Hauptinhalt

März

Chancen deutscher Unternehmen in der Entwicklungszusammenarbeit im Licht globalen Wettbewerbs


Rede des Parlamentarischen Staatssekretärs Thomas Silberhorn beim Internationalen Wirtschaftsrat e.V. (IWR) am 22. März 2017 in Berlin

Es gilt das gesprochene Wort!

Exzellenzen,
sehr geehrte Damen und Herren,

wo auch immer ich in der Welt hinkomme, treffe ich auf großes Interesse an Investitionen deutscher Unternehmen, an der Qualität deutscher Produkte, an unserer Ausbildungsleistung, an den Umweltstandards und den Arbeitsbedingungen, die Sie als Unternehmer mitbringen. Viele deutsche Unternehmen nutzen die Globalisierung!

Doch die Weltbank stellt Anfang des Jahres fest: Stagnierender Welthandel, gedämpfte Investitionen und erhöhte politische Unsicherheiten bestimmen die Weltwirtschaft. Gleichzeitig spricht das World Economic Forum in seinem Global Risks Report 2017 von steigender Ungleichheit und einer zunehmenden Polarisierung der Gesellschaften.

Die Welt braucht eine faire Globalisierung! Entwicklungsländer müssen in den Weltmarkt integriert werden. Sie brauchen mehr Investitionen und mehr Wertschöpfung im Land. Sie brauchen faire, nachhaltige Entwicklung, sozial und ökologisch. Denn gerade Entwicklungsländer bieten auch Chancen für unsere Wirtschaft. Und gerade Sie, die deutschen Mittelständler, sind prädestiniert, sich in den aufstrebenden Ländern zu engagieren!

Ich denke dabei vor allem an Afrika. Jahr für Jahr stellt die Beratungsfirma Ernst & Young in ihrem Africa Attractiveness Survey das gleiche, einfache wie verblüffende Ergebnis ihrer Untersuchungen fest: Für nicht-afrikanische Unternehmen, die schon in Afrika sind, ist der Kontinent der attraktivste Investitionsstandort überhaupt. Für Unternehmen, die Afrika bisher nur von außen betrachtet haben, trifft das genaue Gegenteil zu.

Von 3,5 Millionen deutschen Unternehmen sind 400.000 international tätig. Von diesen 400.000 wiederum investieren keine 1.000 in Afrika. Das ist ein beachtlich geringer Teil der deutschen Wirtschaft! Dabei bietet der afrikanische Kontinent für deutsche Unternehmer noch viele ungenutzte Potentiale. Afrika ist ein dynamischer Kontinent. Seit Jahren verzeichnet der Kontinent ein überdurchschnittlich hohes Wirtschaftswachstum, aktuell weltweit das zweithöchste nach Ostasien.

Jedes zweite afrikanische Land gehört inzwischen zu "Ländern mittleren Einkommens" – so wie Indien oder China. Wachsende Mittelschichten sowie zunehmende politische Stabilität machen Afrika mehr und mehr zu einem attraktiven Partner für deutsche Unternehmen.

Afrika ist auch ein Kontinent voller Energie und Ideenreichtum. In vielen Ländern des Kontinents findet eine digitale Revolution statt. Das mobile Bezahlsystem M-Pesa wurde in Kenia erfunden. Das ermöglicht einen bargeldlosen Zahlungstransfer ohne Bankkonto. Monatlich werden mehr als 4,6 Milliarden US-Dollar über mobile Bezahlung innerhalb Afrikas transferiert. Das ist mehr als die monatliche Transfersumme von PayPal! Afrika gehört zu den am stärksten wachsenden Märkten für Mobiltelefone, Tablets und Laptops. Südlich der Sahara wird es in einigen Jahren eine Milliarde Handybesitzer geben! Der afrikanische Kontinent boomt an allen Ecken und Enden. Und sucht starke Partner!

Gleichzeitig steht der Kontinent auch vor Herausforderungen. Die Bevölkerung Afrikas wird sich – so der Trend weitergeht – bis 2050 verdoppeln, auf voraussichtlich über 2,4 Milliarden Menschen. Das sind über 2 Milliarden Menschen, die Nahrung, Zugang zu Energie und Gesundheitssystemen benötigen. Millionen junger Menschen, die Schulen, Ausbildungsplätze und Universitäten brauchen.

Afrikas Wirtschaft wächst rasant, aber sie ist noch weit davon entfernt, die jährlich notwendigen 20 Millionen Jobs zu schaffen, die junge Menschen für eine Bleibeperspektive brauchen. Diese Herausforderungen sind exemplarisch. Doch sie zeigen: Um sie anzugehen, reichen öffentliche Gelder allein nicht aus.

Wir sind überzeugt, dass wir eine neue Dimension der Zusammenarbeit brauchen; und dazu auch neue Instrumente. Aus diesem Grund ist eine Partnerschaft mit Afrika ein Schwerpunkt der deutschen G20-Präsidentschaft. Und aus diesem Grund hat das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Eckpunkte für einen Marshallplan mit Afrika entworfen.

Wir wollen durch verbesserte Rahmenbedingungen mehr private Investitionen möglich machen. Sie wissen es am besten: Die Wirtschaft, nicht der Staat, ist Motor für Jobs und Wachstum! Wir wollen mehr Investition statt Subvention; mehr Unternehmertum statt Staatshilfe. Die Afrikanische Union hat mit der Agenda 2063 eigene Reformen wie gute Regierungsführung oder Investitionen in Bildung für Afrikas Zukunft formuliert.

  •  Wir wollen daher insbesondere diejenigen afrikanischen Länder intensiv stärken, die diese Reformen fördern. Das heißt, wer in seinem Land Rechtsstaatlichkeit schafft, Menschenrechte gewährleistet und Korruption bekämpft, mit dem wollen wir künftig intensiver und noch gezielter zusammenarbeiten.
  • Die Anstrengungen sollen sich lohnen: Wir werden im aktuellen Haushalt dafür eine Reformtranche bereithalten. Für reformorientierte Länder bedeutet das "more for more".
  • Wir unterstützen auch den verantwortungsvollen Umgang mit Staatsmitteln – und damit eine Erhöhung der afrikanischen Steuerquote. Wir unterstützen den Aufbau von effizienteren und schnelleren Verwaltungen.
  • Durch Steuerbetrug und illegale Finanzströme entgehen Afrika rund 385 Milliarden US-Dollar pro Jahr – dreimal so viel wie alle jährlichen Entwicklungsgelder. Wir unterstützen daher auch den Kampf gegen illegale Finanzströme.
  • Heute zählen über die Hälfte der Afrikanerinnen und Afrikaner zu den Jugendlichen – Tendenz steigend. Daher legen wir einen starken Fokus auf ihre Förderung. Mit der Afrikanischen Union starten wir eine Ausbildungsinitiative für neue Perspektiven. Wir fördern den Ausbau von Ausbildungszentren, mit konkreten dualen Lernmöglichkeiten in Unternehmen und Berufsschulen. Dabei fördern wir insbesondere junge Frauen.

Bessere Rahmenbedingungen, effektivere Mittelverwendung, Stärkung der Berufsbildung: Mit all dem wollen wir ein besseres Investitionsklima auf dem afrikanischen Kontinent fördern. Der Marshallplan steht für eine zukunftsfähige Zusammenarbeit mit Afrika, in der private Investitionen ebenso wichtig sind wie Entwicklungsgelder. Denn es lohnt sich, Afrika als unternehmerisches Ziel stärker wahrzunehmen!

Deutsche Unternehmen haben die besten Voraussetzungen für ein erfolgreiches Engagement auf dem afrikanischen Markt. Sie gelten als sehr zuverlässig, und Produkte "Made in Germany" sind hoch angesehen. Wir wollen die deutsche Wirtschaft mit unseren Instrumenten noch stärker dabei unterstützen, in Entwicklungsländern zu investieren:

  • Wir stellen mehr Geld zur Verfügung: Für das Jahr 2017 wurden die Mittel für die Entwicklungspartnerschaften der Wirtschaft auf 126 Millionen Euro erhöht.
  • Wir bieten mehr Service: Wir haben die "Agentur für Wirtschaft und Entwicklung" mit mehr Personal und mehr Ressourcen ausgestattet. In Berlin, direkt im Haus der Verbände, - ist sie Ihr Kontakt zur Entwicklungszusammenarbeit.
  • Wir sorgen für mehr Beratung: Wir unterstützen deutsche Unternehmen durch Expertinnen und Experten in den Auslandshandelskammern, die vor Ort Ihr direkter Ansprechpartner sind. Unsere sogenannten "EZ-Scouts" stehen Ihnen in Kammern und Verbänden mit Rat und Tat zur Seite.
  • Wir stellen mehr Geld zur Verfügung: Zurzeit laufen in Afrika mehr als 100 gemeinsame Projekte von EZ und Privatwirtschaft. Das BMZ hat bisher über 325 Millionen Euro für dieses Programm bereitgestellt. Für die beteiligten Unternehmen sind diese Partnerschaften oft Türöffner zu neuen Märkten.
  • Wir haben mehr Hermes für Afrika versprochen und auch eingelöst: Lieferungen und Leistungen an öffentliche Auftraggeber in vielen Staaten können durch staatliche Exportkreditgarantien abgesichert werden.

Unsere Förderprogramme richten sich vor allem an den Mittelstand – zu beiderseitigem Vorteil. Der deutsche Mittelstand wird in die Lage versetzt, neue Märkte zu erschließen. Afrikanische Länder gewinnen wertvolles Know-how. Afrika und Europa sind Nachbarn. Partnerschaftlich wollen wir die Herausforderungen der Zukunft angehen. Dabei braucht die Politik die Wirtschaft ebenso als Partner wie andere Staaten. Wir möchten Sie motivieren, die wirtschaftlichen Chancen Afrikas zu nutzen.

Wo die Wirtschaft nachhaltig wächst und die Armut schwindet, entstehen Zukunftsperspektiven. Wo Unternehmen auf qualifizierte und gesunde Arbeitskräfte zurückgreifen können, steigen Produktivität, Wettbewerbsfähigkeit und Wohlstand. Wo die Umwelt durch nachhaltige Produktion und Produkte geschützt wird, können Ressourcen nachwachsen und die Schöpfung bewahrt werden.

Lassen Sie uns die gemeinsamen Potentiale besser nutzen. Denn wir alle profitieren, wenn dies gelingt!

Lexikon der Entwicklungspolitik

Fenster schließen

 

Seite teilen