Armut geht uns alle an
Mehr als eine Milliarde Menschen leben in extremer Armut – sie ist eines der größten Probleme der Gegenwart.
Der Kampf gegen Armut und für weltweit bessere Lebensbedingungen ist eine der wichtigsten Aufgaben der internationalen und auch der deutschen Politik. Armutsbekämpfung ist deshalb eines der vier Leitmotive der deutschen Entwicklungspolitik; als übergeordnetes Ziel ist sie außerdem ein Querschnittsthema der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Alle Maßnahmen, die das BMZ fördert, müssen – direkt oder indirekt – zur Minderung der Armut beitragen.
Gemeinsam gegen die Armut: die Millenniumsziele
Armut geht uns alle an. Ihre Folgen sind in der eng verflochtenen Welt auch bei uns zu spüren, sie gefährden auch unsere Zukunft. Die Weltgemeinschaft hat erkannt, dass sie den Kampf gegen die Armut nur gemeinsam führen kann. Auf Basis der Millenniumserklärung hat sie sich acht Entwicklungsziele gesetzt, die sie bis 2015 erreichen will. Allen voran steht das Ziel, den Anteil der Menschen, die in extremer Armut leben, zu halbieren.
Die Vereinten Nationen überwachen die Umsetzung der Millenniumserklärung. Ihr Generalsekretär berichtet der UN-Generalversammlung jedes Jahr im September über die Fortschritte, die erzielt werden konnten.
Wirtschaft
Eine leistungsfähige Wirtschaft, die Arbeitsplätze schafft, ist eine wichtige Voraussetzung für die Minderung der Armut in Entwicklungsländern. Arbeit schafft Einkommen und gibt den Menschen die Chance, sich selbst aus ihrer Armut zu befreien. In ihrer wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit ihren Partnerländern setzt die Bundesrepublik auf die Förderung von Strategien, die ein breiten- und beschäftigungswirksames Wachstum zum Ziel haben, das den Armen einen Weg aus der Einkommensarmut bietet. (Pro-Poor Growth).
Handel
Die Industriestaaten, die die Weltwirtschaft entscheidend beeinflussen, tragen eine große Verantwortung dafür, dass der Welthandel gerecht betrieben wird. Damit auch die Entwicklungsländer von den Vorteilen der Globalisierung profitieren und ihre Armut mindern können, müssen ihre Interessen im Welthandelssystem besser berücksichtigt werden
Ernährung
Armut ist untrennbar mit Hunger und Mangelernährung verbunden. Mehr als 800 Millionen Kinder, Frauen und Männer hungern. Deutschland unterstützt seine Partnerländer bei der Entwicklung von Strategien zur Ernährungssicherung und beteiligt sich intensiv an internationalen Programmen und Vorhaben, zum Beispiel dem Welternährungsprogramm.
Entschuldung
Die Schuldenlast der ärmsten Entwicklungsländer ist ein wesentlicher Faktor für Armut. Wenn Zins und Tilgung keinen Raum mehr für staatliche Investitionen und staatliche Leistungen lassen, ist Entwicklung nicht mehr möglich. Deutschland unterstützt deshalb die internationalen Entschuldungsinitiativen HIPC und MDRI.
Soziale Sicherung und Sozialpolitik
Drei Viertel der Menschheit verfügen über keine ausreichende Absicherung gegen den Eintritt von sozialen Risiken wie Krankheit, Arbeitslosigkeit, Altersarmut oder Ernteausfall. Soziale Sicherungssysteme, wie etwa nationale soziale Krankenversicherungen, Sozialtransferprogramme für extrem Arme oder Mikroversicherungen sind wichtige Instrumente für eine strukturelle Armutsbekämpfung. Sie schaffen Grundvoraussetzungen für breitenwirksames Wachstum und sind ein wichtiger Schlüssel für das Erreichen der Millenniumsentwicklungsziele.
Soziale Grunddienste
Soziale Grunddienste wie Gesundheitsversorgung und Grundbildung können die Lebensbedingungen der Armen nachhaltig verbessern. Sie sind wichtige Elemente zur Bekämpfung der Armut.
Umwelt- und Ressourcenschutz
Die zunehmende Zerstörung der natürlichen Ressourcen gefährdet die Existenzgrundlage armer Menschen. Gleichzeitig zwingt die Not die Armen oft zum Raubbau an der Natur. Umwelt- und Ressourcenschutz ist ein wichtiger Teil der Armutsbekämpfung. Die Bundesrepublik setzt sich international und national für den Schutz der Umwelt ein. Sie unterstützt die Umsetzung völkerrechtlich verbindlicher internationaler Regelwerke: zur Bekämpfung der Wüstenbildung, zur Verminderung der Treibhausgase, zur Förderung erneuerbarer Energien, zum Schutz der Wälder und zum Erhalt der Artenvielfalt. Außerdem beteiligt Deutschland sich an Maßnahmen zum Schutz vor Naturkatastrophen.
Menschenrechte
Eine wesentliche Grundlage für die Bekämpfung der Armut ist die Achtung der Menschenrechte. Die Achtung der Menschenrechte trägt entscheidend dazu bei, dass Menschen ihr Leben selbstbestimmt, politisch und wirtschaftlich frei nach ihren Möglichkeiten gestalten können.
Gleichberechtigung der Geschlechter
Frauen haben in ihren Familien eine Schlüsselrolle, wenn es darum geht, Veränderungen durchzusetzen. Gleichberechtigung ist eine Voraussetzung zur Verminderung der weltweiten Armut. Die Bundesrepublik verankert die Gender-Thematik zum einen als Querschnittsthema in der gesamten Entwicklungszusammenarbeit und fördert zum anderen konkret die rechtliche, soziale und politische Stellung der Frauen.
Gute Regierungsführung
Arme sind von den Entscheidungen, die sie betreffen, weitgehend ausgeschlossen. Die Bundesrepublik fördert verstärkt Strukturen und Institutionen, die es ermöglichen, dass arme und benachteiligte Bevölkerungsgruppen von Entwicklungsprozessen profitieren können. Seit dem Millenniumsgipfel hat sie die Mittel zur Förderung von Good Governance verdreifacht.
Frieden
Armut und Ungerechtigkeit sowie wirtschaftliche und politische Diskriminierung sind der Nährboden für gewaltsame Konflikte, ethnische, religiöse und regionale Feindseligkeiten. Konflikte und die damit verbundenen Militärausgaben verhindern Entwicklung. Gleichzeitig schaffen sie neue Armut. Armutsbekämpfung ist Sicherheitspolitik. Deutschland unterstützt Vorhaben zur Krisenprävention, Versöhnungsarbeit, Minenräumung, Abrüstung und Verringerung der Militärausgaben. Die Maßnahmen setzen aber auch an den strukturellen Ursachen von Konflikten, wie politisches oder soziales Ungleichgewicht, an.
Verbesserung der Qualität und Wirkung der Entwicklungszusammenarbeit
Um möglichst effizient und wirksam zur Armutsbekämpfung beizutragen, verbessert die Bundesregierung kontinuierlich ihr entwicklungspolitisches Instrumentarium und engagiert sich gemeinsam mit anderen Gebern und Vertretern der Partnerländer aktiv in entsprechenden internationalen Initiativen. Besondere Bedeutung hat hierbei die Einführung von Instrumenten und Verfahren zur konsequenten Ausrichtung relevanter Politiken der Partnerländer und der Beiträge der Geber auf die damit angestrebten entwicklungspolitischen Wirkungen.
Dokumente und Links
Eine Auswahl von Links auf deutschsprachige Dokumente und Webseiten, die weiterführende Informationen zum Thema Armutsbekämpfung bieten, finden Sie hier


