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Juni

Afrika im Wandel – Wirtschaft und Entwicklung


Rede von Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller beim Bayerischen Familienunternehmerkongress am 8. Juni 2018 in Straubing

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Familienunternehmerinnen und Familienunternehmer,

die Welt ist im Umbruch, Afrika ist im Aufbruch! Ihre Firmen haben die Lösungen, Kompetenz und Technologie, um die Armuts-, Energie, Gesundheits-, und Infrastrukturfragen zu lösen. Die Menschen in Entwicklungsländern warten auf Sie.

Fast 100 bayerische Unternehmen sind in Afrika aktiv. Ein Drittel davon kooperiert mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Viele Kooperationsprojekte sind großartige Erfolgsgeschichten, wie zum Beispiel die Firma Krones aus Neutraubling: Wir haben dort eine Saftfabrik mitfinanziert. Das Resultat aus kenianischen Mangos und Maschinen aus Bayern ist wunderbarer Mangosaft. Oder anderes Beispiel, der mehrfach ausgezeichnete Biogasanlagen-Spezialist aus Reisbach, nominiert als "Bayerischer Familienunternehmer 2018": Ihre Biogasanlagen in Kenia erzeugen Energie und beseitigen dabei zugleich Abfall.

Afrika ist der Wachstums- und Chancenkontinent. Ich möchte darum einen Weckruf an die deutsche Wirtschaft aussenden: Haben Sie Mut! Investieren Sie in Afrika!

Entwicklungspolitik ist Investitions-Partner, denn unser Ministerium heißt bekannter Weise: "Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung". Ein afrikanischer Minister hat mir einmal gesagt: Schickt uns lieber zehn deutsche Firmen als zehn Prozent mehr Mittel für Entwicklungshilfe! Damit hat er Recht und ich richte unsere Politik danach aus. So habe ich vor kurzem eine gesamte Unterabteilung für mehr Zusammenarbeit mit der Wirtschaft geschaffen. Mit unserer Unterstützung und unserem Know-how kann Afrika Jahrhundert-Sprünge machen.

Mit unserem Marshallplan mit Afrika stärken wir Regierungen, die vorangehen. Wir setzen auf "Reformpartner" wie Ghana, Tunesien und die Elfenbeinküste. Wir wollen weg von der Gießkanne. Wir fordern jetzt Reformen ein.

Folgende fünf Punkte sind uns wichtig:

1. Investitionssicherheit schaffen

Unternehmen brauchen vor allem Rechtssicherheit und leistungsfähige, transparente Institutionen. Wir helfen ganz konkret beim Aufbau von Rechnungshöfen, wie beispielsweise in Ruanda, Ghana und Mosambik. Wir fördern schlanke Verwaltungen: In Marokko können sich Unternehmen jetzt mit ein paar Klicks online registrieren.

2. Infrastruktur stärken

Beispiel Energie: Allein Stromausfälle kosten zwei bis vier Prozent der möglichen Wirtschaftsleistung. Bis 2040 dürfte die Energienachfrage Afrikas um 80 Prozent zunehmen. Wir fördern Investitionen in Erneuerbare. Das Ziel ist "Grüne Bürgerenergie für Afrika" – und zwar dezentral. Afrika kann zum grünen Kontinent werden und die Karbonisierung überspringen, auch mit dem Know-how, den Technologien und den Investitionen unserer Unternehmen!

3. Berufsausbildung unterstützen

Afrikas Jugend ist motiviert. Sie will ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen. Oft fehlt aber praxisnahe Ausbildung. Unsere Entwicklungszusammenarbeit setzt auf Partnerschaften mit Unternehmen und ist dabei sehr erfolgreich. Die Firma Knauf hat beispielsweise rund 800 Tunesierinnen und Tunesier in Handwerksberufen ausgebildet. Über 100 haben sich schon selbständig gemacht. Siemens wird in einer neuen Allianz in Ägypten weit über 5.000 Fachkräfte in Zukunftsberufen schulen. Künftig wollen wir Großprojekte systematisch mit Berufsbildungskomponenten verbinden. Das schafft Jobs, Infrastruktur und Qualifizierung auf einen Streich!

4. Jobs in Afrika schaffen

Mit unserer neuen Sonderinitiative "Ausbildung und Beschäftigung" wollen wir Sie als Unternehmer konkret unterstützen, Jobs in Afrika zu schaffen. Wir wählen gezielt Cluster und regionale Standorte in Afrika aus und machen sie attraktiv für Ihre Investitionen. Wir verknüpfen deutsche und europäische Unternehmen mit afrikanischen und mit dortigen Verantwortlichen.

5. Punkt: Außenwirtschaftsförderung stärken

Es braucht dafür zum einen mehr Expertise. Meine Vorstellung: In jedem Land eine Anlaufstelle für deutsche Unternehmen, denn Projektentwicklung kostet Zeit und Geld. Wer den lokalen Markt kennt, ist klar im Vorteil. Vier EZ-Scouts in Freising, München und Neuburg helfen Ihnen bei Projekten!

Und es braucht zum anderen mehr Anreize: Ich setze mich ein für mehr Doppelbesteuerungsabkommen. Wir wollen den Hermes-Selbstbehalt für "Compact-with-Africa"-Länder auf fünf Prozent absenken. Ich arbeite zudem an einem Entwicklungsinvestitionsgesetz. Damit setzen wir Anreize für Investitionen in Afrika und sichern die Risiken besser ab. Ich zähle auf Sie: Investieren Sie in Afrika!

Eine gerechte Globalisierung funktioniert allerdings nicht ohne einen fairen Handel und eine nachhaltige Produktion. Unternehmen müssen Verantwortung übernehmen, auch bei uns zu Hause. Vieles davon stammt aus Afrika, wie Rohstoffe für Handys, Windturbinen, Kaffeekapseln oder Pralinen. Kein deutsches Unternehmen darf sklavenartige Kinderarbeit in der Lieferkette dulden! Afrikas Produzenten brauchen faire Preise.

Mehr deutsche Familien-Unternehmen in Afrika wären eine win-win-Situation für beide. Afrika und Europa sind Nachbarn. Unsere Zukunft hängt voneinander ab. Ein starkes Afrika ist auch in unserem Interesse! Wenn wir nicht helfen, die Herausforderungen zu bewältigen, kommen sie zu uns.

Darum mache ich mich auch für eine neue Dimension der EU-Afrikapolitik stark: Wir brauchen mehr EU Budget für Afrika! 420 Milliarden Euro für die europäische Landwirtschaft gegen 42 Milliarden Euro für die Afrikapolitik, das ist keine Antwort auf die Jahrhundertaufgabe Afrika!

Darum bin ich auch bei Ihnen, liebe Familienunternehmer, die Zusammenarbeit mit Afrika bringt Chancen für deutsche Unternehmen und Chancen für nachhaltige Entwicklung. Die sollten wir gemeinsam ergreifen!

Lexikon der Entwicklungspolitik

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