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Sport für Entwicklung
Vijana amani pamoja – Gemeinsam für Frieden

...dafür steht die Ab­kürzung des Fußball­vereins "VAP" im Kiambiu-Slum im Osten von Nairobi. Hier arbeitet Kenneth Otieno, Kapitän einer Vereins­mann­schaft, als Coach. Durch das Fußball­training verhilft der 22-Jährige jungen Menschen, die sonst nur Chancen- und Pers­pektiv­losig­keit kennen, zu einem neuen Lebens­gefühl.

Im VAP erleben sie soziales Mit­ein­ander und lernen Metho­den der gewalt­freien Kon­flikt­lösung kennen – so wie einst Kenneth Otieno.

Seit seiner Gründung 2002 hat sich der VAP zu einem erfolg­reichen Club mit zahl­reichen Aktivi­täten weit über den Fußball­platz hinaus ent­wickelt. Mit Un­ter­stüt­zung der deutschen Ent­wick­lungs­zusam­men­ar­beit (Programm "Youth De­vel­op­ment through Football") stehen Themen wie HIV-Präven­tion, Kampf gegen Krimi­nalität und Kor­rup­tion ebenso auf der Tages­ord­nung wie Un­ter­stüt­zung bei der schu­lischen und beruf­lichen Aus­bildung der Mit­glieder.

Kenneth Otieno hofft, dass der Sport den von ihm betreuten Jugend­lichen dabei hilft, Perspek­tiven für die eigene Zukunft zu ent­wickeln. Er selbst hatte gute Freunde, die den Weg in die Krimi­nalität mit dem Leben be­zahlt haben. Für Kenneth Otieno ist die Erinnerung an sie ein An­sporn, seine Arbeit weiter­zuführen.

 

Hilfe zur Selbsthilfe
Dalit-Frauen in Rajasthan

Welche Kinder müssen geimpft werden? Welche Frau ist schwanger? Welche Familie braucht zusätzliche Nahrungsmittel? Konzentriert beugen sich die Frauen über den Plan, der die soziale Situation in ihrem Dorf wiedergibt.

"Die Frauen haben ihn eigenhändig gezeichnet, die Symbole selbst erdacht, denn sie können kaum lesen und schreiben", berichtet BMZ-Referentin Dr. Antje Göllner-Scholz, die die Aufnahme im Frühjahr 2011 im indischen Bundesstaat Rajasthan machte. Alle drei Monate analysieren die Frauen anhand ihres Plans, wie sich die Lage der Familien verändert hat.

Das Foto entstand in einem Dorf der Dalit in der Thar-Wüste. Die Nachkommen der indischen Ureinwohner stehen auf der untersten Stufe des Kastenwesens und werden gesellschaftlich massiv diskriminiert. Dalit-Familien leben oft in großer Armut, fernab von Schulen und Gesundheitsstationen. Öffentliche Brunnen dürfen sie nicht nutzen, von Dorfversammlungen werden sie ausgeschlossen.

In Rajasthan unterstützt das Hilfswerk Malteser International Dalit-Familien in 50 Dörfern dabei, ihre Situation zu verbessern – ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Stärkung der Mädchen und Frauen. Das BMZ fördert dieses Projekt. So wurden zum Beispiel schon rund 100 Dorfbewohnerinnen als Gesundheitshelferinnen ausgebildet – und die Impfquote bei den Kindern stieg von 40 auf 73 Prozent.

"Für mich zeigt das Foto auf eindrucksvolle Weise, wie sich die Dalit-Frauen selbst zu helfen wissen, wenn sie die Chance dazu und nur ein wenig Unterstützung von außen erhalten", so Dr. Antje Göllner-Scholz.

 

Ländliche Entwicklung und Ernährungssicherung
Die Magie der Seifenblasen

Es ist sehr heiß an diesem Januar-Tag in der tief unterhalb des Meeresspiegels liegenden Danakil-Senke im Norden Äthiopiens. Die Umrisse des Dorfes verschwimmen in der flirrenden Luft. Doch die Kinder toben ausgelassen über den Platz. Von der Hitze lassen sie sich nicht beeindrucken – sie kennen es nicht anders. Ihre Heimat gilt als heißeste Gegend der Welt.

Die Landschaft ist atemberaubend mit ihren glitzernden Salzseen, blubbernden Schwefelquellen und Lava spuckenden Vulkanen. Doch das kleine Dorf des Afar-Volks liegt abseits der Touristenrouten. Und der andauernde Konflikt mit dem nahegelegenen Eritrea macht die Region unsicher.

"Die Lebensbedingungen sind wirklich extrem", berichtet Anna Kollmann von ihrer Studienreise in diese unwirtliche Gegend Ostafrikas. "Außer den Menschen gibt es kaum andere Lebewesen. In der Wüste fühlt man sich, als sei man im 15. Jahrhundert gelandet: Mit Holzstangen und Spaten stemmen die Menschen dort Salzbrocken aus dem Boden, die sie dann mit ihren Kamelen abtransportieren."

In dem Dorf am Rande der Wüste gibt es kein fließendes Wasser, keine Toiletten und auch keine Flüssigseife, um sich zu waschen – oder um Seifenblasen herzustellen. Umso größer ist die Begeisterung der Mädchen und Jungen über das Geschenk der Gäste aus Deutschland. Es kommt genau zum richtigen Zeitpunkt: das äthiopisch-orthodoxe Weihnachtsfest steht kurz bevor.

Auch Bälle und Frisbee-Scheiben hat Anna Kollmann im Gepäck. Die Kinder kennen solche Spielsachen nicht, das Werfen und Fangen fällt ihnen zunächst schwer. Die Magie der Seifenblasen dagegen wirkt sofort. "Das ist das Schöne an dieser Szene", sagt Anna Kollmann. "Es ist egal, wo auf der Welt man sich befindet. Eines ist immer gleich: das Lachen der Kinder."

 

Menschenrecht auf Bildung
Kleine Kämpfer

Kinder sitzen ruhig am Tisch und studieren ihre Texte. Kein Toben, kein Lärm, kein Kichern – und das, obwohl keine Lehrerin im Raum ist. Nur ein Murmeln erfüllt das Klassenzimmer eines Frauenklosters bei Kalaw in Myanmar.

Nichts kann die Kinder ablenken, nicht einmal die fremde Frau, die ihnen eine Weile zuschaut und ein Foto macht. Der Raum ist klein und finster. Die Kinder haben sich direkt an die Tür gesetzt, die einfallenden Sonnenstrahlen sind die einzige Lichtquelle. Helle Thanaka-Paste, eine Creme aus geriebener Baumrinde, soll ihre Haut vor der UV-Strahlung schützen.

"Mädchen werden oft aus ökonomischen Gründen in ein Kloster gegeben: Ihre Familien haben nicht genug Geld, um sie zu ernähren, und im Kloster erhalten die Kinder als Novizinnen eine gute Ausbildung", berichtet Katja Hummel, die die Kinder fotografiert hat.

Immer wieder ist die Referentin im Südostasienreferat des BMZ fasziniert von den Kindern, denen sie auf ihren Reisen begegnet. Dienstlich war sie länger in Afghanistan, Myanmar hat sie Anfang 2012 privat bereist. "Mich interessieren Länder, die sich im Wandel, im Umbruch befinden. Ich will die Realität vor Ort sehen, möchte wissen, wer die Menschen sind, über die wir in unserer Arbeit sprechen."

Wenn Katja Hummel von den Kindern erzählt, liegt Bewunderung in ihrer Stimme: "In jedem Kind steckt ein kleiner Kämpfer. Die haben einen so unglaublichen Willen zu lernen und sich weiterzuentwickeln!"

Katja Hummel wird wohl nie erfahren, was aus den Kindern auf dem Foto geworden ist: "Realistisch gesehen werden sie wohl keine weiterführende Schule besuchen können." Doch wer weiß. Vielleicht haben die Nonnen diesen drei kleinen Kämpfern das Rüstzeug verliehen, ihren Weg erfolgreich weiterzugehen.

 

Wirtschaftliche Zusammenarbeit
Made in Benin

"Menschen bei ihrer Arbeit zu beobachten, finde ich sehr spannend! Aber sie dabei zu fotografieren, ist schwierig."

Die Erfahrung von BMZ-Referentin Franziska Tröger hat wohl jeder schon mal gemacht: Gern möchte man exotische Eindrücke im Foto festhalten, doch auf keinen Fall will man die Menschen, denen man begegnet, in Verlegenheit bringen. Und so entstand diese Aufnahme in einer Baumwollfabrik im beninischen Parakou als diskreter Blick durch einen Vorhang aus Fäden.

Baumwolle ist das wichtigste Exportprodukt Benins. Franziska Tröger bereiste das Land 2011, um sich die Baumwollproduktion anzusehen. "Die afrikanische Baumwolle wird zum größten Teil exportiert. Die Fabrik, in der ich das Foto gemacht habe, ist eine Ausnahme: Hier wird die Baumwolle direkt weiterverarbeitet, zum Beispiel zu Arbeitskleidung oder Handtüchern. Die Produkte werden lokal verkauft, aber auch exportiert", berichtet Franziska Tröger. "Die Mitarbeiter sind darauf sehr stolz. Wenn man sich mit ihnen unterhält, spürt man sofort, wie begeistert und motiviert sie sind."

Bei Franziska Tröger hinterließ der Rundgang durch die Fabrik gemischte Gefühle: "Im freien Markt könnte der vom Staat unterstützte Betrieb nicht bestehen." Doch das ist nur der "deutsche Blick". Der Blick der Mitarbeiter ist anders: Die Maschinen mögen alt sein. Aber sie kommen aus Deutschland und funktionieren! Und jede genähte Hose ist eine Eigenproduktion aus einem Rohstoff, der auf den heimischen Feldern wächst.

Es ist auch dieser andere Blick, den Franziska Tröger mit ihrem Foto vermitteln möchte: Das Bild zeigt nicht nur einen Menschen bei der Arbeit. Es zeigt eine Zukunftsvision: den Traum, dass Menschen in Europa und Amerika Hosen kaufen können mit dem Label "Made in Benin".

 

Schutz natürlicher Ressourcen
Warten auf den Fisch

Im Schatten einer Piroge sitzen senegalesische Frauen. Das Boot bietet ihnen Schutz vor der sengenden Mittagssonne. Wahre Kunstwerke sind diese bunt bemalten Holzschiffe, keine Piroge gleicht der anderen.

Was werden die Männer dieser Frauen mitbringen, wenn sie ihre Boote auf den Strand ziehen? Die Gewässer vor der Küste sind überfischt. "Für die Fischer wird es immer schwieriger, ihren Lebensunterhalt zu verdienen", berichtet Camilla Gendolla. Als zuständige BMZ-Länderreferentin war sie im Mai 2011 im Senegal. "Wenn man diese Szenen am Strand betrachtet, gewinnt man den Eindruck, dass da sehr viele Menschen von sehr geringen Erträgen leben müssen."

Viele der Kleinfischer kommen vom Land, sind vor der Arbeitslosigkeit geflohen. Als Fischer verdienen sie nur wenig. Doch wenig ist mehr als nichts. Und so ist die Konkurrenz groß: im Senegal gibt es mehr als 16.000 Pirogen.

Deutschland unterstützt den Senegal dabei, das Fischerei-Management zu verbessern: Es geht um die nachhaltige Nutzung der Fischbestände – zum Beispiel durch Satelliten-gestützte Kontrolle der Fischerboote. "Es ist nicht leicht, die Fischer davon zu überzeugen, dass es gut ist, wenn ein Chip in ihr Boot eingebaut wird", sagt Camilla Gendolla. "Sie fühlen sich überwacht, obwohl sie die Schuld an ihrer Situation anderen geben."

Vielleicht werden die Frauen auch in einigen Jahren noch unter der Piroge sitzen und auf ihre Männer warten. Doch vielleicht haben die Fischerfamilien bis dahin Wege gefunden, ihren Fisch selbst zu vermarkten. Und vielleicht können sie dann besser von dem leben, was die Männer in ihren bunten Pirogen an Land bringen.