
Die zehn häufigsten Fragen
1. Früher hieß es "Entwicklungshilfe", heute "Entwicklungs-
zusammenarbeit". Warum?
Die Länder und Organisationen, mit denen Deutschland entwicklungspolitisch zusammenarbeitet, sind keine Empfänger von Hilfeleistungen, sie sind unsere Partner. Die Ziele der Zusammenarbeit werden gemeinsam festgelegt, die Maßnahmen werden gemeinsam geplant und durchgeführt und auch die Verantwortung für Erfolge und Misserfolge tragen wir gemeinsam. Oft beteiligen sich unsere Partner auch an der Finanzierung der Programme.
Der Begriff "Entwicklungszusammenarbeit" beschreibt diese Partnerschaft viel besser als der Begriff "Entwicklungshilfe". Und was wir oft vergessen: Auch Deutschland und die anderen Geberstaaten profitieren sehr von der Zusammenarbeit – zum Beispiel durch wirtschaftliche Kontakte zu den Partnerländern und durch die Verbesserung der weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen.
2. Wie viel Geld gibt die deutsche Regierung für Entwicklungszusammenarbeit aus?
Für das Haushaltsjahr 2008 stehen dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) 5,1 Milliarden Euro zur Verfügung – 14,3 Prozent mehr als im Jahr 2007.
Dividiert durch die Bevölkerungszahl von 82,5 Millionen entspricht diese Summe einem Aufwand von etwa 61,80 Euro pro Einwohner.
Ein Stufenplan der Europäischen Union (ODA-Stufenplan) sieht vor, dass die Mittel der öffentlichen Entwicklungszusammenarbeit bis 2010 in allen alten Mitgliedsstaaten der EU auf 0,51 Prozent des Bruttonationaleinkommens steigen, bis 2015 auf 0,7 Prozent. Im Jahr 2006 lag die deutsche Quote bei 0,36 Prozent.
Mit der Erhöhung des BMZ-Etats 2008 hat die Bundesregierung ihren Willen, die angestrebte ODA-Quote fristgerecht zu erreichen, unterstrichen.
Siehe auch: Zahlen und Fakten
3. Welchen Sinn hat es, Entwicklungsländern ihre Schulden zu erlassen?
Verschuldung ist eines der größten Hindernisse der Armutsbekämpfung. Hohe Schulden zwingen viele Entwicklungsländer, einen großen Teil ihres Staatseinkommens für die Tilgung von Krediten und Zinsen auszugeben. Dadurch fehlt ihnen das Geld für dringend notwendige Investitionen in die Infrastruktur. Unter dieser Situation leidet vor allem die arme Bevölkerung.
In Deutschland dürfen Schuldnerinnen und Schuldner das behalten, was sie zum Überleben brauchen. Die Verschuldung stellt die Menschen in den ärmsten Ländern vor Härten, die niemand hier erdulden müsste. Schuldenerlass ist der einzige Weg, diesem Kreislauf zu entrinnen.
An Entschuldungen sind strenge Auflagen geknüpft, damit sie nicht als Freibrief für Misswirtschaft dienen. Nur Ländern, die die Menschenrechte achten, werden Schulden erlassen. Sie verpflichten sich, die frei werdenden Mittel in die Verbesserung der Bildung, der Gesundheitsversorgung oder der Infrastruktur zu investieren.
Siehe auch: Thema Entschuldung
4. Hat sich die Situation der Entwicklungsländer durch unsere Unterstützung in den letzten Jahrzehnten verbessert?
Eine Vielzahl von Faktoren beeinflusst die Lebenssituation der Menschen in einer Gesellschaft. Dadurch lassen sich Entwicklungserfolge nur schwer messen und der Unterstützung einzelner Geber zuordnen.
Insgesamt betrachtet haben die Entwicklungsländer in den letzten fünf Jahrzehnten sichtbare Erfolge erzielt: Die Lebenserwartung ist in diesen Ländern zwischen 1955 und 2005 von 41 auf 63 Jahre gestiegen. Die Kindersterblichkeit sank zwischen 1960 und 2004 von 22 auf 8,7 Prozent. 1960 konnten 46 Prozent der Erwachsenen in den Entwicklungsländern lesen und schreiben, 2004 waren es 76 Prozent. Die durchschnittliche Anzahl der Schuljahre, die ein Mensch absolviert, hat sich seit 1960 nahezu verdoppelt (von 3,4 auf 6,3 Jahre).
Dennoch herrscht in weiten Teilen der Welt noch Armut und Hunger. Das Einkommensgefälle zwischen reichen und armen Ländern hat sich sogar weiter vergrößert. Jeder sechste Mensch muss mit weniger als einem US-Dollar pro Tag überleben. In vielen Ländern ist es bisher nicht gelungen, das Existenzminimum für alle Menschen zu sichern. Entwicklungszusammenarbeit bedeutet, nachhaltige Veränderungen zu bewirken. Diese Prozesse verlangen einen langen Atem. Fakt ist jedoch: Durch unsere Unterstützung können viele Menschen ihren Alltag ein wenig besser bewältigen – sie schöpfen Hoffnung und entwickeln Initiative.
5. Wieso führt das Ministerium die verschiedenen Maßnahmen nicht selbst durch, sondern arbeitet mit Organisationen zusammen?
Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ist für die Konzeption der Entwicklungspolitik zuständig. Es stimmt seine Strategien und Arbeitsschwerpunkte in Verhandlungen mit den Regierungen der Partnerländer und mit internationalen Organisationen ab. Die praktische Durchführung der Entwicklungsammenarbeit gibt das BMZ in Auftrag. In einer Reihe von Durchführungsorganisationen arbeiten Spezialisten mit langjähriger Erfahrung und großem fachlichen und technischen Know-how. Sie kennen die Verhältnisse vor Ort genau, verfügen über persönliche Kontakte und die notwendige Sensibilität. Eine einzelne staatliche Behörde könnte das nicht leisten.
Siehe auch: Durchführungsorganisationen
6. Müssen unsere Partnerländer Bedingungen erfüllen, um Entwicklungsgelder zu erhalten?
Ob und in welcher Form Deutschland mit einem Land entwicklungspolitisch zusammenarbeitet, hängt von der Entwicklungsorientierung des Landes und seinen internen Rahmenbedingungen ab. Diese analysiert das BMZ anhand eines Kriterienkataloges. Dieser 1990 eingeführte Katalog wurde 2006 überarbeitet, um neueren entwicklungspolitischen Anforderungen Rechnung zu tragen.
Die Kriterien sind:
- Armutsorientierte und nachhaltige Politikgestaltung
Ausrichtung an den Millenniumsentwicklungszielen (MDGs)
Nachhaltige und breitenwirksame Wirtschafts- und Finanzpolitik
Förderung ökologischer Nachhaltigkeit - Achtung, Schutz und Gewährleistung aller Menschenrechte
Umsetzung der internationalen Menschenrechtsabkommen
Anerkennung und Förderung der Frauenrechte
Einhaltung der Menschenrechtsstandards durch staatliche Akteure - Demokratie und Rechtsstaatlichkeit
Demokratische Beteiligung der Bevölkerung und verantwortliche Rolle des Parlaments
Beschränkung staatlicher Macht durch Recht und Gesetz
Friedliche Bearbeitung innenpolitischer Konflikte - Leistungsfähigkeit und Transparenz des Staates
Durchsetzungswillige und -fähige Regierung
Korruptionsfreiheit staatlicher Institutionen
Transparente, leistungsfähige und bürgerorientierte Verwaltung - Kooperatives Verhalten in der Staatengemeinschaft
Konstruktive Mitarbeit in regionalen Kooperationsmechanismen
Konstruktive Mitarbeit in internationalen Prozessen und Gremien
Friedensorientierung in Krisen- und Konfliktsituationen
7. Haben wir nicht genug eigene Probleme im Land, die zu lösen sind? Warum geben wir Gelder an Entwicklungsländer?
Es gibt auch in Deutschland Armut und die sozialen Unterschiede haben sich hier in den letzten Jahren verschärft. Das heißt aber nicht, dass wir uns vor den Problemen in anderen Ländern verschließen dürfen. Zudem ist Entwicklungszusammenarbeit eine Investition in die eigene Zukunft. Unser Leben ist eng mit dem der Menschen in anderen Weltregionen verflochten. Nur gemeinsam können wir die Herausforderungen meistern und für künftige Generationen eine friedliche und gerechte Welt und eine intakte Umwelt sichern. Unsere Gesellschaft ist wohlhabend genug, um beiden Herausforderungen zu begegnen.
8. Ich will mich auch engagieren, was kann ich tun?
Der erste Schritt ist, sich zu informieren. Niedrige Kaffeepreise und billige T-Shirts in Deutschland haben auch etwas mit Umweltzerstörung in Südamerika und Hungerlöhnen in Bangladesch zu tun. Nur wer sich der Probleme bewusst ist, die von Kinderarbeit bis zu bedenkenlosem Pestizideinsatz reichen, kann aktiv werden und andere Menschen sensibilisieren.
Nutzen Sie auch Ihre Macht als Verbraucher: Kaufen Sie fair gehandelte Produkte. Anliegen, die Ihnen besonders am Herzen liegen, können Sie auch finanziell unterstützen. Ohne Ihren Beitrag könnten viele Projekte nicht überleben. Suchen Sie Gleichgesinnte. In jeder Stadt oder Region gibt es zahlreiche entwicklungspolitische Initiativen. Adressen finden Sie auf unserer Internetseite oder in Eine-Welt-Läden und bei Kirchengemeinden. Wir senden Ihnen auch gerne Informationsmaterial zu.
Siehe auch:
- Thema: Fairer Handel
- Adressendatenbank
- Menü Publikationen mit der Möglichkeit, sich BMZ-Veröffentlichungen zu bestellen oder herunterzuladen
- Berufliche Chancen
9. Warum spricht man heute von "Einer Welt" statt von der "Dritten Welt"?
Der Begriff "Dritte Welt" ist veraltet und irreführend. Er stammt aus der Zeit des Ost-West-Konflikts. Damals haben sich die so genannten blockfreien Staaten als dritte politische Kraft neben den USA und ihren Verbündeten und den sozialistischen Ostblockstaaten verstanden. Der Ausdruck diente später dazu, Entwicklungsländer allgemein zu bezeichnen. Er erweckt den Anschein, dass diese von Unterentwicklung geprägte Welt nicht Teil unserer Welt ist. Die Bezeichnung "Eine Welt" drückt dagegen klar die gemeinsame Verantwortung für die Bekämpfung von Armut und Ungerechtigkeit aus.
10. Ich will in der Entwicklungszusammenarbeit arbeiten. An wen muss ich mich wenden?
Über die verschiedenen Möglichkeiten können Sie sich auf unserer Website informieren.
Informationen für Einsteiger mit dem Berufswunsch Entwicklungszusammenarbeit bietet das Menü
Berufliche Chancen
Neben Stellenanzeigen des BMZ finden Sie dort Links zu den Stellenbörsen zahlreicher Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit unter
Berufe in der Entwicklungszusammenarbeit
Eine Beschreibung der entwicklungspolitischen Organisationen, Stiftungen und kirchlichen Einrichtungen sowie ihre Adressen finden Sie im Menü Wege und Akteure unter
Akteure der Zusammenarbeit Deutschlands und seiner Partnerländer


