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April
Grußwort von Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel zur Mitgliederversammlung des Afrika-Vereins der Deutschen Wirtschaft
Rede des Bundesentwicklungsministers
am 14. April 2011 in Berlin
Es gilt das gesprochene Wort!
Sehr geehrter Herr Dr. Breitengroß,
sehr geehrter Herr Meier-Ewert,
sehr geehrte Damen und Herren,
ich danke Ihnen für Ihre Einladung zu Ihrer Mitgliederversammlung. Für mich gehören die Begegnungen mit dem Vorstand und den Mitgliedern des Afrika-Vereins der deutschen Wirtschaft stets zu den besonders inspirierenden Momenten meines Minister-Daseins.
Ich gehe sogar so weit zu sagen: Sie als Afrika-Verein gehören zum exklusiven Kreis meiner wichtigsten Verbündeten. Denn wir haben zwei große strategische Gemeinsamkeiten:
Erstens teilen wir die Überzeugung, dass Entwicklungspolitik ohne die Beteiligung der Wirtschaft nicht erfolgreich sein kann. Und zweitens werben wir gemeinsam für ein positiveres Afrika-Bild.
Das ist bitter nötig bei uns in Deutschland, wo acht von zehn Befragten ausschließlich negative Stichworte einfallen, wenn sie sagen sollen, was ihnen zu Afrika einfällt. Afrika als Kontinent der Chancen, nicht als Kontinent der Krisen – das ist deshalb mein cantus firmus seit Beginn meiner Amtszeit geworden, den ich in allen meinen Reden mit Afrika-Bezug nicht müde werde zu wiederholen.
Und nachdem ich das jetzt anderthalb Jahre konstant durchgehalten haben, stelle ich nicht ohne Freude fest: Die Botschaft kommt allmählich an – das Afrikabild der deutschen Öffentlichkeit fängt an, sich zu wandeln. Wichtige deutsche Zeitungen titeln: "Afrikas Aufschwung XL" (Die Zeit, Dezember 2010) oder "Die Perspektiven für den schwarzen Erdteil waren noch nie so gut" (Euro am Sonntag, November 2010).
Große Beratungsfirmen wie Mc Kinsey schwärmen von den Chancen Afrikas, und renommierte Banken wie die Berenberg Bank und führende Wirtschaftsinstitute wie das HWWI sprechen vom Kontinent im Aufbruch.
In der Tat geben die fundamentalen Entwicklungsdaten Afrikas Anlass zu Optimismus: So sind nach einem kurzen Einbruch aufgrund der weltweiten Finanzkrise die jährlichen Wachstumsraten schon wieder auf das stabil hohe Niveau von vor der Krise zurückgekehrt. Das Handelsvolumen Deutschlands mit Afrika südlich der Sahara stieg 2010 um 24 Prozent auf den Rekordwert von 21,9 Milliarden Euro. Mit Afrika insgesamt stieg der deutsche Außenhandel um 17 Prozent auf 37 Milliarden Euro. Dass wir dabei – anders als mit anderen großen Wirtschaftsräumen – mit Afrika ein fast ausgeglichenes Verhältnis von Ein- und Ausfuhren haben, weist auf erste Erfolge bei der stärkeren Verzahnung von Entwicklungspolitik, Außenwirtschaftsförderung, gegenseitiger Marktöffnung und dem erfreulichen Engagement deutscher Unternehmen – also von Ihnen allen – auf unserem Nachbarkontinent.
Ein kohärentes Zusammenwirken von Politik und Wirtschaft gegenüber unseren Partnern in Afrika ist deshalb der Kerngedanke des neuen Afrika-Konzepts, das die Bundesregierung derzeit erarbeitet.
Was ist der Beitrag der Entwicklungspolitik dazu? Zunächst mal will ich an einen wissenschaftlich vielfach untersuchten Zusammenhang erinnern, der öffentlich allerdings immer noch wenig bekannt ist: Jeder einzelne Euro an bilateraler staatlicher Entwicklungszusammenarbeit generiert einen Euro und achtzig Cent an zusätzlichem deutschen Exportvolumen in das betreffende Partnerland.
Dieser Zusammenhang gilt wohlgemerkt nur für die bilaterale Entwicklungszusammenarbeit, nicht für die multilaterale; und das ist einer der Gründe dafür, weshalb sich diese Bundesregierung für einen dauerhaft größeren Anteil der bilateralen Mittel im Gesamthaushalt des BMZ entschieden hat.
Dieser positive Zusammenhang entsteht übrigens ohne jede Lieferbindung, allein durch das Vertrauen, das Ansehen, die Kontakte und die zusätzliche Nachfrage nach Investitionsgütern, die durch die Entwicklungszusammenarbeit erzeugt werden.
Neben einem weiteren Ausbau der Handelsbeziehungen braucht Afrika aber vor allem ein kräftiges Wachstum der Direktinvestitionen. Denn um ein selbsttragendes und breitenwirksames Wirtschaftswachstum zu erzielen, sind Handel und Investitionen die ausschlaggebenden Faktoren – mehr noch als die Höhe unsere staatlichen Leistungen der Entwicklungszusammenarbeit.
Schon heute übersteigt der Wert der deutschen Direktinvestitionen in Afrika das Gesamtvolumen unserer staatlichen Entwicklungszusammenarbeit weltweit. Mehr als unsere Vorgängerregierungen wollen wir diesen Trend mit unseren entwicklungspolitischen Instrumenten kräftig fördern. Ich nenne einige davon beispielhaft:
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Zunächst haben wir den gerade von Unternehmern vielfach beklagten Dschungel an Förderwegen und Ansprechpartnern gelichtet, indem wir eine einheitliche Servicestelle für die Wirtschaft im BMZ eingerichtet haben, die Unternehmen aus einer Hand zu allen Fragen des Zusammenwirkens von Entwicklungspolitik und Privatwirtschaft berät.
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In die deutschen Wirtschaftsverbände entsenden wir Verbindungsreferenten, sogenannte "Entwicklungs-Scouts", die dort maßgeschneidert realisierbare Projekte mit anbahnen helfen, Kooperationspartner suchen und für Investitionen in unseren Partnerländern werben.
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Die Unterstützung von Direktinvestitionen mittelständischer Unternehmen in unseren Partnerländern über die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) bauen wir aus und verbessern die Fördermöglichkeiten durch gezielte Beratungsleistungen. Die von Ihnen vielfach beklagte Beratungs- und Betreuungslücke für kleinere Investitionsprojekte wollen wir dabei zügig schließen.
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Wir beauftragen das Centrum für internationale Migration und Entwicklung (CIM), die deutschen Außenhandelskammern in Entwicklungs- und Schwellenländern durch weitere Experten zu unterstützen. Das werden die direkten Ansprechpartner der Unternehmen im Ausland sein.
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Schließlich bauen wir unser Programm develoPPP.de aus. DeveloPPP.de fördert öffentlich-private Entwicklungspartnerschaften, die das unternehmerische Eigeninteresse mit entwicklungspolitisch gewünschten Wirkungen verbindet. Gerade dieses Programm hat seit meinem Amtsantritt eine völlig neue Dynamik erfahren.
Die wichtigste Unterstützung, die Ihnen unsere Entwicklungspolitik bieten kann, nenne ich aber erst jetzt. Es ist die Förderung stabiler ordnungspolitischer Rahmenbedingungen in unseren Partnerländern, mit verlässlichem staatlichem Schutz für Produktionsanlagen und geistiges Eigentum und mit Rechtssicherheit für Ihre Investitionen.
Deshalb sind die Förderung guter Regierungsführung und nachhaltiger Wirtschaftsentwicklung – neben der Bekämpfung der Bildungsarmut – die beiden "Königs-Schwerpunkte" in unserer Entwicklungszusammenarbeit mit Afrika.
Mit all dem, was ich Ihnen hier skizziert habe, steuern wir den großen Tanker Entwicklungspolitik um. Es ist der größte Paradigmenwechsel in der Geschichte der deutschen Entwicklungspolitik; zurück zu den Fundamenten, die Walter Scheel 1961 gelegt hat:
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Weg von der alimentierenden, hin zur aktivierenden Entwicklungspolitik.
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Weg von der Bekämpfung der Symptome von Armut, hin zur Bekämpfung der Ursachen.
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Weg von der bürokratischen Bevormundung, hin zur partnerschaftlichen Servicekultur im Dienst der Eigenverantwortung aller Beteiligten.
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Weg vom süßen Gift der allgemeinen Budgethilfen, die vor allem den Staatsverbrauch anfeuern, hin zur Förderung der produktiven Kräfte in den Partnerländern, dank derer sie dauerhaft ihre eigenen Einnahmen und Ressourcen für Entwicklung erschließen können.
Denn das ist der zentrale Unterschied zwischen der liberalen und jeder sozialdemokratisch inspirierten Entwicklungspolitik: Unser Ziel ist nicht, die Hilfe auf immer höherem Niveau zu verstetigen. Sondern unser Ziel ist, dass unsere Partner so schnell wie möglich zu vollen Eigentümern ihrer wirtschaftlichen, sozialen und politischen Entwicklung werden.
Die aktuellen Ereignisse in Ägypten, in Tunesien, in Libyen und in der Elfenbeinküste sind – bei aller Unterschiedlichkeit – für dieses Ziel eine große Ermutigung, weil sie alle in dieselbe Richtung weisen: Von der Unfreiheit zur Freiheit, von der Bevormundung zur Selbstbestimmung.
Meine Damen und Herren, der Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft ist deutlich älter als das BMZ – und wenn es nach mir geht, soll er auch eine höhere Lebenserwartung haben. Sie alle können dabei mithelfen, dass das BMZ, das in diesem Herbst 50 Jahre alt wird, jedenfalls seinen hundertsten Geburtstag nicht mehr erleben muss – durch Ihren Mut und Ihre Initiative, durch Ihre unternehmerische Weitsicht, die wir noch viel stärker als bisher für die weltweiten Entwicklungsziele nutzen wollen.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen guten Verlauf Ihrer Mitgliederversammlung, viele fruchtbare Gespräche im Plenum und am Rande – und vor allem viele im besten Wortsinn Gewinn bringende Taten, die daraus erwachsen!
Start–up Africa!





