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Stabilisierung von Aufnahmeregionen

Die Al Quds Schule in Amman, Jordanien

Die meisten Flüchtlinge finden direkt in den Nachbarländern Schutz. Dabei handelt es sich sehr häufig um Entwicklungsländer, rund 84 Prozent der Flüchtlinge suchen unweit ihrer Herkunftsländer Zuflucht. In den Aufnahmeländern leben die meisten von ihnen unter der einheimischen Bevölkerung in Städten und Gemeinden, nicht in Flüchtlingslagern oder Camps. Zu den Ländern, die besonders viele Menschen beherbergen, gehören die Türkei, Pakistan, der Libanon, Iran, Uganda, Äthiopien, Jordanien, die Demokratische Republik Kongo und Kenia.

In den Aufnahmeländern ist es für Flüchtlinge und Binnenvertriebene oft schwierig, Arbeit zu finden. In den wenigsten Ländern erhalten sie eine Arbeitserlaubnis und damit die Chance, ihren Lebensunterhalt durch reguläre Arbeit selbst zu verdienen. Auch zu Bildungsangeboten und medizinischer Versorgung haben sie häufig keinen ausreichenden Zugang. Das Gefühl, keine Perspektiven mehr zu haben und sozial ausgegrenzt zu sein, kann zu gravierenden psychischen Problemen führen. Viele sind traumatisiert und brauchen gezielte Unterstützung, um wieder selbstbestimmt leben zu können.

Flüchtlingen und Binnenvertriebenen bleibt oftmals keine andere Wahl, als viele Jahre lang in den Aufnahmegemeinden zu bleiben. Die Situation, vor der sie geflohen sind, verbessert sich – wenn überhaupt – nur sehr langsam.

Zugleich führt der kurzfristige Zuzug von sehr vielen Menschen in den Aufnahmeländern oft zu massiven Problemen: Es fehlt an Unterkünften und Arbeitsmöglichkeiten, an Lehrern und Schulen, Wasser und Nahrungsmittel werden knapp. Auch Gesundheitszentren und Krankenhäuser sind häufig völlig überlastet. Insbesondere über den Zugang zu Wasser und fruchtbaren Boden können Konflikte zwischen Flüchtlingen und der lokalen Bevölkerung entstehen.

Unsere Entwicklungszusammenarbeit zielt deshalb darauf ab

  • für die Flüchtlinge und Binnenvertriebenen im Aufnahmeland Perspektiven zu schaffen und
  • die Aufnahmeregionen und -gemeinden bei ihren Bemühungen zu unterstützen, die enormen Herausforderungen zu bewältigen.

Entwicklungsprojekte im Arbeits- und Bildungsbereich oder in der Gesundheitsversorgung, von denen sowohl die Flüchtlinge als auch die Menschen in aufnehmenden Gemeinden profitieren, fördern die Integration der Flüchtlinge in ihrer neuen Umgebung und mindern soziale Spannungen.

Um die Situation in den Aufnahmegemeinden zu stabilisieren, investiert die Bundesrepublik auch in die Infrastruktur vor Ort – zum Beispiel in die Wasserversorgung – sowie in einkommensfördernde Maßnahmen (siehe auch: Job-Offensive schafft neue Perspektiven). Außerdem werden staatliche Einrichtungen und Nichtregierungsorganisationen dabei unterstützt, ihre Angebote für Flüchtlinge und aufnehmende Gemeinden aufrechtzuerhalten und auszuweiten.

Auf der Flucht verlieren Menschen meist nicht nur ihr Hab und Gut – viele erleben auch Gewalt, Erniedrigung und Ausbeutung. Deutschland macht sich für die Rechte von Menschen auf der Flucht stark und finanziert Maßnahmen, die die Folgen von traumatischen Erlebnissen während der Flucht lindern.

Außerdem wird der Dialog zwischen Neuankömmlingen und der ansässigen Bevölkerung gefördert. Ziel ist, die Menschen auf der Flucht gesellschaftlich zu integrieren, Konflikte zu vermeiden und die Lebensgrundlagen für alle zu sichern.

Beispiel Syrien

Etwa 5,5 Millionen Syrerinnen und Syrer sind vor dem Bürgerkrieg ins Ausland geflüchtet, vor allem in die Türkei, den Libanon und nach Jordanien (Stand: Dezember 2016). Allein im Libanon leben inzwischen mehr als eine Million syrische Flüchtlinge. Das heißt, mittlerweile ist jeder sechste Einwohner im Libanon ein Flüchtling aus Syrien.

Eine baldige Heimkehr der geflohenen Syrerinnen und Syrer wird immer unwahrscheinlicher. Auch ein Ende der Fluchtbewegungen aus Syrien und dem Irak ist aktuell nicht in Sicht.

Flucht ist ein Langzeitproblem: Zwei Drittel aller Flüchtlinge unter UNHCR-Mandat leben bereits mehr als fünf Jahre im Exil. Da sich weltweit immer mehr und neue Krisen entwickeln, stoßen internationale Organisationen, die aufnehmenden Staaten sowie die Geberländer bei ihrer jahrelangen Unterstützung und der Leistung humanitärer Hilfe mittlerweile an ihre Grenzen. Deutschland hatte bei der Syrien-Konferenz 2016 in London die größte Einzelzusage in Höhe von 2,3 Milliarden Euro für die Jahre 2016 bis 2019 gemacht. Die bei der Syrien-Konferenz 2017 in Brüssel zugesagten Mittel in Höhe von 1,17 Milliarden Euro stellt die Bundesregierung zusätzlich für 2017 und die darauffolgenden Jahre bereit.





 

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