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Juli

Der Marshallplan mit Afrika


Ein neuer Ansatz in der Entwicklungszusammenarbeit

Gastbeitrag von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller im außenpolitischen Journal "Welt Trends" vom 7. Juli 2017

Was haben wir in Deutschland in den vergangenen Monaten an Nachrichten aus Afrika wahrgenommen? Die Hungerkrise am Horn von Afrika, Bürgerkriege wie im Südsudan und eine Regierungskrise in Südafrika. Es sind die negativen Nachrichten, die unser Bild von Afrika bestimmen. Dabei verlieren wir die großen Fortschritte, die in Afrika in den vergangenen Jahren erreicht worden sind, aus den Augen: Der Anteil der Menschen in Afrika, die in absoluter Armut leben, ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten um 15 Prozent gesunken und er sinkt weiter. In Ländern wie Südafrika, Kenia und Äthiopien gibt es ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum, von dem eine immer größer werdende Mittelschicht profitiert.

Deutschland und Europa müssen in ihrem eigenen Interesse diese positiven Entwicklungen unterstützen. Denn nur mit einem starken Afrika, das mit einer nachhaltig wachsenden Wirtschaft Jobs und Wohlstand generiert, können wir viele der globalen Probleme lösen, die uns alle angehen. Daher habe ich den Marshallplan mit Afrika als Blaupause für eine neue Entwicklungspartnerschaft mit Afrika vorgelegt. Dabei geht es nicht um mehr Entwicklungsgelder. Afrika braucht eine Stärkung der eigenen Entwicklungskräfte. Nicht einfach mehr Investitionen sind angesagt, sondern mehr Wertschöpfung vor Ort. Afrika ist nicht geholfen, wenn es Lieferant von Rohstoffen bleibt, die woanders weiterverarbeitet werden. Entwicklung kann nicht funktionieren, wenn zum Beispiel vom Verkaufspreis einer Packung Kaffee in Deutschland nur fünf Prozent beim Bauern in Afrika ankommen.

Wir wollen afrikanische Staaten dabei unterstützen, dieses Ungleichgewicht abzubauen. Dadurch entstehen neue Jobs und bessere Lebensperspektiven für die Menschen. Dabei werden wir gezielt mit jenen Staaten die Kooperation vertiefen, die sich bereits jetzt durch gute Regierungsführung auszeichnen und sich im Kampf gegen die Korruption einsetzen. Konkret strebe ich an, Investitionen deutscher und europäischer Unternehmen in Afrika zu erleichtern, zum Beispiel durch steuerliche Anreize, um faire Handelsbedingungen durchzusetzen und verstärkt in die berufliche Bildung von Afrikas Jugend zu investieren. Mit diesem Ansatz können wir den Afrikanern die Mittel in die Hand geben, um sich selbst zu helfen.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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