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Infektionskrankheiten

Bekämpfung der Poliomyelitis ("Kinderlähmung")

In einer Gesundheitsstation in Abeokuta, Nigeria, werden Babys gegen Kinderlähmung geimpft.

Poliomyelitis (kurz: Polio) ist eine hoch ansteckende Viruserkrankung, die das zentrale Nervensystem angreifen und zu dauerhaften Lähmungen führen kann. Meist treten die Lähmungen in den Beinen auf; ist die Atemmuskulatur betroffen, kann Polio tödlich verlaufen. Besonders gefährdet sind kleine Kinder, in Deutschland ist Polio daher auch unter dem Begriff "Kinderlähmung" bekannt.

Bislang gibt es kein Medikament zur Behandlung von Poliomyelitis; es existieren jedoch wirksame Impfstoffe, um der Krankheit vorzubeugen.


Globale Initiative zur Ausrottung der Poliomyelitis

Im Jahr 1988 gründete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gemeinsam mit dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF), dem humanitären Netzwerk Rotary International und der US-Seuchenbekämpfungsbehörde CDC die Globale Initiative zur Ausrottung der Poliomyelitis (Global Polio Eradication Initiative, GPEI). Sie ist eine der ältesten öffentlich-privaten Partnerschaften im Gesundheitsbereich.

Ziel der Initiative ist die weltweite Ausrottung der Poliomyelitis. Im Mittelpunkt ihrer Strategie steht die flächendeckende Impfung aller Kinder im ersten Lebensjahr im Rahmen nationaler Impfprogramme. Seit der Gründung der GPEI konnten sehr große Fortschritte erzielt werden: Wurden 1988 noch 350.000 Fälle akuter Poliomyelitis registriert, waren es 2017 nur noch 22. Die Zahl der Länder mit regelmäßig auftretenden Polio-Erkrankungen ist in diesem Zeitraum von 125 auf drei gesunken. Als "Polio-endemisch" gelten heute nur noch Nigeria, Pakistan und Afghanistan.


Gefahr für Impfteams

In Teilen der polio-endemischen Länder hat die schlechte Sicherheitslage in den vergangenen Jahren verhindert, dass alle Kinder an Routineimpfprogrammen teilnehmen konnten. Die GPEI hat in diesen Regionen spezielle Impfkampagnen gestartet, bei denen das Gesundheitspersonal durch bewaffnete Sicherheitskräfte beschützt wurde. Seit 2016 hat sich die Lage entspannt.

Um Widerständen gegen die Polio-Impfung zu begegnen, wird in Pakistan ein gemeindebasierter Ansatz verfolgt: Lokale Gesundheitshelferinnen, die die Familien persönlich kennen, nehmen die Impfungen bei Neugeborenen und anderen noch nicht geimpften Kindern vor. Außerdem sind mobile Impfteams im Einsatz, die zum Beispiel an Tankstellen reisenden Familien eine Polio-Impfung anbieten.


Schluckimpfung mit Chancen und Risiken

In einer Gesundheitsstation in Nigeria werden Säuglinge gegen Kinderlähmung (Polio) geimpft.

Die Immunisierung erfolgt in den betroffenen Staaten in der Regel in Form einer Schluckimpfung. Dabei wird ein Lebendimpfstoff eingesetzt, das heißt er enthält lebende, aber abgeschwächte Polio-Viren, die noch vermehrungsfähig sind und mit dem Stuhl der geimpften Person ausgeschieden werden. Kontaktpersonen können sich daran infizieren und wiederum selbst Antikörper gegen das Virus bilden. Da es sich um abgeschwächte Impfviren handelt, entwickeln diese Personen meist keine Krankheitssymptome. Polio-Impfviren können somit für eine wachsende Immunität in der Bevölkerung sorgen.

In Regionen, in denen nur wenige Menschen gegen Poliomyelitis geimpft sind, können die Impfviren jedoch über einen längeren Zeitraum zirkulieren. Dabei besteht die Gefahr, dass sie sich genetisch verändern und dann doch wieder in der Lage sind, eine Polio-Erkrankung hervorzurufen. Man spricht dann von "Impfstoff-abgeleiteten Viren". Solche Polio-Fälle wurden in den vergangenen Jahren zum Beispiel in der Ukraine, in Syrien und in der Demokratischen Republik Kongo registriert.

Deutschland gilt als Polio-frei und daher kann seit 1998 auf die besonders wirksame Schluckimpfung mit Lebendimpfstoff verzichtet werden. Der heute eingesetzte Impfstoff beruht auf inaktivierten ("toten") Polio-Viren und wird mit einer Spritze verabreicht.


Deutsches Engagement

Deutschland ist ein enger Partner der Globalen Initiative zur Ausrottung der Poliomyelitis. Seit 1985 hat die Bundesrepublik mehr als 550 Millionen US-Dollar für die Polio-Bekämpfung zur Verfügung gestellt.

Die jüngste Zusage erfolgte auf der GPEI-Geberkonferenz 2017 in Atlanta (USA): Deutschland sagte dort knapp 20 Millionen Euro Unterstützung für Nigeria und zwei Millionen Euro für Pakistan zu.


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Externe Links

Lexikon der Entwicklungspolitik

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