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Arbeitsfelder

Prävention: Nachhaltige Strategien entwickeln


Mobiler HIV-Test in Sao Tomé und Principe.

Es gibt bislang keinen Impf­stoff gegen eine Infektion mit dem HI-Virus. Da Heilungs­möglich­keiten fehlen, ist die Ver­meidung der Infektion nach wie vor das wichtigste Ziel aller Maß­nahmen zur Ein­dämmung der HIV-Epi­de­mie. Im Vorder­grund stehen dabei Aufklärung und Information. Wer weiß, wie das Virus über­tragen wird und wie man das verhindern kann, ist in der Lage, sich selbst und andere zu schützen.

Verschiedene Faktoren erschweren jedoch die Ein­dämmung von HIV. Dazu zählen mangelnde Gleich­berech­ti­gung von Frauen, traditionelle Rollen­bilder, religiöse Tabus, Stigma­ti­sie­rung von Infizierten, Dis­kri­mi­nie­rung benach­teiligter Bevölkerungs­gruppen, Krimi­na­li­sie­rung, Gewalt, Drogen- und Alkohol­miss­brauch, wirt­schaft­liche Ab­hängig­keit und Sex­arbeit, Flucht und Vertreibung oder kulturelle Entwurzelung.

Weil alle diese Faktoren eine bedeutende Auswirkung auf den Erfolg von Aufklärungs­kampagnen haben, reicht die reine Vermittlung von Fakten­wissen nicht aus; in Präventions­programmen müssen auch kulturelle Aspekte berück­sichtigt werden. Sie sollten ein soziales Umfeld fördern, das es den Menschen ermöglicht, sich vor der Infektion zu schützen.

Gemeinsam mit Or­ga­ni­sa­tio­nen in den Kooperations­ländern unter­stützt die deutsche Ent­wick­lungs­zusam­men­ar­beit Programme zur HIV-Prävention mit unter­schied­lichsten Ansätzen. Sie reichen vom Aufbau von Beratungs­stellen, die auch frei­willige und vertrauliche HIV-Tests anbieten, bis zur Ent­wick­lung von Unterrichts­materialien für Schulen.

Social Marketing

Ein Mann steckt eine Packung mit Kondomen in seine Hosentasche. Urheberrecht: Ute Grabowsky/photothek.netDas wichtigste Mittel zur Vermeidung einer Anste­ckung ist der Einsatz von Kondomen, die jedoch häufig nicht oder nicht korrekt benutzt werden. Als besonders wirksame Form der Prävention hat sich in diesem Zusammen­hang das·Social Marke­ting von Verhütungs­mitteln erwiesen. Dabei wird mit den Methoden der kommer­ziellen Produkt­vermarktung für gesund­heits­förderndes Verhalten und die Nutzung von Kondomen geworben. Die Kondome werden meist zu sub­ven­tio­nierten Preisen verkauft, um eine möglichst breite Verfüg­bar­keit der Produkte – auch für ärmere Bevölkerungs­schichten – zu gewähr­leisten. Durch Fernseh- und Radio­werbung, Plakate, Hand­zettel und Straßen­theater werden die Menschen auf die Kondome aufmerksam gemacht. Gleich­zeitig werden sie dabei über deren Anwendung und ebenso über HIV und Aids informiert. Social Marke­ting dient damit nicht in erster Linie dazu, Produkte zu verkaufen, sondern hilft, Ideen und Werte zu verbreiten.

Damit Händler Kondome in ihr Sorti­ment aufnehmen und diese gekauft und benutzt werden, müssen oft kulturelle oder religiöse Barrieren über­wunden werden. Durch eine einfühl­same Form der Kommu­ni­ka­tion kann das gelingen: Wo Social-Marketing-Programme etabliert sind, nimmt die Tabuisierung von Kondomen nachweislich ab.

Die KfW Entwicklungsbank fördert im Auftrag des BMZ mit großem Erfolg Social-Marketing-Vorhaben. Die HIV-Prävention wird bei diesen Maßnahmen eng mit anderen Bereichen der sexuellen Gesundheit verknüpft, wie zum Beispiel mit Familien­planung oder dem Thema Genital­verstümmelung. In einigen asiatischen Ländern sind die·​Social-Marketing-Agenturen inzwischen schon in der Lage, kosten­deckend und unabhängig von deutscher Förderung zu arbeiten.

Umfassende HIV-Programme auf lokaler Ebene

Lokale Programme unter­stützt die Bun­des­re­gie­rung seit mehr als 15 Jahren – zum Beispiel in Tansania. Studien in der Mbeya-Region belegen für den Zeit­raum von 1994 bis 2000, dass intensive Präventions­programme dort zu einem häufigeren Gebrauch von Kondomen und zu einer verbesserten Behandlung von Geschlechts­krankheiten geführt haben. Diese Erfolge wurden von einem Rückgang der HIV-Infektions­quote bei den 15- bis 24-jährigen Frauen von 21 auf 15 Prozent begleitet.

Wesentlicher Bestandteil solcher Programme auf lokaler Ebene sind Situations­analysen. Auf ihrer Basis werden über­greifende, lokal angepasste Maßnahmen erarbeitet, die Prävention und Behandlung verknüpfen.

Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen für Risikogruppen

Vorbereitung einer Drogeninjektion mit einem sicheren Spritzbesteck. Urheberrecht: Sean Kimmons/IRINEin wesentlicher Bestandteil der HIV-Prävention ist die Schadens­minderung bei Drogen­konsum (Harm Reduction). Erhöhtes Risiko­verhalten, wie der gemein­same Gebrauch von Spritzen, ist Ursache zahlreicher HIV-Neu­infektionen. Von geschätzten 15,9 Millionen injizierenden Drogen­konsumierenden weltweit sind bis zu drei Millionen HIV-positiv. Harm-Reduction-Ansätze ermöglichen zum Beispiel den Zugang zu sterilem Spritz­besteck, zu Anlauf- und Beratungs­stellen und zu Drogen­ersatz­therapien. Deutsch­land unterstützt seine Kooperations­länder bei der Umsetzung dieser Ansätze, die von der Bun­des­re­pu­blik maß­geb­lich mit­entwickelt wurden.

In Nepal konnten zum Beispiel die Qualität, die Sicherheit und die Kosten­effektivität des nationalen Methadon­programms durch ein gemein­sames Projekt der deutschen Ent­wick­lungs­zusam­men­ar­beit und der Privat­wirt­schaft erheblich gesteigert werden. Durch eine Drogen­ersatz­therapie können sowohl durch riskantes Verhalten verursachte HIV- und Hepatitis-C-Neuinfektionen als auch Abbrüche der HIV-Behandlung drastisch reduziert werden.

Sexuelle Minderheiten und HIV

Menschen, deren sexuelle Orientierung oder Identität nicht den Normen der Mehrheit entspricht, werden in vielen Gesell­schaften diskriminiert, verfolgt und krimi­na­li­siert. In zahl­reichen Staaten stehen gleich­geschlecht­liche Sexual­beziehungen unter Strafe, in einzelnen Staaten wird dafür sogar die Todes­strafe verhängt.

Lesbische, schwule, bisexuelle, trans­gender und inter­sexuelle Personen stehen darum in einem besonderen Fokus der deutschen Ent­wick­lungs­zusam­men­ar­beit. Das BMZ fördert in mehreren Kooperations­ländern gezielte HIV-Präven­tions­maßnahmen für diese Minderheiten. Auch alle anderen von Deutsch­land unterstützen Programme sind so konzipiert, dass alle Menschen von ihnen pro­fitieren können – unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung oder Identität.

Ausführliche Informationen dazu finden sie im Faltblatt Sexuelle Minderheiten und HIV.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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