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Umweltstandards

Hintergrund: Unternehmen zu mehr Umweltschutz motivieren


Mitarbeiter eines Pharmaunternehmens im Kongo.

In der Landwirtschaft und in vielen Industriebetrieben in Entwicklungsländern werden umwelt- und gesundheitsschädliche Substanzen eingesetzt und zum Teil nicht fachgerecht verarbeitet und entsorgt. Gleichzeitig werden Ressourcen wie Wasser, Energie oder Materialien nicht effizient eingesetzt. Zahlreiche Einwohner dieser Länder, mehrheitlich Arme, haben unter den direkten Folgen – zum Beispiel der Verschmutzung von Trink­wasser – zu leiden. Die Schäden an der Umwelt können so groß sein, dass die Entwicklung der betroffenen Länder gehemmt wird.

Chinesische Arbeiterin prüft Platinen. Urheberrecht: bpa, FaßbenderUmweltschutz­maß­nahmen und umwelt­freund­liche Pro­duk­tions­ver­fahren, die Öko­systeme schonen und natür­liche Ressourcen nach­haltig nutzen, sind lang­fristig ent­wick­lungs­fördernd – aber sie können Geld kosten und kurz­fristig den Gewinn von Unter­nehmen mindern. Freiwillig für solche Maßnahmen und den daraus resultierenden allgemeinen Nutzen zu bezahlen, gilt bei vielen Unternehmen noch als "unwirtschaftlich".

Das kann sich ändern, wenn mit Mitteln der Markt­wirtschaft für mehr Umwelt­schutz gesorgt wird. Dazu sind Rahmen­bedingungen erforderlich, die zum einen sicher­stellen, dass Verursacher von Umwelt­be­las­tungen auch für die durch sie entstehenden Kosten auf­kommen müssen. Zum anderen können etwa über Zertifi­zie­run­gen nach­haltig erzeugter Produkte und entsprechende Verbraucher­informationen für Unter­nehmen interessante Märkte geschaffen werden.

Ein wichtiges Element solcher Rahmen­bedingungen sind Umwelt­standards. Sie haben den Zweck, die wirtschaftliche Entwicklung zu fördern und gleichzeitig die dauerhafte Verfüg­barkeit der Natur­ressourcen und Öko­system­leistungen sowie den Schutz der Umwelt und der menschlichen Gesund­heit zu gewährleisten. Umwelt­standards definieren bestimmte Anforderungen an die Produktion und die gesamte Wert­schöpfungs­kette – oft von der Herstellung bis zur Entsorgung. Unternehmen, die diese An­for­de­rungen erfüllen, sichern sich langfristig Wettbewerbsvorteile.

Entwicklung und Verbindlichkeit von Umweltstandards

Im Hafen von Jakarta, Indonesien, werden Schiffe mit Tropenhölzern entladen. Urheberrecht: Photothek.netUmwelt­standards ent­stehen in ei­nem dyna­mi­schen Prozess. Er orien­tiert sich an natur­wissen­schaft­li­chen, tech­ni­schen, wirt­schaft­lichen, politischen und gesell­schaft­lichen Erkennt­nissen und Wert­vor­stellungen. Rechtliche Ver­bind­lich­keit erhalten Umwelt­standards durch staatliche Regelungen auf nationaler Ebene oder durch zwischen­staat­liche und inter­nationale Ab­kommen. Sie schreiben zum Beispiel Grenz­werte oder Pflicht­kenn­zeichnungen vor. Auch als frei­willige Über­einkunft, zum Beispiel von Produzenten des öko­lo­gischen Land­baus, können Umwelt­standards festgelegt werden.

Während staatliche Vorschriften verbindlich einzuhalten sind, dienen nicht-hoheitliche Standards als Handlungs­empfehlung oder Beurteilungshilfe.

Verschiedene Standards

Im internationalen Handel sind vor allem drei Typen von Umwelt­standards von Bedeutung:

  1. Produktstandards legen die Eigenschaften eines Produkts fest. Sie dienen in erster Linie dem Verbraucher- und Umwelt­schutz. Um die Verbraucher über den Produkt­standard zu informieren, werden Kenn­zeichnungen und Güte­siegel verwendet.

  2. Produktions- und Prozessstandards machen Vorgaben für Produktions­prozesse. Zwei Arten werden unterschieden: Zum einen solche, die sich in den physischen Eigen­schaften der End­produkte nieder­schlagen (etwa die Verwendung von Pflanzen­schutz­mitteln, die zu Pestizid­rück­ständen führen kann). Zum anderen Methoden, die sich zwar nicht in den physischen Eigen­schaften nieder­schlagen, sich aber dennoch auf Umwelt und Menschen auswirken (etwa Wasser­verbrauch, Kinderarbeit).

  3. Verhaltens- oder Systemstandards beziehen sich auf Unternehmens­abläufe. Sie sollen das betriebliche Umwelt­management verbessern.

Herausforderungen

Entwicklungsländer müssen sich an die in den Industrie­ländern vorgeschriebenen Umwelt­standards halten, wenn sie ihre Waren in diese Länder exportieren wollen. Einige Standards werden darum als Handels­barrieren empfunden. Dem­entsprechend werden sie von manchen Entwicklungs­ländern als Maß­nahmen kritisiert, die nur dazu dienten, die Märkte der Industrie­länder zu schützen. Vielen Entwicklungs­ländern fehlen außerdem die finanziellen und logistischen Ressourcen sowie ausreichende Informationen über die Entwicklung und Umsetzung von Standardisierungs- und Kennzeichnungs­prozessen. Besonders für kleine und mittlere Unternehmen sind die Investitionen, die für eine nachhaltige Produktion notwendig sind, eine Heraus­forderung. Die Umsetzung freiwilliger Standards kann allerdings auch Wett­bewerbs­vorteile bieten.

Wirkungen

Die Märkte für nachhaltige Produkte und Dienst­leistungen aus Entwicklungs­ländern sind noch vergleichs­weise klein. Doch sie wachsen beachtlich und verschaffen schon heute weltweit sehr vielen Familien ein gutes Einkommen und steigern die unter­nehmerische Wett­bewerbs­fähigkeit. Neben diesen sichtbaren Wirkungen auf die Wirtschaft sind auch günstige soziale und ökologische Effekte festzustellen. Das hat die vom BMZ beauf­tragte unabhängige Evaluierung "Einführung freiwilliger sozialer und ökologischer Standards in Entwicklungs­ländern" ergeben.

Der Schutz und die nachhaltige Nutzung von natürlichen Res­sour­cen und Öko­systemen, etwa durch den Verzicht auf Pestizide, durch Einsparungen beim Wasser- und Energie­verbrauch oder durch verantwortungs­vollen Umgang mit Abwässern und Abfällen, haben positive Auswirkungen auf viele Lebens­bereiche. Im Zusammen­spiel mit Sozial­standards haben ökologische Leitlinien die Lebens- und Arbeits­bedingungen insbesondere vormals schutz­loser Menschen deutlich verbessert. Beispiele dafür sind die Verminderung von Sicherheits- und Gesund­heits­risiken im Arbeits­alltag oder die Verbesserung des sozialen Zusammen­halts in dörflichen Gemein­schaften und Kooperativen.

Von besonderer Bedeutung für die Entwicklungs­politik ist die Tatsache, dass Umwelt­standards auch einen Beitrag zur Erreichung der Millenniums­entwicklungs­ziele (MDG) leisten. Die Reduzierung der weltweiten Armut durch erhöhte Einkommens­chancen (MDG 1), das Recht auf Bildung (MDG 2), die Gleich­stellung der Frau (MDG 3) und der Schutz der Umwelt (MDG 7) sowie weitere Anliegen der inter­nationalen Gemein­schaft werden durch die Umsetzung von Umwelt­standards gefördert.

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Publikationen

Lexikon der Entwicklungspolitik

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