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Oktober

"Das Textilbündnis: Ihr Engagement lohnt sich!"


Rede des Parlamentarischen Staatssekretärs Thomas Silberhorn zur 3. Jahrestagung des Textilbündnisses am 11. Oktober in Berlin

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrte Mitglieder des Steuerungskreises,
sehr geehrte Mitglieder unseres Bündnisses,
sehr geehrte Damen und Herren,

rund drei Jahre ist es her, dass wir das erste Mal gemeinsam als Bündnis für nachhaltige Textilien angetreten sind. Als kleiner Kreis von knapp 30 Mitgliedern haben wir uns gemeinsam auf den Weg gemacht, um ganz konkrete Veränderungen in der Textil- und Bekleidungsbranche herbeizuführen.

Heute, mit gut 150 Mitgliedsorganisationen, können wir auf eine ereignisreiche und vor allem fruchtbare Zeit zurückblicken. Wir haben unsere anspruchsvollen Ziele nicht nur definiert, sondern auch mit der konkreten Umsetzung begonnen. Wer hätte uns das zu Beginn zugetraut?

Zu diesem Erfolg haben Sie, liebe Mitglieder des Bündnisses, einen entscheidenden Beitrag geleistet. Ihr Engagement und der unermüdliche Einsatz in den Arbeitsgruppen haben sich ausgezahlt. Deshalb möchte ich Ihnen allen für dieses Engagement herzlich danken!

Vergegenwärtigen wir uns noch einmal die Ziele, mit denen wir damals gestartet sind:

  • Wir sind angetreten, um gemeinsam zu lernen, gemeinsam zu handeln und gemeinsam besser zu werden.
  • Wir sind angetreten, um mehr Transparenz in die Textil-Lieferkette zu bringen, um bestehende Handlungsmuster und unsere Produktions- und Einkaufspraktiken zu hinterfragen.
  • Wir sind angetreten, um giftige Substanzen aus den Produktionsprozessen und unserer Kleidung zu verbannen.
  • Wir sind angetreten, um zu verhindern, dass Fabriken einstürzen und Menschen unter sich begraben.
  • Wir sind angetreten, um den Textilarbeiterinnen und -arbeitern Zukunftsperspektiven zu präsentieren und wirtschaftliche Chancen durch faire Bezahlung zu geben.
  • Und wir sind dafür angetreten, dass sorgsam mit Ressourcen umgegangen wird, dass Wasser effizient eingesetzt wird, dass Böden nicht ausgelaugt werden.

Kurzum, wir alle wollen, dass Standards zum Standard werden!
Dass Perspektiven entstehen und Lebensgrundlagen erhalten bleiben!

Jedes Ziel für sich genommen ist es wert, mit allem Nachdruck verfolgt zu werden. Aber: Jedes Ziel für sich genommen ist auch eine große Herausforderung. Alle Ziele zusammen genommen sind eine Mammutaufgabe! Nicht die Bundesregierung, nicht die NGOs, nicht die Standard-Organisationen, nicht die Gewerkschaften, und nicht die Unternehmen können diese Aufgabe alleine erfüllen. Dafür braucht es unser aller Kraft, unsere gemeinsame Anstrengung.

Mir ist auch klar: Das geht nicht von heute auf morgen. Das braucht Zeit. Denn wir arbeiten daran, gewachsene Strukturen zu verändern. Aber, meine Damen und Herren, wir haben schon viel erreicht!

Wir haben uns auf gemeinsame Bündnisziele geeinigt. Wenn man sich anschaut, wie unterschiedlich die Interessen und Äußerungen der Gruppen in diesem Raum oftmals sind, ist das für sich genommen schon eine Sensation!

Aber das war erst der Anfang. Alle eingerichteten Arbeitsgruppen arbeiten sehr aktiv an der Umsetzung der gemeinsamen Ziele. Und damit meine ich Sie, die vielen Mitglieder des Bündnisses.

Ich weiß, dass es nicht immer einfach ist, wenn man sich die unterschiedlichen Interessenlagen anschaut oder den unterschiedlichen Grad der Entwicklung. Aber der von uns angestoßene Prozess ist einzigartig. Durch ihn übernehmen wir gemeinsam Verantwortung.

Wir haben aus den Stufen der gesamten Lieferkette konkrete Schlüsselfragen und Indikatoren abgeleitet. Und jedes Mitglied hat dazu seine individuellen Ziele und Maßnahmen hinterlegt. In diesem Jahr wurden die ersten Maßnahmenpläne eingereicht. Möglich war dies vor allem durch Ihre engagierte Überzeugungsarbeit in Ihren Organisationen. Ich weiß, wovon ich rede, denn die Bundesregierung hat ja selbst einen Maßnahmenplan eingereicht, und glauben Sie mir, auch für die Abstimmung mit den anderen Ressorts brauchten wir Durchhaltevermögen. Wir alle haben aus dem ersten Durchlauf gelernt.

Doch am Ende steht unser gemeinsamer Erfolg: Gemeinsam haben wir 129 Maßnahmenpläne mit über 1.500 individuellen Zielen entlang der gesamten Wertschöpfungskette: im Bereich der Sozialstandards, im Bereich Chemikalien- und Umweltmanagement und im Bereich Naturfasern. Darauf können wir zu Recht stolz sein!

Unser Bündnis baut auf drei starken Säulen auf:

Erstens auf individueller Verantwortung der Bündnismitglieder mit den jährlichen Maßnahmenplänen.

Zweitens auf unseren gemeinsamen Bündnisinitiativen. Auch hier haben wir schon viel erreicht:

Zum Beispiel fiel im südindischen Tamil Nadu vor knapp drei Wochen der Startschuss für eine Bündnisinitiative zum Thema Sozialstandards in Baumwollspinnereien. Schätzungsweise 500.000 Arbeiterinnen und Arbeiter werden von diesem Programm profitieren.

Ähnliche Erfolge konnten wir in Bangladesch verzeichnen: Hier ist unsere gemeinsame Initiative zum Chemikalien- und Umweltmanagement bereits dabei, Trainingsmaterialien zu vereinheitlichen.

Und bei der Bündnisinitiative in Pakistan zum Thema Wassermanagement im Baumwoll-Anbau hat der Dialog mit den beteiligten Partnern vor Ort sogar bereits begonnen.

Sie sehen, hier wird Bündnisgeist lebendig und Wirkung sichtbar.

Drittens bauen wir auf gemeinsames Lernen und den Dialog. Das Bündnissekretariat hat das Angebot ausgebaut und hält eine Vielzahl an hilfreichen Schulungen, Handreichungen, Webinaren, Workshops für Sie bereit. So teilen Sie Ihre Expertise und Erfahrungen mit anderen Bündnismitgliedern. Das ist vorbildlich.

Das Bündnissekretariat arbeitet außerdem daran, Kooperationen mit europäischen und internationalen Partnern aufzubauen. Denn wir brauchen auch einen europäischen, einen internationalen Ansatz, um Sorgfaltspflichten in der gesamten Branche umzusetzen.

  • Deshalb hat das Textilbündnis die international anerkannte Liste gefährlicher Chemikalien übernommen, die aus dem Produktionsprozess verschwinden sollen.
  • Deshalb spricht das Textilbündnis mit seinem niederländischen Pendant, mit dem Dutch Covenant.
  • Darum ist das Sekretariat im Austausch mit der Sustainable Apparel Coalition.

In strategischen Kooperationen wollen wir so Anforderungen und Nachweissysteme angleichen. Mit deutlichen Synergiegewinnen für Doppelmitglieder.

Wir wollen die Anschlussfähigkeit des Textilbündnisses an andere europäische und internationale Initiativen sichern. Darum werden wir uns bei der Überarbeitung unseres Fragerasters an international anerkannten Leitprinzipien orientieren. Nur so erreichen wir gemeinsam mit Partnern systemische Veränderungen.

Denn es ist klar: Die Internationalisierung muss vorangehen. Beim Thema Lieferketten muss man über den Tellerrand schauen. Wir alle wissen: Ein level playing field ist erfolgsentscheidend!

Deswegen wollen wir unsere Marktabdeckung deutlich ausweiten. Wir versammeln hier die Hälfte des deutschen Textilmarktes. Das ist gut. Das gibt uns Marktmacht. Aber, ich bin überzeugt: mehr ist möglich! Im nächsten Jahr wollen wir weitere gewichtige Mitglieder ins Bündnis holen. Daher mein Appell an Sie alle: Überzeugen Sie Ihre Kolleginnen und Kollegen! Nutzen Sie jede Gelegenheit! Holen Sie sie mit ins Boot!

Denn der Weg, den wir gemeinsam eingeschlagen haben, ist der richtige! Sie sind es, die den Wandel möglich machen. Danke für Ihr Engagement!

Sie alle entscheiden darüber, ob das Bündnis ein Erfolg wird. Deshalb: Bleiben Sie am Ball! Es ist der Mühe wert! Das Textilbündnis wird Wirkung zeigen!

Lexikon der Entwicklungspolitik

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