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Infektionskrankheiten

Bekämpfung der Malaria

Eine Mutter versorgt ihr an Malaria erkranktes Baby in der Gerlib Klinik, einer kleinen Gesundheitsstation in Monrovia, Liberia.

Die Erreger der Malaria sind einzellige Parasiten (Plasmodien), die durch Stechmücken der Gattung Anopheles von Mensch zu Mensch übertragen werden. Die Infektionskrankheit tritt, bis auf Ausnahmefälle, bisher nur in tropischen Regionen auf.

Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gab es im Jahr 2016 rund 216 Millionen Malaria-Fälle. 445.000 Menschen starben an der Krankheit. Knapp die Hälfte der Weltbevölkerung ist dem Risiko einer Malariainfektion ausgesetzt. Besonders weit verbreitet ist sie in den afrikanischen Staaten südlich der Sahara und in Indien. Ein besonders großes Gesundheitsrisiko stellt die Krankheit für Schwangere, Neugeborene und Kleinkinder dar.

Die volkswirtschaftlichen Kosten von Malaria sind hoch: Die Krankheit bremst nachweislich das Wirtschaftswachstum. Langfristig kann dadurch das Bruttosozialprodukt besonders betroffener Länder stark sinken.

Malaria trifft vor allem Arme. Obwohl es wirksame Ansätze zur Vorbeugung und Behandlung der Infektion gibt, haben Millionen Menschen in Entwicklungsländern aus Kostengründen keinen Zugang dazu.


Methoden der Bekämpfung

Wesentliche Eckpfeiler der Malariakontrolle sind

  • die Bekämpfung der Mücken, die die Parasiten übertragen,
  • die Vorbeugung gegen Stiche,
  • die Vorbeugung gegen Infektionen durch Medikamenteneinnahme und
  • die Behandlung von Erkrankungen mit Medikamenten.

Bei der Malariatherapie und -vorbeugung gibt es keinen "Königsweg" – es ist immer notwendig, einen Methodenmix anzuwenden, der zur jeweiligen Situation passt. Insbesondere bei Kindern sind eine schnelle Diagnose und eine effektive medikamentöse Behandlung entscheidend für den Therapieerfolg.


Insektizide

Eine Möglichkeit, Malaria zu bekämpfen, besteht im großflächigen Besprühen von Innenräumen mit Insektiziden. Gegen diese Gifte sind die Anopheles-Mücken allerdings in sehr vielen Regionen bereits unempfindlich geworden. Zudem belasten die Insektizide die Gesundheit der Menschen, die in solchen Räumen leben und es hat sich gezeigt, dass sie gefährliche Langzeitwirkungen haben. Auch die Umwelt wird durch das großräumige Sprühen der Insektizide übermäßig und unnötig belastet. Darum wird zum Beispiel der Einsatz des früher häufig eingesetzten Wirkstoffs DDT (Dichlordiphenyltrichlorethan) von Deutschland nicht mehr unterstützt.

Vor diesem Hintergrund wurde das Besprühen von Innenräumen in den vergangenen Jahren deutlich reduziert: 2010 wurden noch 5,8 Prozent der in Malariagebieten lebenden Menschen auf diese Weise geschützt, 2016 waren es nur noch 2,9 Prozent.


Vorbeugung gegen Stiche

Um Infektionen durch Mückenstiche zu verhindern, haben sich vor allem Moskitonetze bewährt, die mit Insektiziden imprägniert und dann über das Bett gespannt werden. Sie geben langsam ein Kontaktgift in die Luft ab und töten die Insekten am Netz und in der näheren Umgebung. Als Gifte werden Substanzen verwendet, die für den Menschen als gesundheitlich unbedenklich gelten. Die Imprägnierung der Netze wirkt sehr lange, sie muss erst nach mehreren Jahren erneuert werden.


Medikamentöse Vorbeugung und Behandlung

Eine Pharmafirma in der Demokratischen Republik Kongo züchtet Nutzpflanzen, die für die Herstellung von Malaria-Medikamenten benötigt werden.

Zur Vorbeugung und Behandlung von Malaria sind verschiedene Medikamente mit unterschiedlichen Wirkungen auf dem Markt. Die WHO empfiehlt eine Kombinationstherapie mit dem Wirkstoff Artemisinin und weiteren Substanzen. Sie ist unter dem Kürzel ACT bekannt (Artemisinin-based combination therapy, übersetzt: Kombinationstherapie auf Basis von Artemisinin).

Für die Entwicklungszusammenarbeit liegt die Herausforderung darin, geeignete Finanzierungs- und Verteilungswege für die Präparate zu finden. Es muss eine sichere Versorgung aller Bevölkerungsschichten sichergestellt werden. Dazu gehören eine ausreichende medizinische Infrastruktur und fachliche Beratung, damit auch auf eventuelle Komplikationen bei der Therapie schnell und wirksam reagiert werden kann.


Bisher kein allgemein zugelassener Impfstoff

Einen lizensierten Impfstoff gegen Malaria gibt es derzeit noch nicht. Die Entwicklung eines Impfstoffs gegen den Erreger Plasmodium falciparum, der die gefährlichste Malaria-Art (Malaria tropica) verursacht, ist jedoch recht weit fortgeschritten. Er wurde bereits in sieben afrikanischen Ländern getestet. Im November 2016 gab die WHO bekannt, dass der Impfstoff 2018 über Pilotprojekte in drei Ländern in Subsahara-Afrika eingeführt werden soll. Die Impfallianz Gavi, an der auch Deutschland beteiligt ist, hat bekannt gegeben, die Einführung des Impfstoffs mitzufinanzieren.


Ausbreitung von Resistenzen

Eine große Herausforderung in der Malariabekämpfung stellt die Ausbreitung von Resistenzen dar. Die für die Übertragung der Erreger verantwortlichen Mücken sind inzwischen in vielen Regionen gegen die eingesetzten Insektizide immun geworden. Auch Verhaltensänderungen werden beobachtet, die Insekten scheinen Kontakt mit Insektiziden zunehmend zu meiden.

Beim Malariaerreger selbst werden ebenfalls immer häufiger Resistenzen festgestellt: Der Wirkstoff Artemisinin und andere gängige Malariamedikamente zeigen dann keine Wirkung mehr auf den Parasiten.


Deutsches Engagement

Die Bekämpfung von Malaria ist ein wichtiger Bestandteil der deutschen Entwicklungszusammenarbeit im Gesundheitsbereich. Das deutsche Engagement zielt grundsätzlich darauf ab, die Gesundheitssysteme der Partnerländer zu stärken. Dementsprechend werden Maßnahmen gegen einzelne Krankheiten wie Malaria in umfassende Versorgungsansätze eingebettet, die den allgemeinen Gesundheitszustand der Bevölkerung verbessern sollen. So sollen die von Deutschland geförderten Vorhaben sicherstellen, dass alle Bevölkerungsgruppen Zugang zu Medikamenten und anderen notwendigen Gesundheitsleistungen erhalten – also zum Beispiel auch zur Malariabekämpfung und -vorbeugung.

Seit 2016 unterstützt das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) die Bekämpfung von Malaria auch über ihre Initiative "Klinikpartnerschaften – Partner stärken Gesundheit".

Auf multilateraler Ebene engagiert sich Deutschland vor allem durch die Unterstützung des Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria (GFATM). Auch mit der Bill & Melinda Gates-Stiftung arbeitet das BMZ seit vielen Jahren auf dem Gebiet der Malariabekämpfung erfolgreich zusammen.

Die KfW Entwicklungsbank fördert die Europäische Impfstoff-Initiative (European Vaccine Initiative, EVI). Deren Ziel ist die Entwicklung eines Impfstoffs zur Vermeidung schwerer Malariaerkrankungen während der Schwangerschaft. Deutschland beteiligt sich außerdem am zweiten Partnerschaftsprogramm Europas und der Entwicklungsländer im Bereich klinischer Studien (European & Developing Countries Clinical Trials Partnership, EDCTP2). Es fördert die Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen gegen HIV/Aids, Tuberkulose und Malaria.


Lexikon der Entwicklungspolitik

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