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Umweltstandards

Deutsche Politik: Wirtschaft ökologisch ausrichten


GTZ-Vorhaben Porenda Stadtentwicklung in Brasilien; selbst hergestellte Reinigungsmittel zum Verkauf.

Wirtschaftliche Entwicklung muss auf den Schutz und die nach­haltige Nutzung der Umwelt- und Öko­systeme und von natür­lichen Ressourcen ausgerichtet sein. So lautet ein Grundsatz der deutschen Entwicklungs­zusammen­arbeit im Wirtschafts­bereich. Er dient damit insbesondere dem Wohl von armen Bevölkerungs­schichten, deren Einkommen und Gesundheit in besonderem Maße von natürlichen Ressourcen und Öko­system­leistungen, beispiels­weise Fisch­beständen, Brenn­holz oder Wald­früchten, abhängen. Die Wirtschafts­politik der Bundes­regierung basiert auf den Grund­sätzen der sozialen und ökologischen Markt­wirtschaft. Es gehört demnach zu den Aufgaben der Regierung, eine vor­sor­gende Umwelt­politik zu betreiben und die Einhaltung nationaler und inter­nationaler Standards zu sichern.

Die deutsche Entwicklungs­zusammen­arbeit unterstützt seit vielen Jahren die Entwicklung und Umsetzung von Nach­haltigkeits­standards in der Land- und Forst­wirtschaft. Hierdurch wird eine umwelt­schonende Nutzung der Ressourcen in den Kooperations­ländern gefördert. Den Produzenten wird durch die Einbindung in die Standardi­sierungs­systeme der Zugang zu inter­nationalen Märkten ermöglicht beziehungs­weise erhalten. Eine besondere Heraus­forderung ist hierbei die angemessene Berück­sichtigung der Klein­bauern. Denn diese sollen Nutzen aus den Vorgaben ziehen (Betriebs­optimierung), anstatt Wettbewerbs­nachteile zu erleiden.

Spezielle Untersuchungs- und Beratungs­verfahren (Umwelt-Audits) gewährleisten die Vergleich­barkeit unternehmerischen Handelns. Sie bieten den Unternehmen in Entwicklungs­ländern die Chance, sich schritt­weise an die Umwelt- und Sozial­standards in den Industrie­ländern anzupassen. Die Firmen verpflichten sich freiwillig, ihren betrieblichen Umwelt­schutz zu verbessern. Ziel ist, vor allem kleine und mittlere Unternehmen dabei zu unter­stützen, eine systematische, ökologisch orientierte Betriebs­führung ein­zu­führen, welche stufen­weise durch ein Zertifizierungs­verfahren überprüft und beglaubigt wird.

Im Auftrag des BMZ haben alle deutschen Durchführungs­organisationen Programme zur Förderung ökologischer Standards in ihre Arbeit integriert. Dabei arbeiten sie mit Nicht­regierungs­organisationen (NRO), nationalen Behörden und inter­nationalen Organisationen zusammen. Diese breite Kooperation hilft beim Aufbau nach­haltiger wirt­schaft­licher Strukturen und schließt auch angrenzende entwicklungs­relevante Themen­bereiche wie Bildung oder Gesundheits­förderung mit ein.

Beispiel: Forstliche Zertifizierung

FSC zertifiziertes Holz. Urheberrecht: Eric Goethals / FSCDie Bundes­repu­blik fördert die forst­liche Zer­ti­fi­zie­rung und damit eine nach­haltige Wald­be­wirt­schaf­tung in ihren Ko­ope­ra­tions­län­dern. Eine zer­ti­fi­zier­te Wald­wirt­schaft bietet Ent­wick­lungs­chancen, wahrt die bio­lo­gische Viel­falt und trägt zum Wald­erhalt und damit auch zum Klima­schutz bei.

Bei der forst­lichen Zerti­fi­zierung über­prüfen unab­hängige Kon­trolleure, ob Holz- und Nicht­holz­produkte aus öko­lo­gisch und sozial verantwortungs­voller Bewirt­schaftung stammen. Ent­sprechenden Produkten verleihen sie ein Siegel. Die welt­weit bekannteste nicht­staatliche Organi­sa­tion, Forest Stewardship Council (FSC), hat dafür inter­nationale Standards erarbeitet. Sie definieren recht­liche, ökolo­gische und soziale Anforderungen an eine geregelte Wald­bewirt­schaftung. Berück­sichtigt werden auch die Arbeits­bedingungen sowie die Beteiligung verschiedener Interessens­gruppen (etwa Indigene) an der Ausarbeitung der Zertifizierungs­kriterien. Der FSC wird weltweit von Umwelt­organisationen, Gewerk­schaften, Interessen­vertretern indigener Völker und von Unter­nehmen aus der Forst- und Holz­wirtschaft unterstützt.

Beispiel: Bioenergie

Die energetische Nutzung von Biomasse wurde in den ver­gangenen Jahren stark ausgeweitet. Steigende Preise für fossile Energie­träger sowie die politische Förderung von Klima­schutz und Energie­sicherheit führen zu einer wachsenden Nachfrage nach erneuer­baren Energien.

Insbesondere die energetische Nutzung von Sojaöl, Palmöl und Zuckerrohr stößt jedoch zunehmend auf Kritik: Die Plantagen dehnen sich immer mehr in ökologisch wertvolle Gebiete aus, zerstören Natur­wälder und Feucht­gebiete und damit die vor­handene Bio­diversität. Zudem werden die Pflanzen oft in hoch industrialisierten Mono­kulturen angebaut, die einen erhöhten Pestizid­einsatz erfordern und auf Dauer die Böden auslaugen und unwider­ruflich schädigen. Soziale Kritik­punkte sind die Vertreibung von Indigenen und Klein­bauern sowie Berichte über menschen­unwürdige Arbeits­bedingungen in Produktions- und Verarbeitungs­betrieben.

Um solche negativen Wirkungen zu vermeiden, werden weltweit in einer Vielzahl von Initiativen Nachhaltigkeits­standards für Biomasse­rohstoffe ausgestaltet und Zertifizierungs­systeme entwickelt. Die Bundes­republik sowie die EU haben erkannt, dass solche Systeme zur Sicherung der Nach­haltigkeit notwendig sind. Es wurde beschlossen, dass nur noch jene Biomasse staatlich gefördert wird, deren nach­haltiger Anbau durch Zerti­fikate be­scheinigt wurde.

Beispiel: Ökologische Landwirtschaft

Die weltweit steigende Nachfrage nach Bio­produkten hat in Entwicklungs­ländern zu einem starken Interesse am öko­lo­gi­schen Landbau geführt. Die deutsche Entwicklungs­zusammen­arbeit unter­stützt die Agrar­wirt­schaft in den Kooperations­ländern bei der Einführung und Zerti­fi­zierung von kontrolliert biologischen Anbau­methoden.

Auch immer mehr fair gehandelte Produkte stammen aus ökologischem Land­bau: In Deutsch­land tragen fair gehandelte Erzeugnisse wie Bananen, Kekse, Reis, Wein oder Kaffee fast zu 100 Prozent zusätzlich ein Biosiegel.

Für die Kleinbauern bedeutet die ökologische Land­wirt­schaft eine Chance, neue Märkte zu erschließen und so ihr Einkommen zu erhöhen. Außerdem können sie durch verbesserte Anbau­techniken teure Produktions­mittel einsparen und die Umwelt schonen.

Weitere Informationen dazu finden Sie im Kapitel Fairer Handel

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In Deutschland werden mit der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung die Rahmenbedingungen zur Umsetzung sozialer und ökologischer Standards geschaffen. Einen wichtigen Beitrag dazu kann die öffentliche Hand leisten. Der Kompass Nachhaltigkeit liefert wichtige Hintergrundinformationen zum Thema nachhaltige Beschaffung.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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