Hauptinhalt

November

Zukunft für Kinderrechte in der Entwicklungszusammenarbeit


Rede des Parlamentarischen Staatssekretärs Thomas Silberhorn zur Eröffnung eines Expertenforums des BMZ anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der VN-Konvention über die Rechte des Kindes

am 25.11.2014 im BMZ in Berlin

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrter Herr Exekutivdirektor Anthony Lake,
liebe Kolleginnen und Kollegen aus dem Deutschen Bundestag,
liebe Jugendlichen,
meine Damen und Herren,

herzlich willkommen hier im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in Berlin. Es ist mir eine besondere Freude, Herrn Anthony Lake zu begrüßen, den Exekutivdirektor von UNICEF, dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen.

Mit dem heutigen Expertenforum feiern wir den 25. Geburtstag der VN-Konvention über die Rechte des Kindes. Fast alle Staaten der Welt haben dieses Abkommen inzwischen ratifiziert – es ist damit der VN-Vertrag mit der weltweit größten Akzeptanz. Die Kinderrechtskonvention ist ein Meilenstein des Menschenrechtsschutzes und der internationalen Zusammenarbeit. Und sie ist wichtiger als je zuvor – denn noch nie zuvor gab es so viele Kinder und Jugendliche wie heute: 42 Prozent der Weltbevölkerung!

Kritiker solcher völkerrechtlichen Verträge sind der Meinung, sie seien das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt sind. Das sehe ich ganz anders.

Die Kinderrechtskonvention schreibt verbindlich fest, dass Kinder eines besonderen Schutzes bedürfen. Und dass sie als eigene Persönlichkeiten eigene Rechte haben.

Die Kinderrechtskonvention bringt Werte zum Ausdruck. Sie sagt, wie die Welt sein sollte. Dabei ist klar, dass die Wirklichkeit nicht immer den Normen entspricht. Aber die Konvention ist eine Verpflichtung, alles zu tun, um die Wirklichkeit an die Normen heranzuführen.

Sie ist für uns und unsere Partnerländer ein Handlungsauftrag, den wir sehr ernst nehmen. Sie ist eine Latte, an der wir den Erfolg unserer Arbeit messen.

In den letzten 25 Jahren wurde bereits viel erreicht, um die Lebenssituation von Kindern zu verbessern.

Bei der Gesundheit zum Beispiel konnten große Fortschritte erzielt werden. Die Kindersterblichkeit wurde fast halbiert.

Auch bei der Bildung geht es voran. Der Anteil der Kinder mit Grundschulbildung stieg von 80 Prozent auf 90 Prozent. Fast genauso viele Mädchen können inzwischen die Grundschule besuchen wie Jungen – das ist ein großer Erfolg.

Aber es bleibt auch noch viel zu tun, um Ziel und Wirklichkeit einander anzunähern.

  • Weltweit sterben täglich immer noch 17.000 Kinder unter 5 Jahren, die meisten davon an Unterernährung und vermeidbaren oder behandelbaren Krankheiten.
  • 57 Millionen Kinder können trotz aller Fortschritte nicht zur Schule gehen. Und 250 Millionen Kinder können trotz Schulbesuch nicht ausreichend lesen, schreiben und rechnen, weil die Unterrichtsqualität nicht gut ist.
  • 168 Millionen Mädchen und Jungen müssen eine Arbeit ausüben, die ihre Entwicklung, ihre Gesundheit und ihre Bildungschancen beeinträchtigt.
  • Für viele beginnt die Verletzung von Kinderrechten bereits bei der Geburt: Jedes dritte Kind wird nicht registriert. Sie existieren deshalb für den Staat nicht und sind oft Diskriminierungen ausgesetzt. Auf dieses Problem weist die Ausstellung von Plan International hin, die hier gezeigt wird.
  • Zahlreiche Kinder sind zudem Opfer von körperlicher Gewalt und Missbrauch. Nicht Kriege fordern weltweit die meisten Opfer, sondern häusliche Gewalt gegen Kinder und Frauen. Der heutige internationale Tag für die Beseitigung von Gewalt gegen Frauen ist ein Appell an uns, diesem Problem besondere Aufmerksamkeit zu widmen.

Das Spektrum der Herausforderungen ist breit. Entsprechend breit sind unsere Antworten.
Ernährungssicherung, Bildung und Gesundheit sind für uns wichtige Handlungsfelder, weil sie unmittelbar die Lebensbedingungen von Kindern verbessern.

Wir sehen die Achtung, den Schutz und die Gewährleistung der Kinderrechte als wichtigen Bestandteil unserer Entwicklungspolitik. Zum Beispiel engagieren wir uns gegen ausbeuterische Kinderarbeit im Baumwoll- und Kakaoanbau in Westafrika.

UNICEF ist für uns ein wichtiger Kooperationspartner, um Kinderrechten mehr Beachtung zu verschaffen. Das gilt sowohl in konzeptioneller Hinsicht bei der Entwicklung neuer Ansätze als auch in konkreten Projekten vor Ort. Besonders intensiv arbeiten wir derzeit mit UNICEF daran, die Auswirkungen der Syrien-Krise und der Ebola-Epidemie für Kinder einzudämmen.

Das Recht von Kindern und Jugendlichen auf Beteiligung und Mitsprache nehmen wir auch in unserer eigenen Arbeit als BMZ sehr wichtig. Zusammen mit UNICEF haben wir letztes Jahr unter dem Titel "World We Want" ein Dialogforum gestartet, bei dem Jugendliche ihre Vorschläge für eine nachhaltige Entwicklung in den Diskussionsprozess über die Post-2015-Agenda der Vereinten Nationen einbringen können. Auch bei der Erstellung der Zukunftscharta und beim gestrigen Zukunftsforum hat sich diese Gruppe stark engagiert.

Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer von "World We Want" sind heute hier: Herzlichen Dank für Euer Engagement!

Gerade wenn es um die Zukunft geht, müssen wir auf die Stimmen der Kinder und Jugendlichen hören – denn es ist ja vor allem ihre Zukunft.

Die Entwicklungschancen von Kindern und Jugendlichen sind ein zentraler Bestandteil der Zukunftscharta. Es ist kein Zufall, dass wir uns am Tag nach unserem großen Zukunftsforum mit den Kinderrechten beschäftigen.

Die Kinderrechte müssen weltweit verwirklicht werden – das ist unser Ziel. Und so sehe ich es als ein schönes Geschenk zum 25. Geburtstag der Kinderrechtskonvention, dass das Individualbeschwerdeverfahren im April dieses Jahres in Kraft getreten ist. Deutschland hatte dieses Zusatzprotokoll als eines der ersten Länder unterzeichnet. Das verleiht der Kinderrechtskonvention noch mehr Nachdruck.

Meine Damen und Herren ,
wir wollen heute nicht nur diskutieren, wer was in der Entwicklungszusammenarbeit noch besser machen könnte. Wir wollen Ihre Ideen auch einbringen in unseren Aktionsplan zur Umsetzung von Kinder- und Jugendrechten. Wir wollen unseren Beitrag leisten, die Wirklichkeit dem Ziel, das wir alle teilen, ein Stück näher zu bringen.

Ich wünsche uns allen eine erfolgreiche Veranstaltung.

Lexikon der Entwicklungspolitik

Fenster schließen

 

Seite teilen

BMZ-Adventskalender 2017

Gewinnen Sie 24 Einblicke in die deutsche Entwicklungszusammenarbeit und mit etwas Glück eine Überraschung!

Hier geht es zum BMZ-Adventskalender 2017!