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November

Eröffnungsrede des Parlamentarischen Staatssekretärs Thomas Silberhorn beim Deutsch-Jordanischen Wasserdialog


am 2. November 2016 in Amman, Jordanien

Es gilt das gesprochene Wort

Sehr geehrter Herr Minister,
sehr geehrte Gäste der vertretenen Unternehmen – aus Deutschland und Jordanien,
sehr geehrte Damen und Herren,

ich freue mich, Sie heute zur Eröffnung des Deutsch-Jordanischen Wasserdialogs begrüßen zu können. Zusammen mit den Kollegen der German Water Partnership haben wir Sie eingeladen, um zwei Tage die Herausforderungen für den jordanischen Wassersektor zu diskutieren sowie über die Chancen für deutsche Unternehmen aus dem Wassersektor für Partnerschaften und Investitionen in Jordanien.

Schön, dass die wichtigsten Akteure für den Deutsch-Jordanischen Wasserdialog heute hier sind: Vertreter der Regierung, der Wasserversorger und privater Unternehmen – sowohl aus Deutschland als auch aus Jordanien. Wir brauchen Sie alle, um der Wasserkrise Jordaniens zu begegnen.

Bereits vor dem syrischen Bürgerkrieg klaffte in Jordanien eine Lücke zwischen dem Angebot und dem Bedarf an Wasser. Die Flüchtlingskrise hat diese Situation vor allem im Norden Jordaniens deutlich verschärft, da inzwischen 1,4 Millionen Syrer in Jordanien zusätzlich mit Wasser versorgt werden müssen.

Die starke Übernutzung der erneuerbaren Wasserressourcen führt zu drastisch fallenden Grundwasserspiegeln. So drastisch, dass langfristig die Wasserversorgung des Landes – und damit auch die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung – gefährdet ist, sofern nicht deutlich gegengesteuert wird.

Die jordanische Regierung hat in den vergangenen Jahren wesentliche Reformschritte eingeleitet und eine ambitionierte und strategische Wasserpolitik vorangetrieben. Sie hat zum Beispiel die Wasser- und Abwassertarife angehoben, um zu einer besseren Kostendeckung beizutragen und Anreize gegen Wasserverschwendung zu setzen. Und sie hat das Vorgehen gegen illegale Grundwasserentnahmen und Wasserdiebstahl verstärkt.

Deutschland ist beeindruckt, dass Jordanien diese Wasserkrise als Chance nutzen will. Wir werden dies wo irgend möglich intensiv unterstützen. Denn die Herausforderungen bleiben enorm und erfordern innovative Lösungen. Eine besondere Herausforderung bleibt, die Privatisierung der Wasserversorgungs- und Abwasserentsorgungsbetriebe weiter voranzutreiben.

Die deutsche Entwicklungspolitik verfolgt zwei strategische Ansätze, um zusammen mit unseren jordanischen Partnern, die Wasserversorgung Jordaniens zu verbessern: Erstens tragen wir dazu bei, Wasserinfrastruktur wie zum Beispiel Tiefbrunnen zu rehabilitieren, Wassertransportleitungen zu bauen und Verteilernetze auszubauen. Zweitens fördern wir die effizientere Nutzung vorhandener Wasserressourcen. Denn die Wasserverlustraten sind sehr hoch, sie liegen bei circa 50 Prozent, in den nördlichen Verwaltungsbezirken teilweise sogar bei 70 Prozent.

So tragen wir bei zum Ziel der Agenda 2030, allen Menschen den Zugang zu saubere Trinkwasser zu ermöglichen. Dabei achten wir darauf, dass diese Verbesserungen sowohl Jordaniern als auch den aufgenommenen Flüchtlingen zugutekommen.

Gemeinsam mit unseren jordanischen Partnern war Deutschland Pionier bei Maßnahmen, die aufbereitetes Abwasser in der Landwirtschaft wiederverwenden oder die Energieeffizienz steigern. Diese Maßnahmen zeigen Wirkung: Zum Beispiel wurde der Wasserbedarf von rund 570.000 Menschen in den nördlichen Gouvernoraten durch die Rehabilitierung und das Bohren von 28 Tiefbrunnen gedeckt.

Trotz aller positiven Entwicklungen ist ein stärkeres Engagement des Privatsektors unabdingbar, um innovative und langfristige Lösungen für Jordaniens Wasserkrise zu finden. Jordaniens Wassersektor bietet Potenzial für ein stärkeres deutsches privatwirtschaftliches Engagement. Denn die deutsche Wasserwirtschaft genießt in Jordanien hohes Ansehen als Partner für Wissens- und Technologietransfer. Die Qualität "Made in Germany" wird hier sehr geschätzt.

Doch Qualität hat ihren Preis. Wir Deutsche gelten als teuer. Aber auf längere Sicht ist teurer günstiger: Höhere Anfangsinvestitionen zahlen sich langfristig aus, dank der besseren Qualität und Effizienz der Anlagen. Dieses Konzept der "Lebenszykluskosten" gilt es in Projekten unter Beweis zu stellen. Hier haben insbesondere mittelständische deutsche Unternehmen etwas zu bieten, zum Beispiel Hocheffizienzpumpen. Sie bieten innovative Lösungen mit Synergieeffekten hinsichtlich Umwelt- und Klimaschutz, Wirtschaftlichkeit sowie Versorgungssicherheit.

Investitionen in Jordanien sind auch deshalb wichtig, um das dringend benötigte Wirtschaftswachstum anzukurbeln und Arbeitsplätze zu schaffen. Unsere Vorhaben der beruflichen Bildung wollen wir daher noch stärker mit Unternehmen verknüpfen, die Beschäftigungsperspektiven bieten.

Unser Haus hat Anfang dieses Jahres die Agentur für Wirtschaft und Entwicklung ins Leben gerufen. Ziel ist es, Unternehmen eine umfassende Beratung zu unseren Förderinstrumenten zu bieten. Besonders bei der Umsetzung der Agenda 2030 wollen wir künftig noch strategischer und intensiver mit der Wirtschaft kooperieren. Bereits hier in Jordanien ansässige deutsche Institutionen sind Brückenbauer, um Geschäftsmöglichkeiten für private Unternehmen zu erschließen und zusätzliche finanzielle Ressourcen – wie etwa über die internationale Klimafinanzierung – für Jordanien zu mobilisieren.

Der Deutsch-Jordanische Wasserdialog ist ein erster Schritt, um das Potenzial des Privatsektors in Jordanien besser auszuschöpfen. Nutzen wir die kommenden zwei Tage als Startschuss für viele weitere deutsch-jordanische Kooperationen!

Lexikon der Entwicklungspolitik

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