Hauptinhalt

Im Fokus

Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung oder Geschlechtsidentität


Homosexuelles Paar.

Menschen, die eine sexuelle Orientierung oder Geschlechts­identität haben, die nicht den gesell­schaft­lichen Mehrheits­normen entspricht, werden in vielen Ländern rechtlich diskriminiert und gesell­schaft­lich ausgegrenzt. In 78 Ländern und Territorien stehen gleich­geschlecht­liche sexuelle Beziehungen zwischen Erwachsenen unter Strafe, in fünf Ländern kann dafür sogar die Todes­strafe verhängt werden. Auch in einigen Kooperations­ländern der deutschen Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit ist Homo­sexualität strafbar – und das, obwohl diese Länder meist sowohl den Pakt über bürger­liche und politische Rechte (Zivilpakt) als auch den Pakt über wirt­schaft­liche, soziale und kulturelle Rechte (Sozialpakt) ratifiziert haben.

Das BMZ-Konzept "Men­schen­rech­te in der deutschen Ent­wick­lungs­po­li­tik" setzt sich auch die Verwirklichung der Men­schen­rech­te von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans- und Inter­sexuellen (LSBTI) zum Ziel. Sexuelle Minder­heiten sollen vor allem durch politischen Dialog und die Förderung zivil­gesell­schaft­licher Gruppen unter­stützt werden. Im Mittel­punkt stehen dabei die Bereiche Gesund­heit und Menschen­rechts­schutz. Außerdem sollen alle in der Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit eingesetzten Fach­kräfte stärker für die Belange sexueller Minder­heiten sensibilisiert werden.

Im Jahr 2010 hat die Bun­des­re­gie­rung mehr als 60 Maßnahmen zum Abbau von Dis­kri­mi­nie­rung aufgrund sexueller Orientierung und Geschlechts­identität finanziell gefördert. Die Unter­stützung erfolgt in erster Linie über die Heinrich-Böll-Stiftung und die Rosa-Luxemburg-Stiftung. In vielen Gesund­heits­projekten der staat­lichen Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit werden männliche Homo­sexuelle aber auch direkt angesprochen.

Auch zum Thema HIV und sexuelle Minder­heiten engagiert sich die deutsche Ent­wick­lungs­zusammen­arbeit. Ziele und Vor­gehens­weise lassen sich in der BMZ-Broschüre "Sexuelle Minderheiten und HIV" nachlesen.

Sensible Vorgehensweise erforderlich

Beim politischen Einsatz für die Rechte sexueller Minder­heiten ist große Sen­si­bi­li­tät gefragt. Menschen­rechts­organisationen aus Ent­wick­lungs­ländern sowie Interessen­vertretungen Homo- und Trans­sexueller wehren sich zunehmend dagegen, dass westliche Geber ihren Kooperations­ländern öffentlich Sanktionen androhen, wenn diese die Rechte von Schwulen, Lesben, Bi-, Trans- und Intersexuellen nicht achten.

So erklärten im Oktober 2011 etwa 60 afrikanische LSBTI- und andere Nicht­regie­rungs­orga­ni­sa­tionen, dass inter­nationaler Druck oft keine Verbesserungen für die Betroffenen mit sich bringe. Im Gegenteil: LSBTI würden von der restlichen Bevölkerung zu Sünden­böcken für ausbleibende soziale Dienst­leis­tun­gen gemacht. Die Folge seien zunehmende gesell­schaft­liche Konflikte und eine wachsende Gewalt­bereit­schaft in der Bevölkerung ihnen gegen­über. Auch würden informelle Gesprächs­kanäle zur Regierung und die Netz­werk­arbeit der zivil­gesell­schaft­lichen Or­ga­ni­sa­ti­on­en durch die Drohungen gestört.

Die Or­ga­ni­sa­ti­on­en fordern die Geber auf, mögliche Sanktionen immer mit örtlichen LSBTI-Vertretern abzusprechen und ihre Verhandlungen nicht öffentlich zu führen. Die Geber sollten ihren Einfluss vielmehr dazu nutzen, lokalen Menschen­rechts­aktivisten den Zugang zu wichtigen politischen und gesell­schaft­lichen Entscheidungs­trägern zu eröffnen.

Engagement in Deutschland

In Deutsch­land setzt sich das BMZ unter anderem im Rahmen von Ver­an­stal­tun­gen und Experten­runden für die Rechte von LSBTI ein. In der Deutschen Akademie für In­ter­na­ti­o­nale Zu­sam­men­ar­beit, dem Trainings­zentrum für in­ter­na­ti­o­nale Personal­entwicklung der GIZ, wird das Thema im Kurs "Men­schen­rech­te und Gender" behandelt.

Im Februar 2012 hat Bundes­ent­wick­lungs­mi­nister Dirk Niebel bei der Berlinale zum zweiten Mal den ent­wick­lungs­po­litischen Film­preis "Cinema fairbindet" vergeben. Die Regisseurinnen Malika Zouhali-Worrall und Katherine Fairfax Wright erhielten die Aus­zeichnung für ihren Film "Call me Kuchu". In der Doku­men­ta­tion wird das Leben von schwulen und lesbischen Aktivistinnen und Aktivisten in Uganda gezeigt.

Im Juni 2013 hielt der Minister bei der Verleihung der Zivil­courage­preise 2013 die Laudatio auf die ugandische Menschen­rechts­aktivistin Kasha Jacqueline Nabagesera. Sie erhielt den Preis für ihr En­gage­ment für LSBTI, die unter lebens­bedrohlichen Umständen leben.

Lexikon der Entwicklungspolitik

Fenster schließen

 

Seite teilen

BMZ-Adventskalender 2017

Gewinnen Sie 24 Einblicke in die deutsche Entwicklungszusammenarbeit und mit etwas Glück eine Überraschung!

Hier geht es zum BMZ-Adventskalender 2017!