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Hintergrund

Detailinformationen über die HIV-Epidemie: Aktuelle Situation und Trends


Eine Krankenschwester der Semenanyane-Klinik in Thaba-Tseka, Ost-Lesotho, zeigt den Befund eines HIV-positiven Patienten.

Zahlen und Fakten

Das Gemeinsame Programm der Vereinten Nationen zu HIV/Aids (UNAIDS) ver­öffent­licht regel­mäßig aktuelle Berichte und Statistiken zur Aus­breitung des Erregers und der Krank­heit. Die zurzeit vor­liegenden gesicherten Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2014, in dem welt­weit etwa 36,9 Millionen Menschen mit HIV (Humanes Immun­schwäche-Virus) lebten, darunter 2,6 Millionen Kinder unter 15 Jahren.

Etwa 2 Millionen Menschen (davon 220.000 Kinder) haben sich 2014 neu mit dem HI-Virus infiziert. Zum Vergleich: 2000 gab es 3,1 Millionen Neuinfektionen.

Rund 1,2 Millionen Menschen sind 2014 an Aids gestorben, 42 Prozent weniger als 2004.

Die Zahlen zeigen, dass Erfolge bei der Ein­dämmung von Aids zu verzeichnen sind. Sie zeigen aber auch, dass die HIV-Epidemie nach wie vor eine der größten Katas­tro­phen der Mensch­heit ist und dass die Gefahr der weiteren Aus­breitung des HI-Virus noch nicht gebannt ist.

Der Rückgang der jähr­lichen Neu­infektionen und der Todes­fälle ist auf mehrere Faktoren zurück­zu­führen: erfolg­reiche Präventions­bemühungen, eine bessere Versorgung mit Medikamenten, die die Virus­vermehrung hemmen (anti­retro­virale Medi­kamente) und eine bessere Betreuung und Unter­stützung von Men­schen, die mit HIV leben. Jedoch infizieren sich noch immer jeden Tag etwa 5.500 Menschen neu. Noch immer sterben täglich etwa 3.300 Menschen an Aids.

Regionale Unterschiede

Kinder aus dem Slumgebiet Mathare Valley in Nairobi, Kenia. Urheberrecht: bpa, Bernd Kühler

Die Situation in Afrika südlich der Sahara ist besonders ernst. Dort waren 2014 etwa 25,8 Millionen Menschen HIV-positiv. Mehr als 85 Prozent der Kinder, die sich 2014 neu infiziert haben, leben in afrikanischen Staaten südlich der Sahara. In vielen afrikanischen Ländern tragen mehr als fünf Prozent der 15- bis 49-Jährigen das HI-Virus in sich, in drei Ländern des südlichen Afrika sogar mehr als 20 Prozent. Auch für die Mehrheit der afrikanischen Länder, in denen die Infektionsrate unter fünf Prozent liegt, stellt HIV eine große Herausforderung dar.

In einigen Ländern in Asien und Ost­europa steigt die Zahl der neuen HIV-Infektionen entgegen dem allgemeinen Trend weiter an. In den Industriestaaten hat sich die Zahl der Infektionen in den vergangenen Jahren nur relativ wenig verändert. In Deutschland lebten nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts Ende 2014 etwa 83.000 Personen mit HIV (davon etwa 400 Kinder und Jugendliche und 15.000 Frauen). 2014 haben sich in Deutschland etwa 3.200 Menschen neu mit dem Virus infiziert und etwa 480 Patienten starben an Aids.

Besonders gefährdet: Frauen

Mutter mit ihrem Sohn in einem Zentrum der Missionary Benedictine Sisters of Tutzing in Namibia. Urheberrecht: photothek, KoehlerDas HI-Virus breitet sich über die Grenzen von Ländern und Konti­nenten hinweg aus. In der Anfangs­phase der Ausbreitung galt Aids vor allem als Krank­heit homo­sexueller Männer. Heute sind weltweit etwas mehr als die Hälfte aller HIV-Infizierten weiblich, in Afrika südlich der Sahara sind es sogar geschätzte 57 Prozent. Junge Frauen sind besonders gefährdet. In der Alters­gruppe der 15- bis 24-Jährigen sind mehr als doppelt so viele Frauen von HIV betroffen wie Männer.

Das hohe Infektions­risiko von Frauen ist zum Teil biologisch begründet: Frauen haben bei ungeschütztem Geschlechts­verkehr ein deutlich höheres An­ste­ckungs­risiko als Männer. Darüber hinaus gibt es soziale, wirt­schaft­liche und kulturelle Gründe für das größere Risiko von Frauen. So können Gewalt oder wirt­schaft­liche Abhängigkeit ver­hindern, dass Frauen über ihre sexuellen Beziehungen selbst bestimmen und die Möglich­keit haben, sich gegen In­fek­tio­nen zu schützen.

Auch die Auswirkungen der Epidemie treffen Frauen besonders hart: Sie tragen die Haupt­last der Kranken­pflege und der Waisen­versorgung. Frauen und Mäd­chen, die mit HIV leben, sind zudem oft erheblicher Dis­kri­mi­nie­rung ausgesetzt.

Die in der Ge­sell­schaft verankerten Geschlechter­rollen spielen auch für das HIV-Risiko von Jungen und Männern eine wichtige Rolle – zum Beispiel im Zusammen­hang mit Risiko­verhalten wie Alkohol­konsum oder wechselnden Partnern. Sexuelle Minder­heiten wie homo­sexuelle Männer stehen oftmals am Rande der Ge­sell­schaft oder werden kriminalisiert.

Alle diese Aspekte vermindern die Wirksamkeit von Maßnahmen gegen die weitere Ausbreitung von HIV und für eine bessere Versorgung von Menschen, die an Aids erkrankt sind. Die deutsche Ent­wick­lungs­zusam­men­ar­beit legt daher bei ihren Programmen im Bereich HIV und Aids einen besonderen Schwer­punkt auf die erforderliche Veränderung der Geschlechter­rollen.

Jugendliche und Kinder

Da sich besonders viele junge Menschen zwischen 15 und 24 Jahren mit HIV infizieren, sind sie die wichtigste Ziel­gruppe von Maßnahmen zur HIV-Präven­tion. Sie sollen durch Aufklärung lernen, ein selbst­bestimmtes, partner­schaft­liches, sicheres und gewalt­freies Sexual­leben zu führen.

HIV-positive Kinder haben in vielen Ländern noch schlechte Über­lebens­chancen. Bei etwa 90 Prozent dieser Kinder hat die Mutter die Infektion über­tragen: Kinder können sich vor oder während der Geburt oder durch das Stillen mit dem Virus infizieren. Die Mutter-Kind-Übertragung von HIV zu verhindern ist darum eine wichtige Aufgabe. Und sie ist sehr wirkungsvoll: Bei konsequenter Behandlung von Schwangeren kann das Risiko einer Infektion des Kindes auf bis zu zwei Prozent gesenkt werden. Ein großes Defizit besteht jedoch weiterhin beim Zugang infizierter Kinder zu Aids-Medi­ka­men­ten. Hier hat sich die Situation in den vergangenen Jahren nicht so deutlich verbessert wie bei den Erwachsenen.

Auch wenn Kinder nicht selbst infiziert sind, leiden viele sehr unter den Folgen der Epidemie. Weil sie Angehörige pflegen oder für ihre kranken Eltern Geld verdienen müssen, können viele Kinder nicht zur Schule gehen. Inzwischen haben Millionen Kinder durch Aids ihre Mutter, ihren Vater oder beide Eltern verloren.

Risikofaktoren, die die Ausbreitung des Erregers beschleunigen

Die Ausbreitung des HI-Virus wird durch viele verschiedene Faktoren bestimmt. Dazu gehören Migrations­bewegungen und Mobilität, wirt­schaft­liche Ab­hän­gig­keit, sozio-kulturelle Aspekte, ein geringes Bildungs­niveau, mangelnde Gleich­berechtigung von Frauen sowie die Stigma­ti­sierung und Dis­kri­mi­nie­rung benach­teiligter Bevölkerungs­gruppen. Auch Gewalt, Drogen- und Alkohol­missbrauch, Sex­arbeit, Flucht, Vertreibung und kulturelle Entwurzelung erhöhen das Infektions­risiko.

Auswirkungen von HIV und Aids

In den Jahren nach 1990 sank die durch­schnitt­liche Le­bens­er­war­tung wegen der Aids-Epidemie in einigen afrikanischen Staaten wieder auf das Niveau der 1960er Jahre. In Süd­afrika lag sie zum Beispiel im Jahr 1992 bei 61 Jahren und sank dann bis 2004 auf 51 Jahre. Im Jahr 2011 lag sie wieder bei 53 Jahren.

Weil von HIV und Aids besonders die jüngeren und mittleren Jahr­gänge betroffen sind, werden diese Bevölkerungs­gruppen in den stark betroffenen Ländern kleiner. Den Volks­wirtschaften fehlt dadurch die wirt­schaft­lich besonders aktive Generation der 20- bis 40-Jährigen. Das führt zu gravierenden Wirtschafts- und Entwicklungs­problemen und kann lang­fristig zum Anstieg der Armut führen.

In Ländern und Regionen, in denen ein spürbarer Anteil aller Arbeits­kräfte der Krankheit zum Opfer fällt, kann das Brutto­in­lands­pro­dukt deutlich sinken. In einem Land wie Botsuana, in dem fast ein Viertel der Erwachsenen mit HIV in­fi­ziert ist, werden in absehbarer Zeit in sehr vielen Familien die Ernährer fehlen.

HIV ist somit für ganze Gesell­schaften eines der größten Armuts­risiken unserer Zeit. In vielen Ländern bremst die Erkrankung Entwicklungs­fort­schritte oder macht sie sogar rückgängig.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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