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November

Energy in One World: Turn or Burn?!


Abschlussrede des Parlamentarischen Staatssekretärs Thomas Silberhorn bei den Bamberger Bildkorrekturen – entwicklungspolitische Konferenz für Nachwuchsjournalisten

am 08.11.2014 in Bamberg

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrte Damen und Herren,

Drei Tage haben Sie sich jetzt intensiv mit einem Thema beschäftigt, das von zentraler Bedeutung für die deutsche Entwicklungspolitik ist: Energie in der Einen Welt. Unser großes Ziel ist globale Nachhaltigkeit: eine nachhaltige Entwicklung in der Einen Welt und der Erhalt der Lebenschancen kommender Generationen. Dafür braucht es vor allem eines, eine nachhaltige Energieversorgung.

Energie spielt in allen Lebensbereichen eine zentrale Rolle:

  • Energie ist erforderlich für Grundbedürfnisse wie Essen kochen oder heizen.
  • Energie ist die Grundlage für wirtschaftliche Entwicklung, für Mobilität, für Informations- und Kommunikationstechnologien, für Industrie und eine moderne Landwirtschaft.

Der Handlungsdruck ist hoch:

  • 1,3 Milliarden Menschen haben keinen Strom. Etwa doppelt so viele kochen und heizen auf umwelt- und gesundheitsbelastende Weise mit einfachen Feuerstellen.
  • Schon heute ist der weltweite Energieverbrauch enorm. Er ist mit Abstand die größte Emissionsquelle von Treibhausgasen weltweit.
  • Und der weltweite Energiebedarf steigt weiter: Um 40 Prozent bis 2035. Davon entfallen 90 Prozent auf die Schwellen- und Entwicklungsländer.

Deshalb brauchen wir dringend eine globale Energiewende:

  • Wir müssen alle Menschen mit ausreichend Energie versorgen.
  • Wir müssen deutlich effizienter mit Energie umgehen.
  • Und wir müssen weg von klimaschädlichen, fossilen Energiequellen - hin zu erneuerbaren Energien.

Das sind unsere drei Ziele für eine globale Energiewende: Energie für alle, Effizienz, erneuerbare Energien.

Bereits die Energiewende in Deutschland ist ein sehr anspruchsvolles Vorhaben. Das gilt natürlich umso mehr im globalen Maßstab.

Was wir hier im Inland tun, hat auch eine erhebliche entwicklungspolitische Bedeutung. Denn wir gelten international als Vorreiter für die globale Energiewende. Das Gelingen der deutschen Energiewende hat eine wichtige Signalfunktion.

Unser Vorbild allein wird aber natürlich keine globale Energiewende bewirken. Deshalb stoßen wir mit unserer bilateralen Entwicklungszusammenarbeit auch ganz konkrete Maßnahmen in unseren Partnerländern an.

  • Wir haben uns vorgenommen, bis 2030 100 Millionen Menschen den Zugang zu Strom und nachhaltiger Koch- oder Heizenergie zu ermöglichen.
  • Wir fördern alle Formen von regenerativer Energie: Sonne, Wind, Wasser, Erdwärme und auch Biomasse, wenn dies nicht zu Lasten der Nahrungsmittelproduktion geht.
  • Energieeffizienz ist ein besonders wichtiges Handlungsfeld. Die Internationale Energieagentur hat berechnet, dass wir allein durch mehr Energieeffizienz die Hälfte der für das 2-Grad-Klimaziel erforderlichen Treibhausgas-Verringerung erreichen können. Gerade in Entwicklungs- und Schwellenländern ist das Potenzial besonders hoch, weil oft sehr ineffiziente Technologien eingesetzt werden: Hier können bis zu 85 Prozent Energie eingespart werden.

Für diese Handlungsfelder haben wir eine Vielzahl von Vorhaben in über 50 Ländern, die je nach den lokalen Erfordernissen sehr unterschiedlich ausfallen.

So sind in ländlichen Gebieten oft dezentrale Lösungen für die Energieversorgung angebracht.

  • Beispielsweise fördern wir in Bangladesh sogenannte "Solar Home Systems": Photovoltaikanlagen, die den Bedarf eines Haushalts decken.
  • Oder in Nepal kleine Biogasanlagen, die aus Kuhdung saubere Energie zum Kochen, Heizen und Beleuchten produzieren.
  • Besonders bewährt haben sich auch effiziente Kochherde. So kann zum Beispiel in Afrika eine durchschnittliche Familie mehr als eine Tonne Feuerholz im Jahr sparen, wenn sie auf diese einfachen, aber sehr wirkungsvollen Herde umsteigt. Sie stoßen weniger Rauch aus und verbessern so auch die Gesundheit, denn der beim Kochen entstehende Rauch führt jährlich zu über 3 Millionen Todesfällen - vor allem von Frauen und Kindern.

Wo es sich anbietet, fördern wir aber natürlich auch zentral organisierte Energieversorgung.

  • So entsteht derzeit in Marokko mit unserer Unterstützung ein modernes solarthermisches Kraftwerk. Es arbeitet, vereinfacht gesagt, mit Parabolspiegeln, die Sonnenstrahlen konzentrieren. Wenn dieses Kraftwerk nächstes Jahr in Betrieb geht, wird es mehr als eine halbe Million Menschen mit klimafreundlichem Strom versorgen.
  • In Indien fördern wir zum Beispiel die Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energien in das indische Verbundnetz.
  • Dort haben wir auch ein innovatives Projekt zur Förderung von Energieeffizienz in Wohnhäusern – ähnlich wie die KfW-Programme bei uns, nur dass es dort vor allem ums Kühlen und nicht ums Heizen geht.

Sie sehen, die Entwicklungspolitik kann eine Menge tun für die globale Energiewende. 2013 haben wir dafür mehr als 1,9 Milliarden Euro zugesagt. Energie ist damit der größte Förderbereich der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Das BMZ ist der Klimafinancier der Bundesregierung: 85 Prozent der internationalen Klimafinanzierung kommt aus unserem Etat. Und wir werden diesen Bereich noch deutlich ausbauen.

Die globale Energiewende kann aber nur gelingen, wenn alle Staaten dazu entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit beitragen: Industrie-, Entwicklungs- und Schwellenländer.

Die Sustainable Energy for All-Initiative von VN-Generalsekretär Ban Ki-Moon vereint die internationalen Anstrengungen im Bereich nachhaltiger Energie. Bis heute sind neben Deutschland schon über 80 Länder der Initiative beigetreten.

Es wurden klare Ziele gesetzt, die bis 2030 erreicht werden sollen:

  • erstens: Zugang zu moderner Energieversorgung für alle Menschen schaffen,
  • zweitens: die Geschwindigkeit verdoppeln, mit der wir die Energieeffizienz steigern, und
  • drittens: den Anteil erneuerbarer Energien am globalen Energiemix verdoppeln.

Sie werden es gemerkt haben, das klingt sehr nach den Zielen, die wir uns auch für unsere bilaterale Zusammenarbeit gesetzt haben. Das ist natürlich kein Zufall. Um diese ehrgeizigen Ziele zu erreichen, müssen wir alle an einem Strang ziehen.

Deshalb wollen wir diese Ziele auch in der Post-2015 Agenda für nachhaltige Entwicklung verankern, die nächstes Jahr im September von der UN-Generalversammlung beschlossen werden soll. Sie soll die Millenniumsentwicklungsziele ablösen und für alle Länder gelten.

2015 wird international ein besonders wichtiges Jahr für die globale Nachhaltigkeit. Nach den neuen globalen Zielen für nachhaltige Entwicklung soll dann im Dezember bei der Pariser Klimakonferenz ein neues, umfassendes und verbindliches Klimaabkommen beschlossen werden.

Wir wollen und müssen dort einen echten Durchbruch erzielen, um das 2-Grad-Ziel noch zu erreichen. Das wird viel kostengünstiger sein als die Bewältigung der Folgen einer noch stärkeren Erderwärmung.

Entwicklungsziele und Klimaverhandlungen - beide Prozesse stehen übrigens auch im Mittelpunkt der deutschen G7-Präsidentschaft.

Wir müssen jetzt einen echten Paradigmenwechsel vollziehen. Wir müssen endlich die Grenzen unseres Planeten respektieren. Nachhaltigkeit muss das Grundprinzip allen unseres Handelns werden.

Ganz entscheidend wird sein, dass sich alle daran beteiligen: Staaten, Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft. Und auch jede und jeder Einzelne. Wir brauchen eine neue globale Partnerschaft, die alle Kräfte mobilisiert.

Bundesminister Müller hat deshalb dieses Jahr alle entwicklungspolitisch Interessierten in Deutschland eingeladen, eine Zukunftscharta zu erarbeiten.

Sie soll die Grundlage für gemeinsame Aktivitäten, Partnerschaften und Projekte sein, die wir dann ab 2015 umsetzen werden. Tausende Menschen haben sich daran beteiligt.

Diese Zukunftscharta mit dem Titel "EINEWELT – Unsere Verantwortung" wird am 24. November der Bundeskanzlerin im Rahmen eines EINEWELT-Forums in Berlin überreicht. Auch Sie sind dazu herzlich eingeladen.

Gerade auch Journalistinnen und Journalisten können einen wichtigen Beitrag zum Paradigmenwechsel hin zu Nachhaltigkeit und zur globalen Energiewende leisten.

Der amerikanische Unternehmer Lee Iacocca hat einmal gesagt: "Journalisten legen die Tagesordnung der Nation fest".

Nachhaltigkeit und Energiewende sind sehr tiefgreifende Veränderungsprozesse. Gerade weil sie Zeit und Ausdauer brauchen, müssen sie immer wieder auf die Tagesordnung gesetzt werden.
Wir brauchen eine Berichterstattung über Fehlentwicklungen, die unter anderem auch uns Politiker aufrütteln, Dinge besser zu machen.

Wir brauchen eine Berichterstattung über Erfolgsgeschichten, die Menschen motivieren, selber aktiv zu werden.

Bitte behalten Sie das Thema globale Energiewende auch nach dieser Konferenz auf Ihrer und damit auch auf unser aller Tagesordnung.

Und jetzt freue ich mich auf die Diskussion mit Ihnen!

Lexikon der Entwicklungspolitik

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