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Oktober

Langfristiges Engagement


Artikel von Thomas Silberhorn, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, in der Zeitschrift E+Z.

Den Beitrag finden Sie auch auf der E+Z-Website hier.

Westafrikas Ebola-Krise fordert die gesamte internationale Gemeinschaft. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) stellt sich der Aufgabe.

Am 18. September 2014 erklärte der UN-Sicherheitsrat die Ebola-Epidemie zu einer Bedrohung für den Weltfrieden und die globale Sicherheit. Seitdem hat sich die in Liberia, Sierra Leone und Guinea grassierende Epidemie weiter zugespitzt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) muss die Zahl der Todesopfer täglich nach oben korrigieren. Die Zahl der Neuinfektionen nimmt exponentiell zu. Bis Ende des Jahres könnte die Zahl der Ebola-Fälle auf über 100.000 ansteigen.

Hinter diesen Fakten verbirgt sich unermessliches menschliches Leid. Für die Virus­erkrankung gibt es bisher keine wirksamen Medikamente und auch keine Impfung. Einzig und allein die Isolierung der Kranken kann die Ansteckungskette unterbrechen. Jeden Tag werden mehr Kinder zu Waisen, jeden Tag werden ganze Familien ausgelöscht. Das Ebola-Virus dringt überdies in alle Bereiche der Gesellschaft vor. Es zerstört die ohnehin schwachen Gesundheitssysteme. Es stigmatisiert die Ärzte und Krankenschwestern, die ihren Dienst tun und noch nicht infiziert sind. Es führt dazu, dass kranke Menschen nicht mehr versorgt werden und an anderen behandelbaren Krankheiten sterben. Die Ebola-Epidemie gefährdet die Versorgung mit Nahrungsmitteln, da viele Bauern ihre Felder nicht bestellen konnten und die Nachbarstaaten ihre Grenzen geschlossen haben. Die Gefahr ist daher groß, dass Liberia, Sierra Leone und Guinea, die zu den ärmsten Ländern der Welt zählen und durch vergangene Bürgerkriege und Konflikte besonders fragil sind, erneut in Gewalt und Chaos versinken.

Die Bundesregierung ist sich der außerordentlichen Dringlichkeit bewusst, in enger Abstimmung mit internationalen Partnern schnell und wirksam zu helfen. Am aktuellen Maßnahmenpaket sind Auswärtiges Amt, BMZ, Gesundheitsministerium, Verteidigungsministerium und das Innenministerium beteiligt. Es umfasst den Aufbau einer Luftbrücke, die Errichtung von Krankenstationen, die Unterstützung privater Hilfsorganisationen (wie etwa Ärzte ohne Grenzen) sowie deutscher Forschungsinstitute, die bei der Diagnostik und der Ausbildung von Fachpersonal vor Ort helfen.

Das BMZ unterstützt den Krisenplan der WHO, um die Bevölkerung über die Krankheit und die Ansteckungsgefahren aufzuklären, um Ärzte und Pflegepersonal weiterzubilden und um zusätzliche Behandlungsstationen für Ebola-Patienten aufzubauen. Darüber hinaus unterstützt das BMZ das Welternährungsprogramm, das Kinderhilfswerk UNICEF und vor Ort tätige Nichtregierungsorganisationen, die an der Ebola-Bekämpfung wesentlich beteiligt sind.

Insgesamt belaufen sich allein die vom BMZ bereitgestellten Mittel auf über 60 Millionen Euro, die deutschen Anteile an multilateralen Beiträgen auf knapp 70 Millionen Euro. Darüber hinaus nutzt das BMZ seine Strukturen und Netzwerke aus der Entwicklungszusammenarbeit, wie zum Beispiel seine lokalen Mitarbeiter, um Präventions- und Aufklärungsmaßnahmen vor Ort zu unterstützen.

Natürlich haben Maßnahmen, die unmittelbar der Rettung von Menschenleben dienen, derzeit oberste Priorität. Gleichzeitig müssen wir jedoch überlegen, wie Entwicklungszusammenarbeit die betroffenen Länder unterstützen kann, Strukturen aufzubauen, die die nächste Katastrophe vermeiden helfen.

Es liegt auf der Hand, dass eine Stärkung der Gesundheitssysteme dringlich ist, um einen nochmaligen Ausbruch der Epidemie zu verhindern. Dass es Nigeria und Senegal gelungen ist, die Ausbreitung des Ebola-Virus vorerst zu stoppen, hängt nicht nur mit einem schnellen Eingreifen der Behörden, sondern auch mit einem vergleichsweise robusten Gesundheitssystem zusammen. In Liberia gibt es dagegen nur einen Arzt und etwa 250 Krankenschwestern für 100.000 Einwohner! Ähnlich gering sind die Kapazitäten in Sierra Leone und Guinea. Der desolate Zustand der dortigen Gesundheitssysteme darf allerdings nicht den Blick dafür verstellen, dass auch der Bildungssektor sowie grundlegende Dienste, wie die Wasser- und Sanitärversorgung sowie die Energie- und Transportinfrastruktur, ge­stärkt werden müssen, um das Vertrauen der Bevölkerung in staatliche Strukturen wiederzugewinnen. Die Ebola-Krise hat in dramatischer Weise deutlich gemacht, dass die internationale Gemeinschaft sich in dieser Region langfristig und umfassend engagieren muss, um Frieden und Sicherheit zu gewährleisten.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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