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Bevölkerungsdynamik

Engagement in fast allen Bereichen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit


Internationaler Dialog zu Bevölkerung und nachhaltiger Entwicklung 2012: Sivananthi Thanenthiran vom Asia Pacific Resource and Research Centre for Women Malaysia (ARROW) spricht über Bevölkerungsdynamik im 21. Jahrhundert.

In fast allen Sektoren der deutschen Ent­wick­lungs­zusam­men­ar­beit werden bereits Maß­nahmen durch­geführt, die die Bevölkerungs­dynamik eines Landes direkt oder indirekt berühren. Zum einen setzen sie an den Ursachen bestimmter demo­grafischer Trends an. Zum anderen unter­stützen sie die Menschen dabei, sich an diese Trends anzupassen und auf damit verbundene wirt­schaft­liche und gesell­schaft­liche Probleme zu reagieren.

Leitbild für die deutsche Ent­wick­lungs­po­li­tik im Bereich Bevölkerungs­dynamik ist das Aktions­programm der Welt­bevölkerungs­konferenz, die 1994 in Kairo stattfand. Es formuliert klare Ziele für eine nach­hal­tige, menschen­rechts­basierte und gender­sensitive Politik im Bereich Bevölkerung und Ent­wick­lung und versteht sexuelle und repro­duktive Gesund­heit als selbst­bestimmtes Recht.

Schwerpunkt sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte

Um einen Beitrag zu einer nachhaltigen Bevölkerungspolitik in den Kooperationsländern zu leisten, fördert die Bundesregierung bisher insbesondere Programme zum Thema sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte (SRGR). Im Zuge des G8-Gipfels 2010 im kanadischen Muskoka wurde der deutsche Beitrag zu den Millenniumsentwicklungszielen 4 (Senkung der Kindersterblichkeit) und 5 (Verbesserung der Gesundheit von Müttern) finanziell und programmatisch ausgedehnt.

Mit der im Mai 2011 veröffentlichten Initiative "Selbstbestimmte Familienplanung und Müttergesundheit" setzt sich das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) zudem gezielt für das Recht aller Menschen ein, selbst zu entscheiden, wann und in welchen Abständen sie Kinder haben wollen und wie viele es sein sollen. Die Programme im Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit und Rechte werden häufig mit Bildungsmaßnahmen verbunden.

Im Rahmen der Initiative konnte zum Beispiel die Position einer beigeordneten Sachverständigen beim Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) in Bangladesch besetzt werden. Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Verbesserung der Hebammenausbildung.


Folgen von Bevölkerungsdynamik berücksichtigen

Tröpfchenbewässerung auf einem Feld in Äthiopien.

Die Auseinandersetzung mit den Folgen der Bevölkerungsdynamik betrifft nahezu alle Bereiche der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Bevölkerungsdynamik verschärft Problemlagen durch eine wachsende Zahl von Nutzern und eine veränderte geografische Verteilung. Deutsche Vorhaben sind unter anderem darauf ausgerichtet, benachteiligten und armen Bevölkerungsgruppen Zugang zu sozialen Diensten, Nahrung, natürlichen Ressourcen und Energie zu eröffnen und zu erhalten.

So beinhalten unter anderem Programme in Sektoren wie Wasser, Landwirtschaft und Ressourcenschutz Maßnahmen zur Anpassung an die jeweilige Bevölkerungsentwicklung. Auch im Rahmen von Vorhaben zu Migration, Stadtentwicklung und sozialer Sicherung werden Aspekte der Bevölkerungsdynamik berücksichtigt.


Neuausrichtung der deutschen Entwicklungs­zusammen­arbeit

Bevölkerungs­dynamik erfordert von den Programmen der deutschen Ent­wick­lungs­zusam­men­ar­beit eine Anpassungs- und Kooperations­leistung, die über das bisherige En­gage­ment hinaus­geht. Das bedeutet vor allem, die Aktivitäten in ausgewählten Bereichen zu verstärken sowie Bevölkerungs­dynamik stärker als sektor­über­greifendes Thema zu verstehen und umzusetzen.

Anlässlich des Welt­bevölkerungs­tages am 11. Juli 2013 hat das BMZ ein Positions­papier zu "Bevölkerungs­dynamik in der deutschen Ent­wick­lungs­zusam­men­ar­beit" ver­öffent­licht, das drei vorrangige Handlungs­felder beschreibt:

  • Bevölkerungsdynamik im inter­natio­nalen und nationalen Politik­dialog verankern
  • Datenbasierte Entwicklung
  • Strategische Ausrichtung auf die Zielgruppe der Jugendlichen

Politikdialog

Internationaler Dialog zu Bevölkerung und nachhaltiger Entwicklung 2012: Die pakistanische Gesundheitsexpertin Dr. Anisa Afrida diskutiert mit Horst Matthäus, Programmmanager und Governance-Berater in Bhaktapur, Nepal, über das Thema Geschlechtergerechtigkeit.

Das Bundesentwicklungsministerium engagiert sich bereits intensiv und erfolgreich dafür, das Thema Bevölkerungsdynamik international auf die politische Tagesordnung zu setzen. Unter anderem hat sich das BMZ bei den Verhandlungen zur neuen Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung für eine stärkere Berücksichtigung des Themas eingesetzt.

Im Dialog mit den Kooperationsländern will das Entwicklungsministerium die Bedeutung von Bevölkerungsdynamik sowie sexueller und reproduktiver Gesundheit und Rechte noch nachdrücklicher hervorheben. So soll erreicht werden, dass sich die Entwicklungsländer diesen Themen stärker widmen und sich gemeinsam mit Deutschland aktiv in der internationalen Diskussion positionieren.

Gemeinsam mit Partnern richtet das BMZ den Internationalen Dialog zu Bevölkerung und nachhaltiger Entwicklung aus – eine Netzwerkveranstaltung, die weltweit Beachtung findet. In den vergangenen zehn Jahren haben mehr als 1.000 Fachleute aus über 50 Ländern an der Veranstaltungsreihe teilgenommen und die Chancen und Herausforderungen der Bevölkerungsdynamik aus unterschiedlichen Perspektiven diskutiert.


Datenbasierte Ent­wick­lung

Mit umfassenden und verlässlichen Bevölkerungs­statistiken und -analysen können Regierungen nationale Strategien und Dienst­leis­tun­gen genauer planen, Prioritäten bedarfs­gerecht setzen und Politik steuern. Das BMZ wird daher Grund­lagen schaffen, damit demo­grafische Daten, Analysen und Projektionen in den Kooperations­ländern und in Vorhaben der deutschen Ent­wick­lungs­zusammen­arbeit verstärkt genutzt werden können. Die Daten sollen in die Bedarfs­planung, die Umsetzung und ins Monitoring einfließen.

2013 hat das BMZ über den Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) die erste Volkszählung seit 30 Jahren in Myanmar unterstützt. Die Informationen über die Bevölkerungsentwicklung sollen für die Entwicklungsplanung des Landes genutzt werden.


Jugendliche als Zielgruppe

Schüler in einer Berufsschule in Luang Namtha, Laos.

Eine stärkere strategische Ausrichtung der Ent­wick­lungs­zusam­men­ar­beit auf die Ziel­gruppe der Jugendlichen wird in ausgesuchten Kooperations­ländern erprobt. Wichtige Handlungs­felder sind dabei Gesundheit, Beschäftigung und Bildung. Es ist bereits abzusehen, dass neben diesen Schwer­punkten noch weitere Themen an Bedeutung gewinnen werden. Dazu gehören Migration und der Anstieg der städtischen Bevölkerung, das Wechsel­spiel zwischen Bevölkerungs­dynamik, Umwelt und Klima­wandel und die Vorbereitung auf die anstehende Alterung vormals junger Gesell­schaften.


Lexikon der Entwicklungspolitik

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