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Deutsches Engagement

Cash for Work

Job-Offensive schafft neue Perspektiven

Die Karte mit der Übersicht über die Cash-for-Work-Projekte befindet sich im Aufbau, in Kürze finden Sie hier weitere Informationen. Die Kartendarstellung gibt nicht in jedem Einzelfall die völkerrechtliche Position der Bundesregierung wieder.


Wegen anhaltender Krisen und Konflikte sowie fehlender Bleibe- und Zukunftsperspektiven verlassen viele Menschen ihre Heimatregionen. Besonders davon betroffen sind die Nachbarländer von Syrien, dort mangelt es zum Beispiel inzwischen insbesondere an Arbeits- und Bildungsmöglichkeiten. Viele Syrerinnen und Syrer, die dort zunächst Zuflucht gefunden haben, setzen daher ihre Flucht in Richtung Europa fort, weil sie sich dort größere Chancen erhoffen.

Etwa 4,9 Millionen Syrerinnen und Syrer sind inzwischen vor dem Bürgerkrieg in ihrem Land geflüchtet – die meisten von ihnen in die Nachbarländer Türkei, Libanon und Jordanien. Und im Irak haben rund drei Millionen Binnenvertriebene in anderen Landesteilen Schutz vor den Angriffen der Terrororganisation "Islamischer Staat" gesucht (Stand: Dezember 2016).

Vor diesem Hintergrund übernimmt das BMZ folgende Kernaufgaben, um Bleibe-, Rückkehr- und Zukunftsperspektiven zu schaffen:

  • unmittelbare Unterstützung von Flüchtlingen und Verringerung akuter Fluchtursachen durch strukturbildende Sofortmaßnahmen
  • Erleichterung der Lebenssituation der Menschen durch Bildung für Kinder, Ausbildung für Jugendliche und Arbeit für Erwachsene
  • nachhaltige Verbesserung der Lebensbedingungen durch den Aufbau von Infrastruktur sowie die Förderung der Privatwirtschaft und guter Regierungsführung

Schnell verfügbares Einkommen schaffen

Über die unmittelbare Sicherstellung der Grundversorgung (Ernährung, Wasser) hinaus unterstützen wir die Flüchtlinge durch Arbeitsmöglichkeiten und Einkommen. Die Bundesregierung hat daher auf der Syrienkonferenz vom 4. Februar 2016 eine "Beschäftigungsoffensive Nahost" gestartet. Über sogenannte Cash-for-Work-Maßnahmen (wörtlich übersetzt: "Bargeld gegen Arbeit", also direkt entlohnte Beschäftigungsmaßnahmen) können Flüchtlinge und Bewohner der aufnehmenden Gemeinden ein schnell verfügbares Einkommen erzielen.

Lesen Sie dazu auch unsere Infobroschüre Beschäftigungsoffensive Nahost – Cash for Work (PDF1,5 MB, barrierefrei)

Cash-for-Work-Maßnahmen sind:

  • sehr arbeitsintensive Vorhaben (einfache Tätigkeiten wie Abfall entsorgen, Straßen ausbessern)
  • arbeitsintensive Infrastrukturvorhaben (Wohnungen und Schulen wiederherstellen oder bauen)
  • die Finanzierung von Löhnen (zusätzliche Lehrer/-innen und Betreuer/-innen)
  • perspektivisch auch der Wiederaufbau befreiter Gebiete durch Instandsetzung der kommunalen Infrastruktur (Gebäude und Straßen)

Das BMZ hat hierfür 2016 eine Anschubfinanzierung von 200 Millionen Euro geleistet.

Die Beschäftigungsoffensive läuft

Bis Ende 2016 haben wir mehr als 56.000 Jobs schaffen. Betrachtet man auch die Familienangehörigen der Arbeiterinnen und Arbeiter, dann haben wir 2016 bis zu 280.000 Menschen dabei unterstützt, die Zeit bis zum Ende der Krise besser zu überbrücken.

Die Beschäftigten erhalten den lokalen Mindestlohn, damit sie die Kosten für Wohnung, Gesundheitsversorgung sowie Kleidung selbst decken können. Um den sozialen Frieden zu fördern, können an allen Maßnahmen sowohl Flüchtlinge als auch Bewohner der aufnehmenden Gemeinden teilnehmen.

Beispiel Jordanien: Abfall beseitigen und recyceln

In vielen Gemeinden im Norden Jordaniens hat sich Einwohnerzahl seit Beginn der Syrienkrise verdoppelt. Die Kommunen stehen vor enormen Herausforderungen – insbesondere die Abfallentsorgung ist ein großes Problem. Im Rahmen eines Cash-for-Work-Vorhabens haben wir bis Ende 2016 9.000 syrische Flüchtlinge und Jordanier eingestellt, um Abfall zu sammeln und zu recyceln.

Parallel dazu bauen wir Wertstoffhöfe auf, durch die dauerhafte Arbeitsplätze entstehen. Rechnet man die Familienangehörigen hinzu, unterstützen wir so, allein mit diesem Vorhaben, insgesamt 45.000 Menschen in Jordanien.

Beispiel Irak: Kommunale Infrastruktur wiederaufbauen

Im Nordirak haben bis Ende 2016 rund 24.000 Menschen durch den Wiederaufbau kommunaler Infrastruktur einen Job erhalten. In Gebieten, in denen sich viele vor dem "Islamischen Staat" geflüchtete Menschen angesiedelt haben, reparieren sie zum Beispiel Dächer oder bessern Straßen aus.

Für alleinerziehende Witwen, Kriegsversehrte und Senioren, die keinen aktiven Beitrag leisten können, sehen wir Sozialtransfers vor. 120.000 Menschen haben wir so insgesamt bis Ende 2016 bessere Perspektiven gegeben.

Beispiel Türkei: Zusätzliche Lehrer einstellen

Um möglichst viele syrische Kinder in türkischen Flüchtlingslagern und Aufnahmegemeinden unterrichten zu können, werden zusätzliche Lehr- und Betreuungskräfte benötigt. Das Cash-for-Work-Programm des BMZ hat dazu 8.000 Stellen für das Schuljahr 2016/17 geschaffen. Damit können 160.000 Kinder die Schule besuchen.

Wirkung

Allein durch die bereits angelaufenen Vorhaben haben wir bis Ende 2016 mehr als 56.000 Jobs geschaffen. Dadurch bessern sich die Lebensbedingungen und -perspektiven von rund 280.000 Menschen.

Mit den zusätzlichen Stellen für Lehrkräfte schaffen wir es, dass mehr als 300.000 Flüchtlingskinder zur Schule gehen können. Mehr als 1.700 Wohnungen wurden vor Einbruch des Winters renoviert. In ihnen können nun Flüchtlinge mietfrei wohnen.

Mit all diesen Maßnahmen verbessern wir spürbar das Lebensumfeld in den Flüchtlingsgebieten. Die aufnehmenden Städte und Gemeinden werden entlastet und Spannungen verringert.

Die steigende Kaufkraft der Menschen und die verbesserte Infrastruktur stärken zudem die lokale Wirtschaft. Die Beschäftigungsinitiative wirkt so auch als lokales Wirtschaftsförderprogramm.


Kommentare (1)

Alexander von Vrede schrieb am 02.10.2016 16:29

Endlich ein zielführendes Konzept.Warum mußte das so lange dauern Herr Minister? Es hilft den Menschen vor Ort und auch uns Mitteleuropäern.

 


 

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