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Sozialstandards

Gesellschaftliche Verantwortung
in Unternehmen: Freiwillige Verhaltenskodizes


In einer Behelfswerkstatt in Dhaka, Bangladesch, webt ein Arbeiter ein Kleidungsstück.

Die Internationale Arbeits­or­ga­ni­sa­tion (ILO) kann keine Sanktionen bei der Missachtung von Sozial­stan­dards verhängen. Deshalb spielen pri­va­te Ini­ti­a­ti­ven wie frei­wil­lige Ver­hal­tens­re­geln und Güte­siegel eine wich­tige Rolle bei der welt­wei­ten Durch­setzung von Kern­arbeits­normen. Inzwischen gibt es viele Ini­ti­a­ti­ven, in denen Privatwirtschaft, Nicht­regierungs­organisationen (NRO) und Gewerk­schaften gemeinsam an der Einführung von Sozialstandards ar­bei­ten (Multi-Stakeholder-Initi­a­tiven).

Durch freiwillige Verhaltenskodizes können auch deutsche Unternehmen dazu beitragen, dass Menschenrechte in den Ent­wick­lungs­län­dern geachtet werden. Wenn bei der Vergabe von Pro­duk­tions­aufträgen an ausländische Firmen nicht nur Preise, sondern auch Sozial­standards aus­schlag­gebend sind, bemühen sich die Firmen, diese Bedingungen ein­zu­halten. So können geregelte Ar­beits­zeiten, menschen­würdige Arbeits­bedingungen, faire Bezahlung und das Verbot von Kinder­arbeit durch­gesetzt werden. Auch für die deutschen Unter­nehmen bringt das vielfältige Vorteile mit sich, unter anderem kann die Qualität der Produkte gesteigert wer­den. Das positive Image, das Firmen, die Sozial­standards ein­hal­ten, bei den Verbrauchern haben, kann zudem den Markt­wert eines Unter­nehmens erhöhen.

Runder Tisch Verhaltenskodizes

Fertigung einer Autokarosserie. Urheberrecht: Photothek.netGemeinsam mit Vertretern von Unternehmen und Wirt­schafts­ver­bän­den, Gewerk­schaften, Nicht­re­gie­rungs­organisationen und Behörden hat das BMZ 2001 den Runden Tisch Ver­haltens­kodizes gegründet. Er fördert freiwillige Verhaltens­kodizes in deutschen Unternehmen, die über Produktions­stätten in Entwicklungs­län­dern verfügen oder mit dortigen Zulieferern zusammenarbeiten.

Ziel ist die Verbesserung der Sozial- und Um­welt­standards in globalen Liefer­ketten. Der Runde Tisch hat dazu diverse Initia­tiven ins Leben gerufen, zum Beispiel die "European Conference of Living Wages", ein Dialog­forum für die Ein­führung von existenz­sichernden Löhnen in inter­nationalen Zuliefer­betrieben.

Branchenweit gültige Verhaltensregeln

Da es für viele mittelständische Unternehmen sehr schwierig ist, einen eigenen Verhaltens­kodex zu entwickeln, haben einige Wirtschafts­zweige Initiativen ins Leben gerufen, um branchen­weit gültige Normen zu erarbeiten. Hier einige Beispiele:

Kaffee-Produktion

Der "Common Code for the Coffee Com­mu­ni­ty" (CCCC) (deutsch: Gemeinsamer Kodex für die Kaffee-Gemeinschaft) hat das Ziel, einen weltweit gültigen Ver­haltens­kodex für die sozial, ökologisch und wirtschaftlich nachhaltige Pro­duktion, Verarbeitung und Vermarktung von Kaffee zu entwickeln. Das BMZ hat diese Initiative 2002 gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Inter­nationale Zusammenarbeit (GIZ, damals GTZ) und dem deutschen Kaffee­verband ins Leben gerufen. 2006 ging aus dieser Initiative die 4C Association hervor. Mitglieder sind Kaffee­produzenten, Vertreter des Kaffee­handels, der Kaffee­industrie und Organi­sationen der Zivil­gesellschaft. Die Mitglieder verpflichten sich, den CCCC einzuhalten und so dazu beizutragen, dass sich die Lebens- und Arbeits­be­din­gun­gen der Roh­kaffee­produzenten verbessern und um­welt­schäd­liche Anbaumethoden vermieden werden.

Einzelhandel

Auch für den Einzel­handel gibt es ent­sprechende Initia­tiven. Die Außen­handels­vereinigung des deutschen Einzel­handels (AVE) beispielsweise engagiert sich für eine Verbesserung der Sozialstandards in der welt­weiten Lieferkette. Die AVE gehört zu den Gründungs­mitgliedern und Förderern der Business Social Com­pli­ance Initiative (BSCI) des europäischen Einzel­handels, die einen Verhaltens­kodex für die welt­weite Verbesserung von Sozial­standards entwickelt und um­gesetzt hat.

Der Verhaltens­kodex der BSCI basiert unter anderem auf den Konven­tionen der Inter­nationalen Arbeits­organisation (ILO), den Menschen­rechts­erklärungen der Verein­ten Natio­nen, den Prin­zipien des Global Compact und den OECD-Leit­sätzen für multi­nationale Unternehmen.

Textilbranche

Für die Textilbranche gibt es verschiedene Initiativen zur Verbesserung der Arbeits­bedingungen.

Nach dem Einsturz des Fabrik­gebäudes Rana Plaza 2013 in Bangla­desch beispiels­weise wurden eine Allianz für die Sicher­heit der bangla­deschischen Arbei­terinnen und Ar­beiter (Alliance for Bangladesh Worker Safety) gegründet und ein Ab­kommen für Brand­schutz und Gebäude­sicher­heit in Bangla­desch (Accord on Accord on Fire and Building Safety in Bangladesh) geschlossen. Mit der Unter­zeich­nung dieses Ab­kommens verpflichten sich Unter­nehmen, in den von ihnen beauf­tragten Be­trieben verläss­liche Gesund­heits- und Sicherheits­maßnah­men zu gewährleisten.

Das BMZ setzt sich für die Bünde­lung und Verstär­kung der Initiativen in der Textil­branche ein. Gemein­sam mit Vertreterinnen und Vertretern der Textil­wirtschaft, der Gewerkschaften und der Zivilgesellschaft hat das Ministerium im Oktober 2014 das Bündnis für nachhaltige Textilien ins Leben gerufen.

Mehr Informationen über das deutsche Engagement zur Verbesserung der Umwelt- und Sozialstandards in der Textilproduktion finden Sie hier.

Weitere Informationen

Lexikon der Entwicklungspolitik

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