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Arbeitsfelder

Gesundheitsversorgung:
Stärkung der Therapie


Die 17-jährige Mamaribe pflegt ihren HIV-positiven Vater.

In vielen Regionen der Welt ist die Basis­gesundheits­versorgung der Bevölkerung nicht sicher­gestellt. Vor allem Arme und andere benachteiligte Bevölkerungs­gruppen haben dort kaum Zugang zu medi­zi­nischer Versorgung. Die HIV-Epi­de­mie verschlimmert die ohnehin schwierige Situation weiter. Dazu kommt ein großer Mangel an Fach­kräften: Nur in 5 der 49 ärmsten Länder stehen min­des­tens 23 medizinische Fachkräfte (Ärzte, Kranken­schwestern, Hebammen) pro 10.000 Einwohner zur Verfügung; die Zahl 23 wurde von der Welt­gesund­heits­orga­ni­sa­tion (WHO) als Unter­grenze für eine ausreichende Gesundheits­versorgung von Müttern und Kindern definiert.

Die Bun­des­re­pu­blik arbeitet darum mit vielen Entwicklungs­ländern an Konzepten zur Ver­bes­se­rung ihrer Gesundheits­versorgung. Sie sollen die allgemeine gesund­heitliche Situation der Menschen verbessern und dazu beitragen, dass HIV weiter eingedämmt wird.

Wichtige Komponenten dieses Arbeits­feldes sind die Beratung der ver­ant­wort­lichen Politikerinnen und Politiker, der Ausbau und die Instand­haltung der medizinischen Infra­struk­tur und die Grund­versorgung der Bevölkerung mit medizinischen Dienst­leis­tun­gen. Dazu gehört zum Beispiel die Möglichkeit, anonym und kostenlos einen HIV-Test durchführen zu lassen. Auch der Zugang zu unentbehrlichen Arznei­mitteln und die Betreuung durch qualifiziertes medizinisches Fachpersonal müssen für jeden gewährleistet sein.

Damit auch arme Bevölkerungs­gruppen medizinisch versorgt werden können, ist die Ent­wick­lung und Erprobung von innovativen Sozial- und Kranken­ver­siche­rungs­systemen erforderlich.

Ausführliche Informationen über das deutsche En­gage­ment für die Ver­bes­se­rung von Gesundheits­systemen in Entwicklungsländern finden Sie ​hier.

Verbesserung des Zugangs zu antiretroviraler Therapie

Eine Frau macht einen Aids-Test in einem Krankenhaus in Burkina Faso. Urheberrecht: Ute Grabowsky/photothek.netBestimmte Wirkstoffe können eine Vermehrung von HI-Viren unter­drücken. Therapien mit solchen ant­iretro­viralen Substanzen (Stoffe gegen Retro­viren wie das HI-Virus) können die Infektion zwar nicht beseitigen, aber sie können in sehr vielen Fällen ein Fort­schreiten der Erkrankung zum Voll­bild des Immun­schwäche­syndroms Aids verhindern.

Die antiretroviralen Medikamente konnten in den vergangenen Jahren deutlich im Preis gesenkt werden. Dadurch und durch die Anstrengungen der in­ter­na­tio­nalen Gemein­schaft zur Finanzierung von HIV-Maßnahmen konnte die Zahl der Menschen in Entwicklungs­ländern, die eine anti­retro­virale Behandlung erhalten, vervielfacht werden: Waren 2002 erst 300.000 Menschen in anti­retro­viraler Be­hand­lung, waren es im Mä#rz 2015 schon 15 Millionen. Jedoch haben noch immer Millionen von Menschen, die eine solche Therapie benötigen, keinen Zugang zu Medi­ka­menten. Und durch neue Therapie­richt­linien der WHO und zunehmende Resistenzen des HI-Virus gegen die bisher eingesetzten Wirk­stoffe ergeben sich neue He­raus­for­de­run­gen.

Ziel der in­ter­na­tio­nalen Bemühungen ist, bis 2015 sicher­zu­stellen, dass weltweit alle Betroffenen umfassenden Zugang zu Behandlung, Pflege und Unter­stützung erhalten. Die Bun­des­re­gie­rung unter­stützt diese Bemühungen und setzt sich in ihren Kooperations­ländern für eine umfassende nationale Aids-Politik ein, die sich aus folgenden Komponenten zusammen­setzt: HIV-Aufklärungs­kampagnen, Sexual­erziehung, frei­willige und vertrauliche Test- und Beratungs­möglichkeiten, Pflege- und Betreuungs­angebote sowie qualitäts­gesicherter Zugang zu anti­retro­viraler Therapie.

Neue wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass anti­retro­virale Therapien nicht nur den einzelnen HIV-Infizierten helfen, sondern auch dazu beitragen, die Zahl der Neu­infektionen zu senken. Diese Ergebnisse sind ein weiterer Beleg dafür, wie wichtig diese Therapien sind, und lassen hoffen, dass die Zahl der Neu­infektionen in der Zukunft noch weiter sinkt.

Nicht nur der Zugang zu Medikamenten, auch die Qualität der Versorgung von HIV-Patienten auf lokaler Ebene spielt eine große Rolle. So ermöglicht eine von der Bun­des­re­gie­rung geförderte Partner­schaft zwischen einem deutschen Universitäts­klinikum und einem Regional­krankenhaus in Kamerun die Fort­bildung des Gesundheits­personals, bessere Labor­dienste und gemeinsame Begleit­forschung. Die HIV-Patienten profitieren davon durch verbesserte Ver­sor­gungs­angebote und angepasste Behandlungs­strategien.

Engagement für kostengünstige Medikamente

Produktion von Medikamenten in Afrika. Urheberrecht: T. Imo/photothek.netDie Bun­des­re­pu­blik engagiert sich auf verschiedenen politischen Ebenen dafür, dass die Preise über­lebens­wichtiger Medikamente für die Behandlung von Menschen mit HIV weiter fallen.

Deutsch­land unterstützt darum – direkt sowie in Zu­sam­men­ar­beit mit der Welt­gesund­heits­organisation (WHO) und der Orga­ni­sa­tion der Vereinten Nationen für industrielle Ent­wick­lung (UNIDO) – die Produktion von qualitativ hoch­wertigen und kosten­günstigen Generika durch lokale Unter­nehmen und über Süd-Süd-Kooperationen in Afrika und Asien.

Generika sind Präparate, die den gleichen Wirkstoff enthalten wie Original­präparate, aber wesentlich preis­werter sind. Dabei handelt es sich um erlaubte Kopien, etwa weil der Patent­schutz für das Original­medikament abgelaufen ist (nicht zu verwechseln mit verbotenen Nach­ahmer­präparaten oder Fälschungen).

Um eine hohe Qualität dieser Generika zu gewährleisten, werden die pro­du­zie­ren­den Unter­nehmen bei der Einführung von Qualitäts­management­systemen unter­stützt. Außerdem werden Zulassungs- und Kontroll­behörden sowie spezialisierte Laboratorien bei der Stärkung ihrer Kapazitäten gefördert. Darüber hinaus unter­stützt Deutsch­land die Ausbildung von dringend be­nö­tig­tem tech­nischem und akademischem Fach­personal für die Medi­ka­menten­herstellung sowie die dazu­gehörige Forschung.

Zwangslizenzen

Wenn in einem Land ein großes öffentliches Interesse an einem bestimmten patent­geschützten Medikament besteht, kann die Regierung diesen Patent­schutz in Einzel­fällen außer Kraft setzen und eine Zwangs­lizenz ausstellen. Unter­nehmen dieses Landes ist es dann erlaubt, eine kosten­günstige Kopie herzustellen.

Durch einen entsprechenden Beschluss des Allgemeinen Rats der WTO in der umstrittenen Frage der "grenz­über­schreitenden" Zwangs­lizenzen ist es heute möglich, dass auch arme Ländern, die keine eigenen Produktions­anlagen für Medikamente haben, solche Zwangs­lizenzen nutzen: Sie dürfen preis­werte Medikamente importieren, die in einem anderen Land unter Zwangs­lizenz her­gestellt wurden.

In Zu­sam­men­ar­beit mit der WHO und der Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Ent­wick­lung (UNCTAD) unter­stützt Deutsch­land seine Ko­ope­ra­tions­länder in Afrika und Asien dabei, solche Möglich­keiten zu nutzen. Unter anderem werden Beratungs- und Schulungs­maßnahmen zum Thema Schutz geistiger Eigentums­rechte angeboten.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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