. Mit ihrer Initiative "Economic Empowerment of Women" will die G7 die wirtschaftliche Teilhabe von Frauen und die Gleichberechtigung der Geschlechter fördern.

Das BMZ unterstützt seine Partnerländer dabei, ihre Berufsbildungs- und Arbeitsmarktpolitik so zu gestalten, dass sie die berufliche Ausbildung von Mädchen und Frauen fördert und ihre Beschäftigungschancen verbessert.

Für die berufliche Qualifizierung von Mädchen und Frauen bietet die Digitalisierung besondere Chancen. Daher fördert das BMZ digitale Kompetenzen speziell von Mädchen und Frauen in Entwicklungsländern sowie deren Zugang zu digitalen Technologien. So wurde zum Beispiel im Rahmen der G20 die Initiative "eSkills4Girls" ins Leben gerufen und eine Deklaration der G20-Digitalminister zur Vermittlung digitaler Fähigkeiten in der Berufsbildung verabschiedet.

Mit der Formulierung von Eckpunkten für einen Marshallplan mit Afrika hat das BMZ der Diskussion über die künftige Zusammenarbeit mit dem Kontinent einen gewichtigen Impuls gegeben. Mit mehr als 100 Vorschlägen und Reformideen für eine kohärente Politik in den Bereichen Wirtschaft, Stabilität, Handel und Sicherheit möchte das BMZ zu einem wirtschaftlich erfolgreichen und friedlichen Afrika beitragen, dessen Entwicklung von den Potenzialen der eigenen Bevölkerung vorangetrieben wird.

Berufsbildung ist auch hier ein Querschnittsthema. Das Durchschnittsalter auf dem Kontinent beträgt 18 Jahre. Bald werden mehr als zwei Milliarden Menschen in Afrika leben. Künftig werden jedes Jahr 20 Millionen neue Arbeitsstellen benötigt – in Städten und in ländlichen Gebieten. Die Entwicklung wirtschaftlicher Strukturen und die Schaffung neuer Arbeitsplätze und arbeitsmarktorientierter Ausbildungsangebote sind maßgebliche Herausforderungen, um Afrikas Jugend eine Zukunft zu ermöglichen. Eine stärkere Unterstützung von Frauen und Mädchen ist dabei zentral.

Eine Reihe von Initiativen und Programmen sind schon auf den Weg gebracht: Mit der Afrikanischen Union hat das BMZ die "Skills Initiative for Africa" gestartet. Sie soll zu einer verbesserten Berufsausbildung, insbesondere für Mädchen und Frauen, in Kamerun, Kenia, Nigeria, Südafrika und Tunesien beitragen.


Beispiel: Qualifizierung von Frauen in Subsahara-Afrika

Frauen bei der Feldarbeit in Burkina Faso

In den afrikanischen Staaten südlich der Sahara produzieren Frauen rund 80 Prozent der Lebensmittel und sie repräsentieren knapp 50 Prozent der Arbeitskräfte in der Land- und Nahrungsmittelwirtschaft. Ein Großteil von ihnen arbeitet ohne Lohn und zur Selbstversorgung in unsicheren Beschäftigungsverhältnissen. Eine anerkannte Aus- oder Weiterbildung und der Erwerb unternehmerischer Kompetenzen bieten ihnen daher die Chance auf ein selbstbestimmtes Leben.

Mit dem Vorhaben "Qualifizierung von Frauen im Agrar- und Ernährungssektor in Afrika" trägt das BMZ zusammen mit der Afrikanischen Union (AU) und der New Partnership for Africas Development (NEPAD) dazu bei, die Beschäftigung junger Menschen zu verbessern und insbesondere die Einkommen von Frauen zu erhöhen. Dazu unterstützt das BMZ-Vorhaben in Benin, Burkina Faso, Ghana, Kenia, Malawi und Togo die Verbesserung von beruflichen Aus- und Weiterbildungsangeboten für Frauen und Mädchen.


Sonderinitiativen

Mit der Sonderinitiative "Stabilisierung und Entwicklung in Nordafrika und Nahost" und der Sonderinitiative "Fluchtursachen bekämpfen, Aufnahmeregionen stabilisieren, Flüchtlinge und Binnenvertriebene unterstützen" reagiert das BMZ auf die zunehmende Bedeutung der beruflichen Qualifizierung von Flüchtlingen und Binnenvertriebenen.

Mit der Sonderinitiative "Eine Welt ohne Hunger" unterstützt das BMZ den Aufbau von 14 Grünen Innovationszentren in der Agrar-und Ernährungswirtschaft (13 Zentren in afrikanischen Ländern und ein Zentrum in Indien). Über Maßnahmen der beruflichen Qualifizierung tragen die Zentren zur Einkommenssteigerung von kleinbäuerlichen Betrieben bei. Die Aktivitäten umfassen Aus- und Fortbildungsangebote für Produzenten, Dienstleister und Unternehmen zu Anbaumethoden, Viehhaltung und Wassermanagement. Weitere Aktivitäten sind die Entwicklung und Aktualisierung von Ausbildungsmaterial für Landwirtschaftsschulen und die Qualifikation von Ausbildungspersonal.


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