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Menschenrechte

Inklusion von Menschen mit
Behinderung – Grundsatz der deutschen Entwicklungspolitik


Gehbehinderte Jungen in einem Krankenhaus in Daressalam. Tansania

Menschen mit Behinderungen konnten in der Ver­gan­gen­heit nicht immer von Vor­haben der Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit profitieren. Ein Grund dafür ist, dass sie oft zu den Ärmsten der Armen gehören, die generell schwierig zu erreichen sind. Ein weiterer Grund liegt in ihrer gesell­schaft­lichen Aus­gren­zung, die dazu führt, dass sie auch bei Ent­wick­lungs­projekten ins Abseits geraten können. Nur wenn ihre Rechte und Bedürf­nisse in der Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit bewusst ins Auge gefasst werden, können sie an den Projekten teilhaben.

Im Jahr 2013 hat das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für wirt­schaft­liche Zu­sam­men­ar­beit und Ent­wick­lung (BMZ) daher einen eigenen Aktions­plan zur Inklusion von Menschen mit Be­hin­de­run­gen ver­öffent­licht. Ziel ist, durch geeignete Maß­nahmen in den nächsten Jahren die Weichen so zu stellen, dass die Belange von Menschen mit Be­hin­de­run­gen in der Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit syste­ma­tisch be­rück­sich­tigt werden.

Das BMZ verfolgt dabei einen zwei­gleisigen Ansatz: Zum einen werden Projekte gefördert, die sich speziell an Menschen mit Be­hin­de­run­gen richten. Zum anderen sollen deren Belange auch bei allen anderen Vor­haben der Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit be­rück­sich­tigt und struk­turelle Ursachen sozialer Un­gleich­heiten bekämpft werden.

Arbeitsfelder sind ins­be­son­dere die Bereiche Armuts­bekämpfung, Men­schen­rech­te, Bildung und Berufs­förderung, Gesundheit, soziale Sicherung, nach­hal­tige Wirt­schafts­ent­wick­lung, ländliche Ent­wick­lung sowie die ent­wick­lungs­fördernde und struktur­bildende Über­gangs­hilfe.

Beispiel soziale Sicherung

Krankheit ist in Entwicklungsländern eine der häufig­sten Ursachen dafür, dass Haus­halte in absolute Armut verfallen: Die Kosten der medi­zi­ni­schen Behand­lung über­steigen die finanziellen Möglich­keiten der Betroffenen und ihrer Familien. Fehlt jedoch das Geld für eine Behandlung, kann aus einer eigentlich heil­baren Krank­heit schnell eine dauer­hafte Behinderung werden.

Um dies zu vermeiden, fördert Deutsch­land den Auf- und Ausbau von sozialen Kranken­versicherungs­systemen. Dabei werden staatliche Systeme mit privaten Versicherungen und gemeinde­basierten Mikro­versiche­rungen kombiniert.

Gut ausgebaute Systeme der sozialen Sicherung bieten zudem Möglich­keiten der Erwerbs- und Einkommens­sicherung, zum Beispiel durch Grund­sicherung, Mikro­kredite und Sach­leistungen für extrem Bedürftige. Auch Menschen, die – etwa aufgrund von schweren Behinderungen – nur bedingt zur Selbst­hilfe fähig sind, können auf diese Weise in die sozialen Sicherungs­systeme einbezogen und vor einem Abgleiten in die absolute Armut geschützt werden. Derzeit fördert ​das BMZ in Vietnam und Indonesien eine verstärkte Einbindung von Menschen mit Behinderungen in Programme der sozialen Sicherung.

Beispiel entwicklungsfördernde und strukturbildende Übergangshilfe

Während und nach Not­situationen (beispiels­weise gewaltsame Konflikte oder Natur­katastrophen) sind Menschen mit Behinderungen ganz besonders verwundbar. Ihre Bedürf­nisse müssen deshalb bei Maß­nahmen der Not- und Über­gangs­hilfe explizit be­rück­sich­tigt werden.

Erdbebenopfer mit Beinprothese in Leogane, Haiti. Urheberrecht: Ute Grabowsky/photothek.netIn Haiti hat das BMZ nach dem Erdbeben vom Januar 2010 den Bau von Über­gangs­unter­künften unter­stützt, die an die indi­vi­duellen Bedürfnisse von behinderten Menschen angepasst wurden. Derzeit führt die deutsche Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit ein Projekt zur Wieder­herstellung der Lebens­grund­lagen der Bevölkerung durch, in dem auch haitianische Behinderten­verbände zu einer verbesserten Teil­nahme am Wieder­aufbau­prozess des Landes befähigt werden.

Beispiel inklusive Bildung

Weniger als zehn Prozent aller Kinder mit Behinderungen weltweit gehen zur Schule. Von allen Kindern im Grund­schul­alter, die keine Schule besuchen, leben etwa ein Drittel mit einer Behinderung. Aufgrund physischer und ein­stellungs­bedingter Barrieren sind behinderte Kinder meist vom Schul­besuch aus­ge­schlossen. Hiervon sind besonders auch Mädchen mit Behinderungen betroffen. Der niedrige Bildungs­stand von behinderten Menschen führt oft zu Aus­gren­zung auf dem Arbeits­markt und zur Zemen­tie­rung ihrer Rand­stellung ​inner­halb der Ge­sell­schaft. Die Betroffenen sind oft nicht in der Lage, ihre sozialen und politischen Interessen selbst zu vertreten.

Kindergarten der Stiftung Cristo Vive in Santiago de Chile. Urheberrecht: Thomas Köhler/photothek.netUm dem entgegen­zu­wir­ken, fördert das BMZ inklusive Bildung, die auch Menschen mit Be­hin­de­run­gen ein­bezieht. In Chile wurde die nationale In­sti­tu­tion für Früh­erziehung dabei unter­stützt, das Kinder­garten­system um­zu­gestalten und für Kinder mit speziellem Förder­bedarf – ins­be­son­dere aus armen Familien – zugänglich zu machen. Hierzu gehören die Anpassung von Lehr­plänen, die Fort­bildung von Personal, das Training von Assistenten für inklusive früh­kind­liche Erziehung sowie verschiedene Maßnahmen der Sen­si­bi­li­sie­rung und des Er­fah­rungs­aus­tauschs. Neben den Bildungs­institutionen werden auch die Familien be­hin­der­ter Kinder verstärkt in den Re­form­pro­zess einbezogen.

Barrierefreiheit in Entwicklungsvorhaben

Ein besonders wichtiger Aspekt der Zu­sam­men­ar­beit ist, dass in den Ent­wick­lungs­vorhaben selbst auf Barriere­freiheit geachtet wird. Das bedeutet Zugäng­lich­keit der physischen Infra­struk­tur (etwa für Gehbehinderte), aber zum Beispiel auch, dass Informationen so aufbereitet werden, dass sie ​von blinden oder gehör­losen Menschen genutzt werden können. Bereits bei der Planung von Projekten und Pro­grammen wird analysiert, wie die Belange von Menschen mit Behinderungen berück­sich­tigt werden können. In Nepal hat das BMZ beispiels­weise den Bau von mit Rampen aus­gestatteten Schulen im länd­lichen Raum unterstützt.

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Lexikon der Entwicklungspolitik

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