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Lieferketten

Menschenwürdige Arbeit schaffen, soziale und ökologische Standards in Lieferketten sichern

Arbeiterinnen und Arbeiter in einer Textilfabrik in Bangladesch, in der besonders auf die Einhaltung der gesetzlichen Sozial- und Umweltstandards geachtet wird

Wir, die Reichen, auf der Sonnenseite, in den Scheinwerfern des Lebens, müssen mehr Verantwortung übernehmen, zum Beispiel für die Näherinnen in Bangladesch, die unsere Kleider nähen für 15 Cent die Stunde, davon aber weder leben noch ihre Kinder zur Schule schicken können. Einen Euro würde es kosten, Verantwortung zu übernehmen, einen einzigen Euro, pro Kleid, pro Sakko oder pro Hose, damit harte Arbeit in Bangladesch, Kambodscha oder in Afrika auch Lebenschancen für die Kinder und für die Näherinnen bedeutet.
Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller auf dem EINEWELT-Zukunftsforum in Berlin

Ergebnisse des G7-Gipfels in Elmau

Bundesentwicklungsminister Müller hat sich erfolgreich dafür eingesetzt, dass die Durchsetzung weltweiter Arbeits-, Sozial und Umweltstandards erstmals auch auf der G7-Agenda steht:

"Einige Diskussionen waren notwendig, aber am Ende konnten wir mit Stolz sagen, dass wir gemeinsam mit Bundesarbeitsministerin Nahles und dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) unsere G7-Partner überzeugt haben: Die G7 haben in Elmau konkrete Umsetzungsschritte für Arbeits-, Sozial- und Umweltstandards in textilen Lieferketten beschlossen. Menschenwürdige Arbeit und nachhaltige Produktion sollen weltweit zum Normalzustand werden. Dazu haben die Staats- und Regierungschefs in Elmau vereinbart: alle Stakeholder sollen in den Dialog treten. Auch in anderen G7-Ländern wird es künftig Bündnisse geben, wie das BMZ-initiierte Bündnis für nachhaltige Textilien. Die Transparenz gegenüber den Verbrauchern wird erhöht. Die G7 begrüßen praktische Tools wie Apps, die jedem Verbraucher erlauben, Siegel und Nachhaltigkeitsinformationen zu vergleichen und besser zu verstehen. Besonders wichtig ist zudem die Unterstützung der Herstellerländer. Die G7 werden koordiniert die Herstellerländer darin unterstützen, dass bessere Arbeitsbedingungen und Umweltmaßnahmen in der Produktion auch eine bessere Einbindung in globale Wertschöpfungsketten bringt. Damit schlagen wir im Entwicklungsjahr 2015 einen wichtigen Bogen zwischen den Lebensbedingungen in den Entwicklungsländern und unserem Konsumverhalten in den reichen Industriestaaten."

Worum geht es bei dem Thema?

Jedes T-Shirt, das wir tragen, hat eine lange Reise – eine lange "Lieferkette" – hinter sich. Eine solche Reise sieht typischerweise so aus: In einem ersten Land wird die Baumwolle angebaut und geerntet, anderswo wird sie dann verarbeitet und zu einem Stoff gewebt. Der wird an einem weiteren Ort gefärbt und später, wiederum woanders, zu einem T-Shirt zusammengenäht – alles in vielen Fällen unter extrem harten Bedingungen für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

Der Einsturz des Fabrikgebäudes Rana Plaza im April 2013 in Bangladesch hat uns vor Augen geführt, wie katastrophal die Produktionsbedingungen in der Textilindustrie sein können: Unsichere Gebäude, schlechter Brandschutz, giftige Chemikalien und Löhne, die kaum zum Überleben reichen – all das ist in vielen Produktionsstätten bittere Realität.

In einer wirtschaftlich immer stärker vernetzten Welt sind daher Regeln für Arbeits-, Gesundheits- und Umweltschutz wichtig – über Landesgrenzen hinweg. Deutschland hat deshalb das Thema "Standards in Lieferketten" als einen Schwerpunkt seiner G7-Präsidentschaft benannt. Dabei geht es im Sinne des Post-2015-Prozesses darum, dass die G7 mit gutem Beispiel vorangeht und alle Akteure einbindet – Regierungen, Privatunternehmen, Nichtregierungsorganisationen, Gewerkschaften und nicht zuletzt die Kundinnen und Kunden, die durch ihr Verbraucherverhalten den Markt beeinflussen können. So könnten Konsumenten in Industrieländern zum Beispiel durch bessere und transparente Informationen nachvollziehen, zu welchen Bedingungen die von ihnen gekauften Produkte produziert wurden.


Treffen der G7-Arbeits- und Entwicklungsminister in Berlin

Auf Einladung von Dr. Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und Andrea Nahles, Bundesministerin für Arbeit und Soziales, haben sich die G7-Minister am 12. und 13. Oktober in Berlin getroffen. Dort verabschiedeten sie die Erklärung "Action for Fair Production", die die Anwendung von Umwelt- und Sozialstandards in globalen Lieferketten verbessern soll.

Bei dem Treffen wandten sich die Ministerinnen und Minister an die G20-Vertreter aus der Türkei und China sowie an internationale Organisationen und die Sozialpartner. In ihrer Erklärung konkretisieren sie die G7-Elmau-Beschlüsse in sechs Bereichen, sowohl für G7-Staaten als auch für Entwicklungsländer.

Die Maßnahmen umfassen Unterstützung für kleine und mittelständische Unternehmen bei der Kontrolle ihrer Lieferketten. Nach dem Vorbild des Textilbündnisses sollen Bündnisse aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Gewerkschaften gefördert werden. Die Gründung und Umsetzung des globalen Präventionsfonds "Vision Zero Fund" soll Arbeitsbedingungen in ärmeren Produktionsländern verbessern. Herstellerländer werden bei der Durchsetzung von Umwelt- und Sozialstandards unterstützt. Durch mehr Transparenz für Verbraucherinnen und Verbraucher soll der nachhaltige Konsum gefördert werden. Beschwerdemechanismen und Schlichtungsverfahren für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Produktionsländern werden verbessert.

Die Erklärung finden Sie hier (PDF 44KB).


Konferenz in Berlin

Das BMZ hat mit dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) die G7-Initiative zum Thema Lieferketten eingebracht. Bei einer gemeinsamen Konferenz vom 10. bis 12. März 2015 in Berlin diskutierten Vertreterinnen und Vertreter von Regierungen, internationalen Organisationen, Gewerkschaften und der Industrie, wie nachhaltige Lieferketten geschaffen, unterstützt und ausgebaut werden können.

Unter dem Thema "Gute Arbeit weltweit durch nachhaltige Lieferketten fördern" entwickelten die Teilnehmer der Konferenz Lösungsansätze, mit denen soziale und ökologische Standards weltweit umgesetzt werden können. Die Eröffnungsrede wurde von Kailash Satyarthi gehalten, der 2014 für sein Engagement gegen die Ausbeutung von Kindern mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. Auf dem Abschlusspanel gab ein klares Votum der Chefs von Weltbank, OECD und ILO, dass die G7 einen wichtigen Beitrag leisten können und sollen. Bundesminister Gerd Müller und Bundesministerin Andrea Nahles waren die Gastgeber der Veranstaltung.


Konstruktiver Dialog

Wichtige Partner beim Engagement für menschenwürdige Arbeit sind die weltweit arbeitenden Unternehmen aus Industriestaaten. Sie können die Arbeits- und Produktionsbedingungen bei ihren Zulieferern in Entwicklungs- und Schwellenländern entscheidend mitgestalten. Auch die sogenannte "Outreach-Treffen" der Unternehmen (B7) und Gewerkschaften (L7) im Rahmen der G7-Vorbereitung haben das Thema diskutiert und unterstützt. Gemeinsam mit der Privatwirtschaft und den Gewerkschaften können die G7-Staaten so an der besseren Einhaltung von sozialen und ökologischen Mindeststandards arbeiten. Dadurch fördern sie in Entwicklungsländern nachhaltiges Wachstum und menschenwürdige Beschäftigung. Das Prinzip der Freiwilligkeit hat für die Bundesregierung dabei Vorrang.

Wenn die G7-Staaten Standards in Lieferketten verbessern und damit ihre Verantwortung für Nachhaltigkeit übernehmen wollen, kann dies nur in einem konstruktiven Dialog mit den Produktionsländern gelingen. Die Partnerländer des BMZ, in denen die in Deutschland vermarkteten Produkte industriell gefertigt werden, werden wichtige Gesprächspartner in diesem Prozess sein.


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Lexikon der Entwicklungspolitik

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