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Hintergrund

HIV und Aids

Papierfiguren mit Aids-Schleifen

Das Humane Immunschwäche-Virus (HIV) ist seit mehr als 30 Jahren bekannt und hat sich auf der gesamten Welt verbreitet. Heute tragen schätzungsweise 36,9 Millionen Menschen dieses Virus in sich.

Wenn keine medizinische Behandlung erfolgt, zerstören die HI-Viren nach einer symptomfreien Phase (wenige Monate bis hin zu vielen Jahren) das Immunsystem und führen dadurch zu lebensbedrohenden Infektionen und zur Bildung von Tumoren. Dieses Krankheitsbild trägt den Namen Aids (Acquired immunodeficiency syndrome, englisch für "erworbenes Immunschwächesyndrom") und ist bisher nicht heilbar. Der Ausbruch der Erkrankung kann jedoch durch eine Kombinationstherapie mit verschiedenen Wirkstoffen, die die Vermehrung der HI-Viren hemmen, sehr lange hinausgezögert und eventuell sogar ganz verhindert werden.

Sehr viele Betroffene leben in Entwicklungsländern, besonders viele in den Staaten Afrikas südlich der Sahara. Dort waren 2017 etwa 25,7 Millionen Menschen mit HIV infiziert. Die Krankheit ist nicht nur eine menschliche, sondern auch eine gesellschaftliche und wirtschaftliche Katastrophe, die die nachhaltige Entwicklung dieser Länder gefährdet.


Besonders von HIV und Aids betroffene Gruppen

Beratung zum Thema Verhütung in einer Gesundheitsstation in Bujumbura, Burundi

In Ländern mit hohen Infektionsraten betrifft HIV die gesamte Bevölkerung. Frauen und Mädchen haben, bedingt durch biologische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Faktoren, ein besonders hohes Ansteckungsrisiko. Daher ist es wichtig, ihre spezifischen Bedürfnisse bei der HIV-Prävention zu berücksichtigen. Zudem haben sie stark unter den negativen Folgen der Epidemie zu leiden, da sie in der Regel die Krankenpflege und die Versorgung von Aids-Waisen übernehmen.

Für lesbische, schwule, bisexuelle, transgender, trans- oder intersexuelle Personen, Migrantinnen und Migranten, Menschen, die sich Drogen spritzen sowie Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter ist das Risiko, sich mit HIV zu infizieren, aus verschiedenen Gründen erhöht. Diese Gruppen sind außerdem häufig Opfer von Diskriminierung, was ihren Zugang zu Präventionsmaßnahmen und Behandlung erschwert.


Erfolge

Entnahme einer Blutprobe in einem Krankenhaus in Burkina Faso

Die Eindämmung von HIV und Aids ist eine der größten Herausforderungen für die Entwicklungspolitik. Sie ist möglich – das zeigen ermutigende Erfolge der internationalen Bemühungen, die seit einigen Jahren zu verzeichnen sind.

Die Ausbreitung der HI-Viren hat sich verlangsamt. So ist die Zahl der Neuinfektionen seit dem Höhepunkt der Epidemie im Jahr 1996 um 47 Prozent gesunken: Im Jahr 2017 infizierten sich etwa 1,8 Millionen Menschen mit dem HI-Virus, 1996 waren es noch 3,4 Millionen.

Besonders ermutigend ist die Entwicklung bei den Kindern unter 15 Jahren: In dieser Altersgruppe sank die Zahl der Neuinfektion von 2010 (270.000) bis 2017 (180.000) um 35 Prozent.

In den besonders stark von der Epidemie betroffenen Staaten im östlichen und südlichen Afrika ist es zwischen 2010 und 2017 gelungen, die Zahl der Aids-Todesfälle um 42 Prozent zu senken. Parallel dazu konnte die Versorgung der Infizierten und Erkrankten deutlich verbessert werden: Von 2010 bis 2017 stieg die Zahl der HIV-infizierten Menschen, die durch eine Kombinationstherapie behandelt wurden, von 8 auf 21,7 Millionen.


Perspektiven: Wie geht es weiter?

Blutproben in einem Untersuchungslabor

Die internationale Gemeinschaft hatte auf der Millenniumskonferenz im Jahr 2000 das Ziel festgeschrieben, die weitere Verbreitung von HIV und Aids bis zum Jahr 2015 zu stoppen und das Virus allmählich zurückzudrängen. Dieses Ziel wurde nicht erreicht – noch immer stecken sich täglich etwa 5.000 Menschen mit dem HI-Virus an.

2015 nahm die Staatengemeinschaft das Ziel, die Aids-Epidemie bis zum Jahr 2030 zu beenden, in die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung auf (Ziel 3.3). In seiner Strategie für den Zeitraum von 2016 bis 2021 hat das Gemeinsame Programm der Vereinten Nationen zur Reduzierung von HIV/Aids (UNAIDS) drei Ziele formuliert:

  • 2030 sollen 95 Prozent der Menschen, die mit HIV leben, ihren Status kennen, davon 95 Prozent eine antiretrovirale Behandlung erhalten und von diesen wiederum 95 Prozent ihre Viruslast erfolgreich unterdrückt haben. Das Zwischenziel für 2020 liegt bei jeweils 90 Prozent.
  • Die Zahl der Neuinfektionen soll bis 2030 auf jährlich 200.000 bei Erwachsenen (500.000 bis 2020) gesenkt werden.
  • Die Diskriminierung von HIV-Infizierten und Aidskranken soll vollständig beseitigt werden.

Um diese Ziele zu erreichen, ist eine massive Ausweitung der Vorbeugungs- und Behandlungsprogramme notwendig. UNAIDS warnt, dass ein Verbleiben auf heutigem Niveau eine starke Wiederzunahme der Infektions- und Todeszahlen zur Folge hätte.

HIV und Aids langfristig erfolgreich einzudämmen, wird zudem nur gelingen, wenn sich die Lebenssituation der Menschen vor allem in den armen Ländern grundlegend ändert. Dazu ist es erforderlich, die Armut zu bekämpfen, die Menschenrechte zu stärken, die Bildung der Menschen zu verbessern und die Gesundheitssysteme leistungsfähiger zu machen.


Gesamtstrategie für Vorbeugung, Behandlung und Betreuung

Verkauf von Kondomen an einem Kiosk in Burundi

Solange keine Schutzimpfung möglich ist und solange eine HIV-Erkrankung nur behandelt, aber nicht geheilt werden kann, ist die Infektionsvorbeugung das wichtigste Instrument, um die Epidemie zurückzudrängen. Studien haben gezeigt, dass neben dem individuellen Schutz vor einer Infektion – zum Beispiel durch die Verwendung von Kondomen – auch die Behandlung von Infizierten mit Medikamenten, die die Virusvermehrung hemmen, die Zahl der Neuinfektionen reduziert.

Alle entsprechenden Maßnahmen sollten in eine nationale Gesamtstrategie eingebettet sein, die neben den Präventionsmaßnahmen auch die Pflege und Betreuung der an Aids Erkrankten umfasst. Die Bundesrepublik engagiert sich gemeinsam mit ihren internationalen Partnern intensiv für solche Strategien. Besonders wichtig ist dabei die Einbeziehung der von HIV und Aids betroffenen Personen und Gruppen in die Gestaltung und Umsetzung dieser Strategien.


Lexikon der Entwicklungspolitik

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